HOMEPAGE
MORE
KENZARI'S MIDDLE KATA
TITEL: »BODY VS. FUNCTION«
REVIEWS | TITEL: »BODY VS. FUNCTION«
[http://borderlinefuckup.wordpress.com // 14.10.11]

Ich könnte vieles über Kenzaris Middle Kata erzählen. Etwa, dass sie völlig unterschätzt sind. Dass sie in Deutschland einen Ausnahmestatus haben und eigentlich weltweit bekannt sein müssten. Dass sie eine tolle Platte nach der anderen raushauen und sich dabei von Release zu Release steigern. Oder dass ich sie mittlerweile fünf Mal live sah und sie mich dabei nie enttäuschten. Nach vier Jahren ist nun das zweite Album Body vs. Function draußen. Aufgenommen wurde es mit Guido Lucas und erscheinen tut es auf dem Blackmail- und Scumbucket-Label Blunoise. Das sollte dazu beitragen, dass KMK einer breiteren Masse präsentiert werden. Allerdings muss man nicht befürchten, dass sich die Bayern dem Label irgendwie angepasst haben. Grundsätzlich gehen die Vier den Weg weiter, den sie mit dem Nihilits-Split begonnen haben. Und so klingt das neue Album noch etwas düsterer, ist noch etwas verspielter und gibt noch weniger auf Refrains oder weltumarmende Melodien. Wie zuvor trifft verschrobener Post-Hardcore auf verspielten Noise-Rock. Body vs. Function ist progressiv, experimentell und auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar es gerät aber niemals aus dem Ufer und frisst sich nach mehrern Durchgängen völlig in die Gehörgänge. Wer sich eine Kreuzung der späten At the Drive-In mit den frühen Shellac vorstellen kann, der hat eine ungefähre Ahnung wie Kenzaris Middle Kata klingen. Arschtrittfaktor, Melodiösität und Emotionalität haben sie von ersteren, das Rhythmus-Verständis, sowie das Klanggespür von zweiteren. Die Unberechenbarkeit könnte von beiden stammen. Auch wenn auf Body vs. Function ähnliche Zutaten wie zuvor vermischt werden, ist das Endresultat wiederum völlig anders geworden. Gerade im Vergleich zum vier Jahre alten Vorgänger setzt man weniger auf katharsische Ausbrüche und durchgeknalltes Geschrei. Body vs. Function ist ausgereifter. Es klingt durchdachter und so als ob die Band  jeden Klang perfekt aufeinander abgestimmt hat. Schlicht gesagt: es ist komplexer als alles, dass KMK zuvor gemacht haben. Die Herren spielen noch mehr mit verzerrten Gitarren, mit Feedbacks oder verzwackten Arrangements. Bei der Fülle an Einfällen ist es beeindruckend wie gut alles zusammenpasst. Denn die größte Stärke gegenüber den zuvor veröffentlichten Sachen ist, dass Body vs. Function ein überragendes Gesamtwerk geworden ist. Es fühlt sich nicht nur unheimlich ausgewogen an, nein es glänzt vorallem durch seine Übergänge. Erwähnen will ich hier nur mal den Übergang vom drückenden Todays Theaters, Tomorrows Silence, welches perfekt in den verträumten Beginn vom Titelsong überleitet. Diese beiden Tracks gehören einfach zusammen! Wobei das nur der Gipfel ist! Eigentlich sind alle Stücke irgendwie miteinander verbandelt. Das unterstreicht den Charakter als Konzeptalbum noch mehr. Wobei ich über die Texte nicht zu viele Worte verlieren möchte, weil sie viel Interpretationsfreiraum lassen. Apropos Worte: ich spare mir jetzt jegliche. Ich könnte Body vs. Function weiterhin über den grünen Klee loben. Ich könnte erwähnen, dass die Gastauftritte von Aydo Abay und Guido Lucas in Titanic richtig gut gelungen ist. Ich könnte schreiben, wie gut nach erwähnten Song das fast schon balladesk-dramatische Ghost Camera passt. Wie gut dieses Stück wiederum ist. Ich könnte sagen, dass die zweite Hälfte der Platte fast schon besser ist als die eh schon überragende erste. Ich könnte sagen, dass sich KMK in jeder Beziehung gesteigert haben. Ich könnte sagen, dass DAS hier das Album des Jahres ist. Ich könnte aber auch einfach sagen: selbst anhören! Aber bitte auch die nötige Zeit geben 10/10

