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CHÂTEAU LAUT
TITEL: »CHÂTEAU LAUT«
REVIEWS | TITEL: »CHÂTEAU LAUT«
[Vice]

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das mit dem Musikhören ganz bleiben zu lassen. Lief dann aber ähnlich wie die letzten Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören. Nach zwei Tagen dachte ich, nun bewiesen zu haben, dass es auch ohne geht, also hörte ich nur mal kurz in das Debüt dieser Berliner Krachmacher rein und jetzt habe ich mir den gesamten bluNoise-Backkatalog bestellt. Aber ab morgen ist definitiv Schluss. 7/10

25-08-2009
[Intro]

Da wird sich Indie-Papst Guido Lucas aber vor Freude mit seinem Tinnitus abgeklatscht haben, als er das Demo dieser Berliner Band in die Hände bekommen hat. Schon allein der Name Château Laut schreit ja danach, auf Lucas´ Untergrund-Bastion bluNoise Records zu veröffentlichen. Dass das Quartett den Namen als Auftrag versteht, haben lärmende Gigs mit fiesen Feedback-Orgien in den Clubs der Hauptstadt bewiesen.

Auf Albumlänge entfaltet sich das, was unbedarfte Hörer als Lärm abtun, erst einmal bedächtig. Mit ambientartigen Soundscapes pirscht man sich langsam heran, ehe ein bleischwerer Groove die sich zuspitzende Noiserock-Bombe "Song for Ape Sue" zündet. Fans von Shellac bis Kinski dürfte das verzücken. Eine Genreplatte haben Château Laut dennoch nicht gemacht - übersteuerter Noise erfährt mit ätherischen Elementen zwischen Psychedelic und Krautrock, die durch experimentale Arrangements verwoben werden, einen deutlichen Kontrast. Der Track "Moby´s Meat" atmet so gar den Geist von Japan-Core à la Melt Banana. Und mit einer Spielzeit von gerade einmal 28 Minuten geht man daran auch nicht kaputt.

25-08-2009
[Trust]

Noise-Rock, instrumental kein einfaches Fach, will ich meinen.

Chateau Laut schaffen es jedoch aus Sonic Youth-Einflüssen versetzt mit Theremin und Samples eine treibende Musik zu generieren, die einen recht eigentümlichen Sog erzeugt, dessen Wirkung durch gut platzierte Laut-Leise-Dynamik noch verstärkt wird.

25-08-2009
[Visions]

Instrumentale Noiserock-Exkursionen aus Berlin. So sehr BluNoise, dass das Label für Château Laut wieder aus der Versenkung auftaucht. Schön waren die Zeiten, als vor rund zehn Jahren noch fast jeden Monat eine neue BluNoise-Platte erschien. Inzwischen sind Meldungen aus Deutschlands Heimat für Brachialst-Musik eher selten aber wenn, dann umso bemerkenswerter. So wie Château Laut aus Berlin, ein Quartett, das in bester 90s-Manier nur einer einzigen Idee folgt: der von einem individuellen Sound jenseits aller Hörraster.

Ihr Debütalbum ist ein schabendes Klangexperiment zwischen rhytmusfreien Noise-Kaskaden, avantgardistischen Songstrukturen und einem gelegentlichen Hauch von Rock´n´Roll. Diese Platte setzt dort an, wo Shellac, Sonic Youth und die ganzen guten Dischord-Bands zumeist aufhören. Aufreibend horizonterweiternd.

25-08-2009
[www.aversion.com]

If the all the post-rock acts of the late '90s and early '00s spoiled your appetite for instrumental rock albums, this might be the time to start getting back into the genre. Yeah, Tortoise is getting back in the game, but overseas, there are acts ready to actually rock, not post-rock, your face off, from 65daysofstatic to Mogwai's flirtations with instrumental tunes. Add Berlin's Chateau Laut to the list of imports that'll help wash some of the math-rock aftertaste out of your mouth.

Chateau Laut marshals a sound that's still rooted heavily in rock. The four-piece's recordings faintly hint at a love of atmospherics that probably trace their roots back to Krautrock in some bizarrely twisted fashion, but the real story behind Chateau Laut is the act's boldfaced love of post-punk. Not the sad and mopey form of the genre, a la Joy Division, so popular, nor even the dead-disco beats that resurfaced in dance-punk a few years ago. This album howls and clangs with an unholy terror then sinks back down into brooding depths. Its as if The Birthday Party and Pornography-era Cure were fighting over 65daysofstatic's soul. No matter who wins the tug of war, it's worth a listen.

