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GAFFA
TITEL: »HUNDRED REASONS TO KISS THE GROUND«
REVIEWS | TITEL: »HUNDRED REASONS TO KISS THE GROUND«
[onetake]

Manchmal ist ein Bass nur eine Gitarre mit 4 Saiten. Konsequenterweise verzichten gaffa auf ihrem neuen Album nach dem Weggang ihres Tieftöners auf einen entsprechenden Ersatz. Berger und J.A. Schneider bedienen Gesang, Gitarren und Schlagzeug und genügen sich damit selbst. Wer jetzt an die White Stripes denkt, spaziert auf dem Holzweg. Kein Riffrock, kein Blues hier. Stattdessen alte Indie-Tugenden: allenfalls angezerrte aber stets druckvolle Gitarren, aufgeschlüsselte Akkorde, hier und da Dissonanzen, größtmögliche Dynamik bei zeitweilig stoischem Vortrag. Ganz oft denkt man dabei an die Erstlingswerke von Karate und Codeine. Das kann man dann altmodisch finden, oder zeitlos. Alte Säcke wie ich entscheiden sich für Letzteres. Und freuen sich. Daniel

01-02-2008
[alooga]

Das Duo gaffa besteht aus ehemaligen Mitstreitern der Band Les Hommes Qui Wear Espandrillos und führt in etwa den Sound dieser großartigen Band fort. Jedenfalls ist es ihnen gelungen, mit Hundred Reasons To Kiss The Ground ein faszinierendes Noiserock Monster zu schaffen. Auf der Platte sind 10 vertrackte Songs, deren explosive Kraft sich erst nach mehrmaligem Hören offenbart. gaffa sind wahre Meister in der Kunst, Melodien zu verstecken. Hat man sie einmal entdeckt, sind sie jedoch fast so wertvoll, als wenn man sie selbst erfunden hätte. Die Platte ist ein raues, gewaltiges und sehr empfehlenswertes Indierock-Juwel. ottic

01-02-2008
[justmag]

gaffa: Ein Typ namens Berger und ein Typ namens J. A. Schneider. Wenig Gesang. Viel Noise. Nenn es Postrock Diese Presseinfo schreibt was von jener leisen Melancholie, die möglicherweise das ganze Universum durchzieht. Gestern noch klang das albern, aber jetzt. Die leise Melancholie im Krach von schweren Gitarren, die hereinbrechen wie schwere Felsbrocken. Hier soll nichts stehenbleiben. Hier soll alles weg. Klingen Tortoise nicht ein bisschen so? Nur, weil du keine andere Band aus dieser Schublade kennst. Manche Menschen werden davon Kopfschmerzen bekommen und vielleicht muss das auch so sein. Knapp 37 Minuten nervenaufreibende Songs mit verschütteten Melodien und tausend kalten Schultern und die allerkälteste ist Ende + Aus. Unbeschwertes Kindergeschrei, niedergewalzt von gewaltigen Sounds. Das ist eine Herausforderung, und wenn du sie nicht bestehst, ist das völlig okay. Wenn du aber bestehst, wirst du nie mehr etwas anderes hören wollen. Fazit: Für manche wird Hundred Reasons To Kiss The Ground nicht mehr sein als die Vertonung der Matheformeln, die sie früher nie verstanden haben, für die anderen Zerstörungswut mit Hirn. Sebastian Dalkowski

01-02-2008
[westzeit]

Bassmann Schramm ist weg, Trommler Schneider (LHQWE) noch dabei und Altrecke Berger macht genau dort weiter, wo Amusement Park vor zwei Jahren aufhörte. Man fuhr mit Guido Lucas (der ja wirklich langsam zum deutschen Albini wächst) nach Hückelhoven in's Studio und baute fernab der lauten Metropolen ein kraftvolles Album, das immer noch von der Kraft einer Stromgitarre und einem konzentriert gespielten Schlagzeug lebt. Americana rufen da manche, weil die Stücke Ruhe und Kraft ausstrahlen und bpm hier überhaupt keine Rolle spielen, doch dezente fieldrecordings und tape-Spielchen machen die 100 Gründe, den Grund zu küssen zu mehr. Stimmt schon, das hier ist Noise(Rock) mit der Spielhaltung eines Bluesbarden.

01-02-2008
[popfrontal]

Hundred Reasons To Kiss The Ground ist ein sehr emotionales Indierock-Werk, das mal langsam, mal etwas schneller als langsam Melancholie in verschiedenen Facetten vorträgt. Die Mittel sind reduziert auf Schlagzeug, Gitarre, traurigen Gesang und wenige, aber gekonnt eingesetzte Samples. Das lässt keineswegs Fülle vermissen, vielmehr wissen gaffa, Spannungsbögen aufzubauen, indem sie immer ein paar Momente länger als erwartet zurückhaltend, ruhig und pointiert vor sich hin treiben. Durchsetzt wird das von intensiven Gitarrenausbrüchen, die sich gegen die eigene Depressivität aufzubäumen scheinen. gaffa mit Chokebore zu vergleichen liegt durchaus nahe, spätestens beim letzten Song, wenn ein eingespieltes Sample dafür sorgt, dass man sich am Strand von Hawaii mit Anything Near Water wähnt. Ein Tag am Meer mit gaffa hat natürlich weniger mit heiteren Badeausflügen und Beachvolleyball-Einlagen zu tun, sondern könnte vielmehr die Begleitmusik zum Strandgang des Monsieur Meursault sein, wie er einst Herrn Camus aus der Feder floss. Schlicht, glasklar, unausweichlich, so bringen auch gaffa ihr Werk zu Gehör. Am Ende war die Sonne schuld. Sk

01-02-2008
[visions]

Zähflüssiger Postrock-Noise: Spröde, brüchig, minimalistisch, aber doch sehr dynamisch und lustvoll rausgespielt. Eine kuriose Entwicklung für Deutschlands finest Noise-Drummer Jörg A. Schneider: Galt für ihn 15 Jahre lang im Kontext seiner Band Les Hommes Qui Wear Espandrillos vor allem der maximale Punch, das Ausloten ungekannter Prügelhärte, entdeckt er mit gaffa die Lust am Minimalismus und am Setzen pointierter Akzente. gaffa selbst, seit dem Ausstieg von Basser Schramm zum Duo geschrumpft, rücken mit ihrem Drittwerk wieder um einige Nuancen ab vom bisherigen Weg des pathologisch artifiziellen Zerlegens von Songstrukturen. Von Pop zu sprechen wäre natürlich immer noch unangebracht, und doch lassen sich weit mehr nachvollziehbare Details, widerkehrende Gitarrenakkorde und fast anheimelnd wirkende Momente ausmachen. Ihre Besonderheit ist das höchst variable Spielen mit Dynamik von zerbrechlich wirkenden Tropfakkorden bis zu martialisch rausgepumpten Noise-Attacken, immer schön im Wechselspiel. Das klingt zunächst interessant, nach vielmaligem Hören gar vertraut und nah am Ohr des Hörers.

Sascha Krüger

01-02-2008