15-04-2011
[www.glitterhouse.com // 02.03.11]

Ambitionierter Post-Hardcore in der eher klar strukturierten Form. Kenzaris Middle Kata modernisieren den Sound, der uns bis in die frühen Neunziger von Labels wie Amphetamine Reptile näher gebracht wurde. Mit harschen, kantigen, noisigen Gitarren, vielen Breaks und wenig Gesang. Aber nicht zu derbe und noisy, denn nach jedem Freeform-Feedback-Sturm sorgen stoische Riffs wieder für musikalische Ordnung. Jedenfalls meistens. Und wenn es die Burschen aus München mal etwas ruhiger angehen lassen, höre ich prompt Slint, frühe Sonic Youth und ähnlich schöne Vorbilder heraus. Dieser zweite Longplayer der Band klingt für mich wie eine Steve Albini-Produktion von 1989, sie selbst beziehen sich auf Bands wie At the Drive-In und die frühen Shellac.

15-04-2011
[www.plattentests.de // 02.02.11]

Das Wegsperren von Wegsperren - "Christus kam nur bis Eboli" nannte der Schriftsteller Carlo Levi einst sein autobiographisches Werk über die Verbannung in den rückständigen, gottesfürchtigen Süden des italienischen Stiefels. Stellt sich die Frage: Wie weit kamen eigentlich At the Drive-In? Zumindest ins idyllische Chiemgau haben es die längst verblichenen Postcore-Veteranen aus Amerika offenbar geschafft. Und dort einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seit einigen Jahren schon zählen Kenzari's Middle Kata zum besten, was Deutschland in diesem Genre zu bieten hat. Das Debüt "Black box consciousness" wurde anno 2006 begeistert aufgenommen und ermöglichte dem Quartett Konzerte im In- und Ausland. Für den Nachfolger ließen sich Kenzari's Middle Kata Zeit und holten sich prominente Unterstützung ins Boot.

"Body vs. function" wurde von niemand geringerem produziert als Noiserock-Urgestein Guido Lucas. Der ließ auch gleich seine Kontakte nach Koblenz spielen und brachte Aydo Abay als Gastsänger im Song "Titanic" unter. Wie um zu beweisen, dass sie es verdient haben, mit solch klangvollen Namen in Verbindung gebracht zu werden, haben die Oberbayern ein Album aufgenommen, das zwar anders klingt als ihr erstes, ihm aber in nichts nachsteht. Waren die Songs auf dem Debüt noch von musikalischer und emotionaler Unberechenbarkeit geprägt, durchzogen von Rhythmusbrüchen, schrägen Harmonien und wütendem Geschrei, so präsentiert sich "Body vs. function" eingängiger und kompakter.

Doch von seichtem Geschrammel sind die zehn Songs immer noch so weit entfernt wie Eboli von Mailand. Unter der Oberfläche von treibenden Hochkarätern wie "Bailed off" oder "Copper and its current youth" etwa schlummern tighte Arrangements und versteckt sich jede Menge interessantes Gefrickel. Auch das angesprochene "Titanic" drängt auf technisch höchstem Niveau nach vorne. Mögen die Beats diesmal geradliniger sein, mögen Kenzari's Middle Kata weitgehend darauf verzichten, dem Hörer den Boden unter den Füßen wegzuziehen: Ihre Lieder verlangen immer noch höchste Aufmerksamkeit. Wer sich nicht auf "Body vs. function" einlässt, wird die unaufdringliche Großartigkeit der meisten Gesangslinien kaum bemerken. Wer Liedern wie dem Titelstück keine Zeit zur Entfaltung gibt, wird wirres Gitarrengeplänkel hören anstatt das meisterhafte Zusammenspiel dahinter.