Chateau Laut aren't afraid to bring instrumental rock back into the rock arena. There are no postured attempts to force music theory into the songwriting. There's no silly preoccupation with progress. There's certainly no moments when Chateau Laut come off as not loving the breadth of the rock. "Song for Ape Sue" crashes into squalls of oddball tunings and guitar tones that sound salvaged from a junk yard, evoking Sonic Youth's more muscular and grounded moments. "Everything Looks Small in the Hands of Giants" opens with the clipped, angular guitar licks that profess a love for Chicago post-rock, only to abandon the Windy City's legacy for old-school songwriting and fuzzy guitar tones. "When Sound is Light" is a noodly, psychedelic and more than a little Kraut-y guitar jam, but "Shooting Star Blues" brings the band back into the real world as persistent drums, a fabulously distorted bass line and full-fledged rock guitars cut through the haze.

Instrumental rock has a tendency to go overboard as bands lay on the bells and whistles a little too thickly. Not so with Chateau Laut. The band's ready to keep it simple and keep it rocking.

Matt Schild

www.aversion.com

25-08-2009
[loftandlost.com]

... First off, its Chateau Laut, from sunny Berlin. Occasionally taken to wearing Art Of Noise style face masks, they make a quite marvellous noise which is reminiscent of Sonic Youth back when they were good, on huge amounts of happy pills. Maybe like Mogwai relocated to Ibiza. Id suggest you give Song for Ape Sue a try  its really rather good. I especially like the odd Cramps on methadone bit near the end. Its about 26 zillion songs in one and is over before you know it.


Their first album, Chateau Laut, is out now on Blunoise Records. Ive certainly enjoyed their sweet, sweet noise. And make sure you watch this beautiful video for When Sound Is Light, made by Con Men and Stefan Fähler.

loftandlost.com

25-08-2009
[rote-raupe.de]

berlin ist ein moloch. vertont haben das schon viele und ebenso reizvoll wie anspruchsvoll bleibt diese doppelsinnige anstrengung allemal. wenn dazu noch der name guido lucas ins spiel gerät und das fertige ganze dann chateau laut genannt wird, dürfte zwischen dem charlottenburger schloß und potsdams sanssouci einiges in unordnung geraten.

aber von vorne berichtet: when sound is light könnte als soundtrack einen solcher tage in diesem ungetüm von stadt einläuten, der sich schon vom ersten moment an latent unwirklich anfühlt. einen dieser augenblicke, da das hirn akzeptieren muss, dass nicht schlonzen, wohl aber ein dickicht aus terminen und verpflichtungen ansteht für die nächsten stunden. das folgende song for ape sue nimmt, folgte man dieser idee, tatsächlich tempo auf wie während einer koffein-inintoxikation und der suche nach dem adäquaten zeitmanagement. ohne worte übrigens kommen diese feedback-orgien und noise-rundgänge aus. bis auf das kurze ur-berlinerische dokument eines anrufbeantworters (nicht zu lange quasseln jetzt). nachdem chateau laut über jahre hinweg vom projekt zur jetzigen bandformation fanden, stand plötzlich auch der kontakt zu lucas' düsseldofer gütesiegel-label bluenoise. manchen dingen soll man eben etwas zeit geben. dieses selbstbetitelte debüt jedenfalls macht dankenswerterweise nicht den fehler, auf die ganz lange wegstrecke gehen zu wollen. nach nicht einmal einer halben stunde ist genug vernommen. und das ist tatsächlich auch richtig gut so!

rote-raupe.de

25-08-2009
[poisonfree.com]

