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MOUTH
TITEL: »RHIZOME«
REVIEWS | TITEL: »RHIZOME«
[www.glitterhouse.com]

Da habe ich mich doch erst ein wenig erschrocken: ein ambitionierter Albumtitel (bitte bei Deleuze/Guattari nachschlagen) und mutig zitierte Prog-Ikonen von Gentle Giant über Yes zu Soft Machine. Uff. Aber letztlich alles falsche Fährten. Okay, der angesagte Terminus Neo-Prog passt hier schon, ansonsten ist Mouth aber eine junge, sehr dynamische, ja richtig explosive Band aus Köln, deren komplexer Rock trotz harscher Breaks und Tempowechsel schon ausgesprochen druckvoll nach vorne geht. Der Opener Cascade Inc. erinnert tatsächlich an Rush, ganz ohne deren bräsiges Pathos. Die Wirkung der Musik ist auch wieder der Produktionskunst von Guido Lukas zu verdanken, der es hier schafft, die meist komplex strukturierten Songs sehr tight, kompakt und angenehm trocken klingen zu lassen. Vor allem die messerscharfen Unisono-Gitarren sind denkbar weit weg von allen Stadionrockassoziationen. (Joe Whirlypop)

31-10-2009
[www.schallplattenmann.de]

Zu den interessantesten Scheiben, die mir in den letzten Monaten aus deutschen Landen auf den Tisch (bzw. in den Player) gekommen sind, gehört das Debütalbum "Rhizome" des Kölner Trios Mouth, auf dem eine sehr catchy Art des verschärften und gestrafften Progressive Rock mit Hardrock-Geschepper und Glamrock-Attitüde (und hie und da anderer 1970er-Einflüssen) zelebriert wird. Hui, so spaßig und dabei so kantig, so rockig, ein wenig rotzig und dann auch noch aus meiner Heimatstadt: Wer hätte gedacht, dass ich so etwas noch mal in dieser Güte zu hören kriege?! Das Trio beruft sich auf Bands wie Gentle Giant, Genesis, Yes, Soft Machine und Hatfield And The North, doch in Wirklichkeit könnte man mit derselben Berechtigung Led Zeppelin, Deep Purple, David Bowie, Fish (!) und warum nicht auch noch T. Rex als Paten benennen: Die kratzig-kantige Gitarre mit einer ganzen Batterie von Fuzz-, Flanger-, Delay- und Was-weiß-ich-für-Effekten, die drolligen Retro-Keyboards und die gewagten Vocals (Ich mag sowas, das ist zumindest prägnant!) sorgen für ungestörten Mitt-Siebziger-Genuss. Wenn man sich jetzt noch traut, die Songs breiter anzulegen und den Zuhörer mal durchatmen zu lassen, dann bin ich spätestens beim nächsten Album vorbehaltlos glücklich. Aber auch so ist "Rhizome" eine sehr erfreuliche Delikatesse. Wann gibt es das live zu hören?
Anspieltipps: "Mutecontrol" und "The Balance".

31-10-2009
[www.sellfish.de]

guido lucas und blunoise records... wie konnte ich diese verlässliche größe im einheimischen indie-untergrund in den letzten jahren nur vom radar verlieren? und wieschön ist das eigentlich, mit Mouth eine neue band unter deren fittichen zu wissen? noch dazu eine, die mit"Rhizome" (blunoise records/alive) auf beeindruckende weise zeugnis von ihrem guten geschmack ablegt? wer es noch nicht gemerkt hat: ich bin euphorisch. auch ob der tatsache, dass sich hier das noisige soundverständnis des lucas' mit mouth'sleidenschaft für den progrock der siebziger jahre - ich sage mal - "befruchtet". genau: große gestig a lá genesis und riffbauten in der tradition von yes. total outdated? Keine spur, dieses trio haucht dem sound frisches, freches leben ein. wenngleich man mit den ganz großen melodien der vorbilder natürlich nicht konkurrieren kann. mouth machen dieses manko doch durch ein paar lärmige kniffe elegant beinahe wieder wett. komisch nur, das die basictracks schon vor zwei jahren aufgenommen wurden... wieso dann erst jetzt der feinschliff? naja, unkraut vergeht eben nicht. das würde zumindest den plattentitel erklären. und schürt die hoffnung auf einen zeitnahen nachfolger.