Bei diesem Album wäre ein solcher Mangel an Aufmerksamkeit wahrlich schade, denn "Body vs. function" ist ein wuchtiges Statement, das den Vergleich mit amerikanischen Genregrößen nicht zu scheuen braucht. Eine bissige Gitarrenhymne wie "This machinery is for the people" hätten auch At the Drive-In nicht besser hingebracht. Wer übrigens noch den schlagenden Beweis sucht, dass diese es tatsächlich ins Chiemgau geschafft haben, höre sich den abschließenden verschrobenen Sechsminüter "The red queen analogy" einmal genauer an und suche das direkte Textzitat aus "Invalid litter dept.": Es hat, ebenso wie "Body vs. function", seinen genau richtigen Weg gefunden.
www.plattentests.de // 02.02.11

15-04-2011
[www.on3.de // 15.11.11]

Vorgestellt // Kenzari's Middle Kata :  Geballte Teenage-Angst

Vier Jahre ist her, dass die Münchner Post-Hardcore-Helden ihr letztes reguläres Album veröffentlichten. 2010 sind sie zurück mit "Body vs. Function" - vom Post-Hardcore zum Noise-Rock. Musikredakteur Marcus Grassl ist gerockt!

Mitte der 90er: Ich befinde mich in einer mittelgroßen Teenage-Riot-Phase. Jeden zweiten Abend lümmele ich bei Rockkonzerten in der ersten Reihe, um verwirrten Emotionen, Zukunftsängsten und Liebeskummer freien Lauf zu lassen.

2010: Kenzari's Middle Kata veröffentlichen ihr drittes Album. Kaum läuft die Platte, kommen wieder dieselben Gefühle dieser postpubertären Lebensphase in mir hoch.

"Body Vs. Function" - Kenzari's Middle Kata hätten keinen passenderen Titel für ihr Album finden können. Da ist alles drin: die unergründlichen Verbindungen zwischen hören, sehen, fühlen, schmecken, leben, leiden und lieben. Ein Wechselbad der Gefühle. Es gibt keine Kontrolle, du bist hemmungslos wie im Rausch. Der Körper und die Sinne tun einfach, was sie wollen. All das haben die vier Jungs von Kenzari's Middle Kata vertont.
Auf in den One-Man-Moshpit

Instrumentaler und geradliniger als die letzten beiden Alben kommt "Body Vs. Function" daher. Das treibende Schlagzeug und der stetige Bass lassen meinen Puls schneller schlagen. Meine Muskeln spannen sich an, ich balle meine Hände zu Fäusten und bin kurz davor, einen One-Man-Moshpit zu starten. Tagträumend komme ich mir wieder vor wie mit 16.

Instrumentaler und geradliniger als die letzten beiden Alben kommt "Body Vs. Function" daher. Das treibende Schlagzeug und der stetige Bass lassen meinen Puls schneller schlagen. Meine Muskeln spannen sich an, ich balle meine Hände zu Fäusten und bin kurz davor, einen One-Man-Moshpit zu starten. Tagträumend komme ich mir wieder vor wie mit 16.
Kenzaris Middla Kata

Pubertär klingt das Album dennoch nicht. Melodiös wie Les Savy Fav, energetisch wie At The Drive in, elegisch wie Blackmail. Kein Wunder, hat doch Guido Lucas die Platte auf seinem Label bluNoise produziert und veröffentlicht. Der war nicht nur Bassist von Scumbucket, sondern hat auch die ersten Blackmail-Alben produziert und war somit maßgeblich verantwortlich für den Sound des deutschen Alternativ-Rocks der 90er. Prominent ist auch der Gastsänger des Tracks "Titanic". Aydo Abay, früher Leadsänger bei Blackmail, wurde für diesen Track ins Studio eingeladen.

Teenage-Riot im Albumformat

Die Platte ist musikalisch eine Rückbesinnung auf die 90er, in denen die Musiker selbst alle noch unter 20 waren und unter Zukunftsängsten litten. Und das, obwohl die Jungs mittlerweile schon feste Jobs und Familien haben. Da sollte es eigentlich vorbei sein mit der Teenage-Angst. Trotzdem sind die dreckigen Gitarren, das Geschrei und die großen Emotionen bei jedem Song zu hören und zu spüren. Und gerade diese Straightness und Intensität auf "Body Vs. Function" katapultiert mich wieder zurück in die Zeit der langen, fettigen Haare, der Doc Martens und der Unsicherheit während des Erwachsenwerdens. Ein Wahnsinns-Trip.

15-04-2011
[www.in-your-face.de // 01.02.11]

Schön, dass sich auch in Deutschland noch Menschen zusammenfinden, um ihren kreativen Output zu vereinen und schließlich auf Platte zu pressen. Noch schöner, dass es sich mal wieder richtig frisch anhört!

