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MOUTH
MOUTH
INFO

Wenn sich in den Untiefen der letzten 30 Jahre Rockgeschichte Wahnsinn mit dem Inbegriff eines unkontrollierbaren Magischen Realismus paart, heißt das Ergebnis Mouth.

Aus dem Strudel kollektiver Erinnerung haben die Kölner herausgefischt, was auf der eine Seite den Geist eines intelligenten Rock-Verständnisses beschwört. Sie zitieren mit bestechender Leichtigkeit und wichtiger: völlig unpeinlich Urgesteine des progressiven Rocks, angefangen bei Gentle Giant, Genesis und Yes, kulminierend in feinsinnigen Verweisen auf den avantgardistischen Mitt-Siebziger Canterbury Rock um Soft Machine und Hatfield And The North.

Aber okay: Was sind schon Namen? Viel wichtiger ist, dass Mouth ihr bluNoise-Debut so arschtrocken und selbstbewusst vor Deine Füße schleudern, dass im Nachhinein gleich mehrere Fragen auf den Nägeln brennen. Das soll ihre erste Platte sein? Wo soll ich unterschreiben? Darf ich's nochmal hören? Ja. Rechts unten. Aber sicher...

In einer Zeit, die sich von einer glatt gerechneten Single zur nächsten quält, präsentieren Mouth die immer noch bessere Alternative: ein Album mit Konzept, im Grunde mehr Ideen als erlaubt und einen Sound, der sich jeder Kategorisierung entzieht.

Die großen Geister schlechter Aussichten, allen voran Deleuze, Kafka und Pynchon, standen Pate für die existentielle Rahmenhandlung von Rhizome. Die verunsichernde Vision einer Zukunft in Gleichschaltung, die das lose Konzept des Albums beschwört, pickt sich einen kleinen Schicksalsträger heraus, der angesichts des übermächtigen Konzerns cascade inc. ohne Happy End aus der Story hervorgeht. Auf seinem Weg stehen Paranoia, Scizophrenie und Stummschaltung, gekrönt von einem finalen Fenstersturz, der jedoch nicht sein Ende bedeutet.

Die immanente cineastische Assoziation mit Logan's Run greift dabei gar nicht mal so weit daneben, denn abgesehen vom fehlenden positiven Ausgang der Geschichte atmet Rhizome stilistisch denau die Luft der 1970er Jahre, die auch schon die Gehirne der Macher von THX 1138, Omega MAN, Clockwork Orange oder Soylent Green animierten. Eine Zeit der notorisch beschwörten Apokalypse, in der Bowie innovativ und Queen noch nicht verkitscht waren. Das beste dieser Vergangenheit transportieren Mouth ins Jetzt und legen hier den Kern frei, damit er genüsslich in der Hitze der Weltkrisenherde dahin schmelzen möge.

Am Ende aller Assoziationsketten, seien sie visuell oder musikalisch, steht Rhizome als Gesamtkunstwerk und weiterer bluNoise-Monolith in unseren Leben. Gekommen um zu bleiben.

Carsten Sandkämper

RELEASES
 
TITEL: »RHIZOME«
TITEL: »RHIZOME«

FORMAT: CD
RELEASE DATE: 2009
STATUS: erhältlich