31-10-2009
[www.roteraupe.de]

meine herren. das geht doch mal gleich in die füße, oder wo auch immer euer musikzentrum sitzt. erinnert sich noch irgendwer an ally mcbeal, wie sie immer kopfzuckend über die straße hoppste? so gehts mir auch grade. macht aber nix. um bei den ausgestorbenen serien zu bleiben, könnte ich die platte auch in prima that 70s show (statt ständig kiss) platziert sehen. mouth kommen aus köln, ich glaubs gar nicht, und sie klingen nach guter alter zeit und alles können und alles wollen und klein sein und groß sein. und dann wird geschrieen und ich sage: ja! und danke!. frei, laut, melodisch und doch nicht durchstrukturiert. ein konzeptalbum ohne zwänge. gitarrenriffs zum verlieben und ein wahnsinniges timing kombiniert mit der stimme von chriz, die durchaus wiedererkennungswert hat. ich fasse diese sehr unsachliche und trotzdem nicht weniger euphorische rezi zusammen mit: rockt. yeaaaah (gekreischt). leider ist drummer jan in diesen tagen aus der band ausgestiegen und hinterlässt somit vorerst ein 2-mann-projekt und hat zur konsequenz, dass die kommenden geplanten shows vorerst aufgeschoben werden müssen; nimmt aber keinesfalls die lust eben diese zu erleben. anhören!

31-10-2009
[www.musik.terrorverlag.de]

Es gibt Alben, die Grenzen sprengen. Keine kommerziellen, sondern wie im Falle von MOUTH textliche Schranken. Das, was die Kölner auf Ihrem Debüt "Rhizome" abziehen, ist ganz großes Kino. Kino der Siebziger, etwa Kubrick mitsamt Rahmenhandlung. Die Promo hilft etwas auf die Sprünge und nennt Kafka und Pynchon als literarische Einflüsse auf das düsterbenebelte Seelenleben des Albums. Es dreht sich also alles um eine einzelne gescheiterte Existenz, welche das volle Spektrum abbekommt, inklusive Sozialkritik, Paranoia und totalem Versagen. Ein Dutzend Titel erzählen die Geschichte dieses Einzelschicksals, welches in unserer heutigen Gesellschaft doch viele ereilt. Der Anreiz, sich diesem Werk näher zu widmen, ist vorhanden und auch musikalisch geben sich die Domstädter keine Blöße. In den renommierten Blunoise Studios ist ein mächtiges, mitreissendes Kunstwerk entstanden, das ebenso kraftstrotzend wie manisch dem deutschen Alternativerock einen Kickstart verpasst. Mit Prog- und Kraut im perfekten Mischungsverhältnis ist es für Sänger und Gitarrist Chriz Koller ein leichtes, auch den gesanglichen Drive beizumengen. Eindrucksvoll "Requiem", das in bester Soundgarden-Manier die Gitarren stürmisch laufen lässt und den Gesang als großes Panorama präsentiert, das nachfolgende "Same again" lässt das Keyboard zum Einsatz kommen, um den übermächtigen Saiteninstrumenten etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Deren stromsüchtige Prahlerei lässt den Titeltrack erst richtig leben, erinnert dabei an selige AT THE DRIVE IN Zeiten und lässt bei "Hiding" einen Psychosenauslösenden Refrain auf die Hörerschaft los. Dank der hervorragenden Symbiose der Gitarren mit dem Casio Keyboard fliegt hier die Schädeldecke endgültig weg."Rhizome" ist mächtig. Es ist ein Statement, welches mit Vorschlaghammer und Meißel beweist, daß die deutsche Alternativerockszene keineswegs im Dornröschenschlaf liegt. Die dynamische, druckvolle Produktion sprengt auferlegte Ketten und lässt MOUTH zum Gitarrenmusiktipp des Sommers werden.