Das zweite Werk der bayrischen Post-Indie-Irgendwas-Core-Kapelle KENZARI´s MIDDLE KATA beginnt verstörend und angespannt, taucht dann plötzlich ein in verträumte Harmonien, bleibt dabei aber stets trocken und monoton. Emotionale Höhepunkte werden hier nur sparsam eingebunden, doch gerade das macht Body vs. Function so interessant! Zu schief um es eingängig zu nennen, zu verrückt um von Melancholie zu sprechen.

Ein großer Brocken AT THE DRIVE-IN und etwas FARAQUET, gemischt mit der psychedelischen Langwierigkeit alter Krautrock-Bands und einer dicken Portion Eigenständigkeit, macht Body vs. Function zu einem erstaunlich vielfältigen Album, das viel viel mehr zu bieten hat, als der gewohnte Standard-Indie. Und auch Urgestein-Produzent Guido Lucas kann sich für eine so dermaßen rohe und absolut passende Produktion auf die Schulter klopfen. Ja, die Jungs haben ihre Gitarren gestimmt. Ja, das muss so.

15-04-2011
[www.readmypony.com // Pony - Nr.60 Februar 2011 / Stadtmagazin G]

Kontrollierte Ekstase - Kenzaris Middle Kata denken nicht an Auflösung, sie gehen auf Tour

"Spielt eigentlich keine Rolle, ob du aufm Land bist oder in der Stadt oder so." - Da haben Kenzaris Middle Kata aus dem beschaulichen Wasserburg am Inn natürlich recht. Das Tourgeschäft läuft längst übers Internet und solange man den Arsch hoch bekommt und häufig genug an verschiedenen Orten auftaucht, klappts auch mit der Indie-Karriere. An dem Gerücht, daß die »Darlings of the Bavarian Post Hardcore Scene« derzeit in Auflösung begriffen sind, ist nichts dran. Im Gegenteil, erscheint doch Anfang Februar ein neues Album des Quartetts: »Body vs. Function« heißt es ein Name wie der eines Techno-Albums. Macht ja nichts.

Es läuft also gut für die 2003 gegründete Band. Josef Weizenbeck (Drums), Helli Killermann (Baß), Hannes Wastl (Gitarre, Gesang) und Roland Hanisch (Gitarre, Gesang) erklären sich ihren Erfolg teilweise über den engen und freundschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der Post-Hardcore- und Noiserock-Szene, eine typische DIY-Nischenszene um so treuer sind die Fans, meist echte Musiknerds, die sich am liebsten auf Vinyl-Veröffentlichungen stürzen. Downloads sind kaum gefragt.

DIY bedeutet für Kenzaris Middle Kata: Touren buchen, für den »ganzen Internetwahnsinn« zuständig sein und die Produktionskosten fürs neue Album persönlich vorgestreckt zu haben. Gejammert wird nicht und die Musik auf »Body vs. Function« kann sich sowieso hören lassen. Irgendwo im Netz fiel der Vergleich mit Steve Albinis Post-Noise-Gruppe Shellac, was insofern paßt, als auch Kenzaris Middle Kata ein Faible für den trockenen, rohen Sound haben. Für einen Sound, der auf loopartig angeordneten, leicht dissonanten Gitarrenriffs basiert und umso besser funktioniert, je präziser die Band ihn zu spielen in der Lage ist. Anders als Shellac haben Kenzaris Middle Kata aber keine Angst vorm Kontrollverlust. Gleichwohl präsentieren sie ihre ekstatischen Entladungen auf »Body vs. Function« mit weit mehr spielerischer Disziplin und Zurückhaltung als noch in früheren Tagen. Der Platte hats nicht geschadet, im Gegenteil.
www.jungewelt.de // 07.02.11

15-04-2011
[www.musik.terrorverlag.de // 03.02.11]

In Oberbayern ist es nicht so weit her mit der Musikszene. Umso genauer verfolgt man die Bands im Umfeld. Gerade mal 5km von meinem Wohnort entfernt ist die Heimat von KENZARIS MIDDLE KATTA und bei denen hatte man schon immer das Gefühl, dass die mal ganz groß werden (können).