Ein Quartett aus Berlin sagt Guten Tag mit einer Biene auf Drogen auf dem Cover einer schicken CD im Digipack, und schüttelt dann die Hand mit 4 Minuten waberndem Intro. Der Händedruck bleibt aber flutschig und undefiniert und ein bisschen zu lang, und so ist man über die erste Ansprache in Form eines langsam beginnenden, aber dann hektisch und laut rockenden song for ape sue erfreut. Nach verschrobenen 90 Sekunden Intermission blubbert dann shooting star blues, und nimmt erfreulicherweise angenehm Fahrt auf, irgendwo in den Indie-Gewässern dort draussen. Im Hintergrund lärmt und blubbert ein Verzerrer unaufhörlich, und ja, das kann auch ein weng anstrengend sein, wenn man nicht jeden Tag mit Noise aufwacht und mit Kraut ins Bett geht. Aber irgendwie machts doch Spass. Und dann: Wieder eine Pause / Interlude mit 90 Sekunde Schall und Rauch, bevor Black Spine angenehm rockt. Ja, auch hier gibts ein bisschen krummes und disharmonisches, aber die flotte Struktur hält bei Laune. Ach, erwähnte ich, dass die Platte instrumental ist, bis auf ein paar Samples und Fragmente? Nein?

Mit einer erneuten Unterbrechung namens Mobys Meat (ich hoffe, ich tue hier keinem echten Song Unrecht!) wird schon das Finale eingeläutet, bei dem es sich um den stärksten Song handelt. Flott unterwegs, mit einem netten, wiederkehrenden Motiv auf der Gitarre, und ein bisschen mehr Energie in der richtigen Richtung da stören auch 3 Minuten Ausklang nicht.

So, und wie gefällt das? Sicherlich ist das nix für jeden Tag für mich, dafür ists oft zu verschroben, krumm, lärmend. Im Indie-Kontext, und mit einer Runde Krautrock gewürzt, da schmeckt das ganze aber schon ordentlich und kann unterhalten. Und passt auf Blunoise als Label, natürlich. Irgendwie kommt das ganze sympathisch rüber, und für dieses Review wird die Band mich wahrscheinlich hassen.

poisonfree.com

25-08-2009
[www.sftlive.de]

Meine Güte: All die saubere Popmucke, der ich von Berufs wegen täglich mein Ohr leihe. Und wie bedankt sich Madame? Sie poliert meine Lauscher auf Hochglanz, dass kein Flimmerhärchen stehen bleibt. Widerstand zwecklos. Wie gut tut es da, Song For Ape Sue in den Player zu legen. Nach lässig-psychedelischem Intro lärmen sich Chateau Laut auf einem kratzigen Sixties-Beat durch die verbleibenden vier Minuten und stellen die gesunde Flora eines Punkrock-Ohrs wieder her. Garantiert ohne Nebenwirkungen. 

www.sftlive.de

25-08-2009
[www.schallgrenzen.de]

Laut ist ein Geräusch oder ein Klang, der durch die menschliche oder tierische Stimme erzeugt wird. In diesem Fall schweigt Mensch und Kreatur, allein elektrisch verstärkte Instrumente geben den Ton an. Da freut sich der Fan lauter Gitarrenmusik. Die Krachmacher Château Laut aus Berlin lassen mein altes Sammlerherz höherschlagen. Ein schönes Promo-Päckchen mit Infos, Bilder, kleinen Stickern (ich liebe kleine Aufklebebildchen) und zwei Luftballons. Und als Draufgabe das aktuelle Album Château Laut der Band. Zwar lässt sich das Debütalbum der Berliner auch nach mehreren Hördurchgängen nicht einordnen, fräst sich aber sauber durchs Ohr und macht die Gehörgänge frei. Wenn das mal nicht Absicht ist. Viel Experimentelles quer durchs Unterholz der Rockgeschichte. Gitarrenlastiger Indie-Rock der aus allen Töpfen nascht. So werden die psychedelischen 60er, die krautigen 70er und die noisgen, post-rockenden 90er mit der Jetztzeit zusammengebacken. Herausgekommen ist eine Menge an coolem Zeugs. Auf Gesang wird verzichtet, desgleichen werden Songstrukturen (bis auf Ausnahmen) als unnützer Kokolores beiseite geschoben. Château Laut lassen`s krachen, ihr Noise-Rock ist allerdings nur , wie in diesen Genre üblich, in der vom Rock`n`Roll-Doktor seines Vertrauen verschriebenen Dosierung einzunehmen. Sonst Aua.