31-10-2009
[Slam]

"Rhizome" ist eine Art Konzeptalbum der Kölner Band MOUTH und gleichzeitig ihr Debütwerk. Es dreht sich offenbar um ein Zukunftsbild einer Gesellschaft, in welcher der Protagonist versucht gegen den monopolistischen Konzern Cascade Inc. zu bestehen. Leider sind im Booklet keine Lyrics zu finden, aber wir schenken der Presseinfo jetzt einfach mal Glauben, ohne den englischen Gesang Satz für Satz übersetzt zu haben. Musikalisch gibt es in der Gschichte viele Anleihen an progressiven Rock längst vergangener Tage. Keyboards dürfen somit nicht fehlen, eine funkige Gitarre darf hier und da auch mal mitmischen. Allerdings klingt "Rhizome" trotz dieser klassischen Ausrichtung äußerst frisch und zeitgemäß, was man neben dem vielseitigen Gesang auch den häufig pumpenden Gitarrenriffs und druckvollen Drums zu verdanken hat, die den Stücken eine angenehme Geschwindigkeit verschaffen. Endergebnis ist ein abwechslungsreiches Album, bei dem man sich gerade die Live-Performance der Lieder gut ausmalen kann. Doch bis MOUTH die nächsten Auftritte spielt, wird höchstwahrscheinlich noch etwas Zeit vergehen, da recht kurzfristig vor dem Release von "Rhizome" der Drummer ausgestiegen ist und gerade nach Ersatz gesucht wird. Freunde von vielschichtigem Rock sollten jedenfalls mal MOUTH antesten und bei Gefallen hoffen, dass die Band bald wieder bereit für die Bühne ist.

31-10-2009
[www.purerock.de]

Vorhang auf für eine Rockoper ohne Happy End: Das Kölner Trio Mouth vertont ein düsteres Zukunftsszenario von Orwellschen Maßen als genresprengendes Konzeptalbum. Tja, so kanns gehen: Da spielen die Kölner Mouth ihr Debüt "Rhizome" unter der Obhut von Großmeister Guido Lucas (Scumbucket, Genepool, Lude) innerhalb eines einzelnen Tages ein. Und dann dauert es noch gut anderthalb Jahre, bis das gute Ding in den Läden steht. Warum diese Platte so lange auf Halde lag, bleibt schleierhaft. Dass sie nun endlich erscheint, ist aber ganz sicher erfreulich. Das Trio vermengt darauf eine gehörige Portion 70s-Flair mit dem theatralischen Rockmusical-Ansatz einer Band wie Queen und jenem freakigen Crossover-Mindfuck, den Faith No More einst so populär machten, zu einer sehr eigenen Soundästhetik. Psychedelic und Krautrock, Stoner und Spacerock, Funk- und Alternative-Anleihen und nicht zuletzt geradliniger RocknRoll verdichten sich zu einer bunten Jamsession, die in ihrer Scheuklappen konsequent ignorierenden, zuweilen recht muckerhaften Herangehensweise ein wenig an das Debüt von The Season Standard aus dem letzten Jahr erinnert. Summa summarum könnte man das wohl auch Prog schimpfen - wenn man hier von Prog redet, meint man aber allenfalls eine kompakte, dynamische Kurzfassung, schließlich kriegen Mouth ihre zahlreichen Ideen doch tatsächlich meist in radiotauglichen Songlängen untergebracht. Und obschon recht weit draußen, ist das Ergebnis erstaunlich zugänglich und nah dran am gängigen Hörerlebnis. Catchyness ist hier beileibe kein Fremdwort: So springt hier auch mal eine unverschämt eingängige Groove-Granate wie "Mutecontrol" heraus, der drückende Opener "Cascade Inc." könnte dagegen auch dem Fundus der Queens Of The Stone Age entstammen.
"Rhizome" wirkt wie das Werk leicht übergeschnappter Hexenmeister, wozu neben der ein oder anderen Tasten-Hexerei (Casiotone, Moog und Rhodes) auch die stimmliche Extravaganz von Frontmann Chris Koller beiträgt, der von melodischem Gesang über die entrückte Kopfstimme bis hin zu gepresstem, energischem Halbgeschrei eine große Bandbreite abdeckt. Und wo wir eben schon von 70s-Flair sprachen: Der obligatorische konzeptionelle Überbau darf hier nicht fehlen. Die Vision anonymer, menschenleerer Wolkenkratzerschluchten unter einem düsteren Nachthimmel spuckt das Grammophon auf dem Cover-Artwork schließlich schon bildlich aus ja, es geht um die altbekannte Dystopie eines gleichgeschalteten Überwachungsstaats. Eine Schreckensvision wie aus dem Lehrbuch, dort würde man sie wohl zwischen "1984" und "A Clockwork Orange" einordnen. Gut, wirklich originell geht anders, aber im Prinzip handelt es sich ohnehin nur um eine Randnotiz, die leicht auszublenden ist. Weniger vermeidbar allerdings ist, dass der eunuchale, mitunter allzu ausgeflippte Gesang einem doch ebenso auf die Nerven zu gehen vermag wie der exzessive Gebrauch von Fuzz-, Flanger- und Delay-Effekten - wenn das Ganze in schwachen Momenten fast schon comichaft vor sich hin dengelt, ist es einfach zu viel des Guten. Auch kann man sich nicht so recht des Eindrucks erwehren, dass das Album nach der starken ersten Hälfte etwas abflacht und zunehmend redundanter wird. Doch auch wenn Mouth nicht ohne Fehl und Tadel bleiben: "Rhizome" ist ein beachtlicher, stellenweise bemerkenswerter Einstand, der es nicht verdient hätte, unveröffentlicht in einer dunklen Ecke zu verrotten. Blöde Nachricht zum Schluss: Pünktlich zum Release nahm Drummer Nick nach neun gemeinsamen Jahren seinen Hut - das nennt man dann wohl schlechtes Timing. Bleibt zu hoffen, dass die Band diese Songs dennoch bald auf die Bühne bringen kann.