"Body vs. Function" ist das zweite Album - entstanden in den ehrwürdigen Blunoise Studios, produziert von Guido Lucas - ja, KENZARIS MIDDLE KATTA haben es geschafft. "Body vs. Function" - Sein vs. Haben - Post-Core vs. Noiserock - Progressiv vs. Unausweichlich. Der Sound der Band ist im Laufe der Jahre experimenteller, ja auch abstrakter geworden, entziehen kann man sich ihm aber dennoch nicht. Die Kompositionen sind atmosphärisch extrem kompakt, wenngleich auch ungemein facettenreich und fragil. So dauert es etwas, bis Titel wie "Bailed off" oder "Cross you, Nosferatu" ihre volle Attraktivität entfalten. Andere Stücke hingegen sind direkter zugänglich, wie das indieske, ruhelose "Copper and its current youth", das sich zu einem wahren Ohrenstürmer im Stile von AT THE DRIVE IN entwickelt. "Titanic" hingegen zerrt am Spannungsbogen, füttert die Nerven aber mit wunderbar eindringlichem Gesang, anstelle energischer Shouteinlagen.

"Body vs. Function" ist ein ungeheuer dringliches Album, das bereits nach wenigen Durchläufen immer tiefer im Gehörgang liegt. Die Lyrics wirken ebenso wie der facettenreiche, progressive Noiserock der Oberbayern, was KENZARIS MIDDLE KATTA für Genrefreunde zum neuen Pflichtprogramm werden lässt.

15-04-2011
[www.alternativenation.de // 08.02.11 www.cloudspeakers.com // 08]

Wir räumen dann jetzt auch einfach mal jeden Zweifel aus dem Weg darüber, dass in Sachen Post-Hardcore oder Post-Punk oder Noise-Rock oder allen dreien zusammen oder was auch immer die Bayern Kenzari's Middle Kata in der guten alten Heimat zum absoluten Non plus ultra ihrer Genres gehören.

...wie war das? Zweifel gab es da schon lang nicht mehr? Na, umso besser! Das wird dann wohl auch noch ein Weilchen so bleiben, Body vs. Function wirft jedenfalls keinen Moment lang welche auf. Besagte Heimat bezieht sich dabei natürlich nicht allein auf den heimeligen Freistaat, sondern auf die ganze Bundesrepublik. Verdient haben sie sich diesen Status allemal. Schließlich avancierte schon das 2006 erschienene Erstwerk Black Box Consciousness in Windeseile zum absoluten Kritiker- und vor allem Publikumsliebling. Wer kann es verübeln? Dargebotenes konnte ja über alle Maßen überzeugen und sowohl dem geneigten 90er-Jahre-Nostalgiker Sturzbäche von Freudentränen in die bzw. aus den Augen treiben, als auch Szenenfrischlinge für eine Musik begeistern, deren musikalischer Zenit noch längst nicht überschritten wurde. Auch Body vs. Function funktioniert ganz in diesem Sinn.

Es ist komplex. Es ist verschachtelt und fordernd. Und es ist ein ganz vorzügliches Stück Musik. In bester Manier hochverehrter 90er-Jahre Post-Core-Größen frickelt und groovt sich das Quartett durch rhythmisch wie melodisch weit vertrackte musikalische Szenerien und beweist dabei nicht nur ein beachtenswertes technisches Potential, sondern vor allem ein exzellentes Gespür dafür, aus diesen Szenerien ein schlüssiges und gleichfalls großartiges Ganzes zu schaffen. Dabei klingt vor allem eine Referenz in beinahe jedem Takt mit: At The Drive-in. Nun erfolgt auf Body vs. Funktion mitnichten eine Kopie der Kalifornier, sondern vielmehr eine gesamtklangliche Hommage, mit der KMK einem ihrer musikalischen Haupteinflüsse durchaus gerecht werden.

So existiert dissonante Komplexität neben klasse Melodien und experimentelle Progressivität neben Hardcore-Drive. Die 90er-Jahre mischen sich mit frischer Leidenschaft und moderner Interpretation. Und Kenzari's Middle Kata ist es erneut gelungen, ihren Stand hierzulande nicht nur zu verteidigen, sondern mit ihrem zweiten Album vielleicht sogar noch eins draufzusetzen und die Messlatte dank besser durchdachter und reiferer Kompositionen sogar ein kleines Stück über das Debüt zu hängen.

15-04-2011