Da fällt mir ein, bei Nicorola gibt es ein aufschlussreiches Statement der Band zur allgemeinen Lage der Nation. Zum nachlesen.Und weitere gute Nachricht. Die drei Jungs und das Mädel haben mit der GEMA gebrochen, deswegen hier der Song zum Hören. Ganz schön schlau, die Berliner.

www.schallgrenzen.de

25-08-2009
[Interview auf Nicorola.de:]

Nach etwas längerer Pause wieder ein interessanter Seitenwechsel. Diesmal stammt der Text von allen vier Mitgliedern der Berliner Band Château Laut, die vor Kurzem ihr Debüt veröffentlicht hat. Ihre Musik pendelt irgendwo zwischen Indie, Postrock und einem sehr experimentellem Ansatz. Viel Spaß bei diesem sehr interessanten Einblick!

Stefan, Andrew, Steno, Max (Château Laut):

Wir sitzen auf der gleichen Seite. Wir hören auch Musik umsonst. Wir kaufen ebenfalls die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel wir sind auch Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Machine und diverse Onlinemagazine. Wir sind da nicht anders.

Wir sehen uns nicht wirklich als Teil der Musikindustrie. Wir kennen nicht die Leute, die jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt und produziert haben. Die Werbeetats verabschiedet haben, mit denen man einen Bundestagswahlkampf finanzieren könnte. Und die zu stolz waren, die Entwicklung der digitalen Medien zu beachten. Wir sehen uns eher als Teil dessen, was da nicht beachtet wurde. Wir produzieren nicht komplett an der Musikindustrie vorbei, aber die Grenzen zwischen Musikanbietern und Musikern selber sind heute stark fließend und flüchtig. Promoter sind heutzutage auch Musiker, Musiker sind heute auch zunehmend autonom in ihrer Musikverbreitung, haben eigene Labels und promoten/vertreiben sich auch selber. Die einzige Anbindung an die Industrie ist in unserem Fall der Fakt, das wir auf einem Label (bluNoise) veröffentlichen und mit al!ve einen Vertrieb haben. Das sind aber auch dann die einzigen Berührungspunkte mit dem Musikbusiness. Wir sehen uns nicht als Teil der ganzen Maschine, obwohl wir in manchen Momenten aber auch mit ihr konfrontiert werden.

Wir sind schon vor dem Entstehen der Band Freunde gewesen, haben einfach aus der Leidenschaft, Musik zu machen, angefangen eine Band zu gründen. Wir haben nicht auf Messageboards nach geeigneten Musikern gesucht. Wir haben uns auch nicht aufgrund unserer musikalischen Fähigkeiten zusammengeschlossen. Vielmehr steht der Spaß, etwas gemeinsam entstehen zu lassen im Vordergrund. Wir haben unsere normalen Jobs und finanzieren uns komplett selber, sowohl die Produktionskosten für die Tonträger, als auch den Merchandise und oft auch die Herstellung der Konzertposter und -flyer. Es ist letztlich halb so schwer, eine in sich stimmige kleine Welt aufzubauen, in der wir entscheiden, wie unsere Videos aussehen, wie unser Album aufgebaut ist und wo wir gerne hin möchten. Man braucht ein Ziel, Energie, Geduld und manchmal Glück. Unsere Begeisterungsfähigkeit für die Musik ist unsere treibende Kraft, wie es auch bei allen Künstlern der Fall sein sollte. Außer man will Lady Gaga sein, dann braucht man als treibende Kraft den Willen durch Teetassen und Haarschleifen aus Haar aufzufallen. Uns treibt die Leidenschaft zur Musik. Und wenn es dabei auch noch anderen Menschen außerhalb unseres Freundeskreises gefällt, sind wir glücklich.

So spannend die Entwicklung des Musikbetriebes allgemein ist, wie das Zukunftsmodell für Musiker ausschauen wird, ist weitgehend unklar. Obwohl alles mehr in Richtung Web zu gehen scheint, wird die physische Präsenz von Musik wieder zunehmend wichtiger, Verpackungen werden wieder exklusiver und hochwertiger gestaltet, totgeglaubte Tonträger erleben eine Renaissance, fernab vom virtuellen Grabbeltisch. Deshalb kann man nicht sagen: so und so wird die Zukunft. Es ist nicht nur auf der einen Seite die ausgeleierte Mär der verfallenen Massenmusikindustrie und auf der anderen das Internet. Man muss weiter für sich heraus finden, was für einen selber funktioniert. Das klappt manchmal und manchmal gehts in die Hose. Aber so bleibt es doch interessant.

25-08-2009