«      1   |   2   |   3   |   4   |   5      »      
 POPOL VUH Werkausgabe auf CD; Kinski/Herzog DVD-Box; Bücher ...
 13-06-2006

POPOL VUH Werkausgabe auf CD; Kinski/Herzog DVD-Box; Bücher über AMON DÜÜL und CAN


Vor mir in meiner Petrolium-Lampe hält sich eine Wespe selbst gefangen, derweil werde ich eingesogen in die Warp-Animation und höre dabei POPOL VUH-Musik, mein Lieblingsalbum: In den Gärten Pharaos. POPOL VUH ist eigentlich Florian Fricke, und er macht so private und beinahe schon so peinlich intime Musik, daß es sich aufdrängt, sich ihr direkt über die Person Frickes zu nähern. Nun ist dieser Kollege aber leider vor einiger Zeit verschieden, ansonsten hätte man ihn fragen müssen, was er denn nun zu dieser Gesamtausgabe seiner Werke als POPOL VUH zu sagen gehabt hätte. Na gut, geschenkt, geht nicht mehr, sagen wir also das über Fricke, was man so allgemein mehr oder weniger über ihn weiß: daß er z.B. die Filmmusiken für die Kinski-Filme Werner Herzogs komponiert hat: Aguirre, Nosferatu, Woyzeck, Fitzcarraldo, Cobra Verde. Nebenbei erwähnt, sind alle diese Filme mittlerweile auch in einer netten DVD-Box zu haben, inklusive der Herzog-Dokumentation über seine schwierige Arbeit mit Kinski, Mein liebster Feind, und, ebenfalls nebenbei erwähnt, erfährt man so nicht nur die kongeniale Zusammenarbeit dieser drei Typen (Kinski/Herzog/Fricke) neu, sondern es wird nochmals offenbar, welch großartiger Filmemacher Werner Herzog doch war (wenn wir schon mal dabei sind: empfohlen sei auch in jedem Fall die Autobiographie von Kinski, gibts günstig als Taschenbuch). Die Filmmusiken kennt man also, eher zumindest als die anderen Platten von POPOL VUH, insgesamt waren es doch 19!!! Was nicht so schlecht ist; am Anfang waren POPOL VUH sogar auf dem gleichen Label (Liberty) wie die großen AMON DÜÜL II und CAN. Nun kommen also diese 19 Platten von POPOL VUH bei SPV neu heraus, endlich mal wieder ein löbliches und hervorhebenswertes Unterfangen eines deutschen Plattenlabels. Kommt ja selten genug vor. Alle Platten im lecker Digipack (wers denn mag, dieses Vortäuschen falscher Tatsachen durch ein lächerliches Surrogat längst vergangener und natürlich besserer Vinylzeiten). Enthalten ist auch ein ganz nett aufgemachtes Booklet mit Infos und mit ein paar Liner Notes, das aber, und jetzt kommts, haltet Euch fest, in allen CDs so gut wie identisch ist!!! Kann man sich denken, wer sich so was ausdenkt: eine quasi Werkausgabe von POPOL VUH in 19 Bänden und dann in allen CDs das gleiche Booklet. Aber was solls. Man muß das dann wohl ökonomisch sehen, wie so vieles in unseren Zeiten: so lesen wir ein Booklet und haben gleichzeitig alle anderen auch schon gelesen, können so also Zeit sparen. Und Zeit ist ja bekanntlich Geld, und das ist in unserem gegenwärtigen Geiz-ist-geil-Jahrhundert ja wichtiger denn je. Mit dem gesparten Geld können wir dann vielleicht alle 19 POPOL VUH-Alben kaufen. Lohnen würde es sich ja.

Lohnen tut sich freilich auch die Lektüre der beiden im Sonnentanz-Verlag erschienenen Bücher: AMON DÜÜL - Tanz der Lemminge Anfänge deutscher Rockmusik in der Protestbewegung der 60er- und 70er- Jahre von Ingeborg Schober und Das CAN-Buch von Pascal Bussy und Andy Hall. Ersteres erscheint durch seinen Untertitel ein wenig akademisch, hat sogar Fußnoten, die dem geneigten aber unwissenden Leser darüber aufklären, dass z.B. Pot = damalige Bezeichnung für Drogen war. Gut zu wissen. Darüber hinaus berichtet das Buch viel über seine Autorin und deren Lebensumstände und -gefühl zur damaligen Zeit, als man eben zu Drogen noch Pot gesagt hatte. Das ist nur bedingt unterhaltsam, manchmal leider etwas schwafelig, aber in den durchaus wiederkehrenden interessanten Passagen wohl sehr authentisch. Nicht ganz so viel erfährt man leider über die Band AMON DÜLL selbst, was doch ein wenig schade ist. Alles in allem ist das Buch von der ehemaligen ME/Sounds-Journalistin Schober eine aufschlußreiche Studie der jugendlichen Befindlichkeit im Dunstkreis von AMON DÜÜL Anfang der 70er Jahre in Deutschland. Wer nur Fakten über AMON DÜÜL haben will, der sollte sich ein anderes Buch besorgen. Wer aber darauf besteht zu wissen, warum und wie wirklich ALLES mit wirklich ALLEM zusammenhängt, der kommt hier auf seine Kosten.

Im Gegensatz dazu ist das CAN-Buch erfreulich kurz und knapp gehalten, nicht unbedingt umfassend, aber doch sehr informativ und für CAN-Einsteiger bestens geeignet. Profis sind sicherlich über die meisten Dinge gut informiert und brauchen dieses Buch nicht. Auch ist es anzumerken, daß sowohl das AMON DÜÜL- als auch das CAN-Buch keineswegs auf dem allerneuesten Stand sind: so erfreut sich Michael Karoli im Buch noch bester Gesundheit; in Wirklichkeit ist er aber bereits seit ein paar Jahren tot. Aber so was soll den Lektürespaß nicht mindern. Ein paar nette Fotos und eine Diskographie lockern alles recht lecker auf und so kann man schon mal Appetit kriegen auf Dosenfutter, zumal ja gerade die ersten vier (und das sind wohl auch die besten) Platten von CAN frisch gemastert wieder auf dem Wochenmarkt zu haben sind. Dann mal los.

 
 
«      1   |   2   |   3   |   4   |   5      »