31-10-2009
[www.plattentests.de]

When we were queens - Zu den verblichenen Shudder To Think mutmaßte die Spex einst, dass sie das Potential besäßen, ein an sich schon himmelstürmendes Unternehmen wie Queen auf die nächste Ebene zu hieven. Bekanntlich wurde da mal rein gar nichts draus, und es war auch recht waghalsig gedacht. Ein frommer Wunsch und doch irgendwie logisch: Denn Shudder To Think standen für eine alternative Art des Crossover. Sie spielten Musik, die aus dem Hardcore geboren wurde und dennoch weder vor Falsett noch vor Prog noch vor den großen Windmaschinenriffs zurückschreckte. Dann kam Raprock um die Ecke, und plötzlich wurde alles gnadenlos zu Boden gestampft. Was ja auch ganz schön war, so für zwischendurch. Für ein Dinner mit der Queen reichte es freilich nicht. Eher schon fürs Obelix-Gelage im Harlekinkostüm. Die drei Kölner Kreuzgewächse Mouth nehmen mit ihrem Debüt "Rhizome" den verlorenen Strang wieder auf - behalten dabei aber die Vergangenheit letztlich nur im Silberblick. Christian Koller kann es mit Craig Wedrens Falsett zu jeder Sekunde aufnehmen. Allerdings versieht er es auch mit einem Druck, der einem Mike Patton endlich wieder sämtliche Effektgeräte aus den Lungenflügeln reißt. Und auch musikalisch haben Mouth keine Zeit für Sperenzchen. Der Funk der frühen Neunziger ist zwar allgegenwärtig, wird jedoch durch trippig-krautige Passagen und noisige Ausbrüche vor sich selbst hergetrieben. Die Effekte auf Kollers Gitarre erfüllen dabei stets ihren Zweck im Songaufbau. "Requiem", "Medusa" oder der Titelsong spielen ganze Atommeiler leer, interessieren sich aber nicht fürs Mars-Volta-Halligalli. Fuzz, Flanger, Vibrato und Delay werden vielmehr tight und rhythmisch eingesetzt und finden Betonungen, die einzelne Songteile verschieben, beschleunigen oder ausbremsen. So zimmern Mouth ein Wand aus Dynamik in die ohnehin beinahe geschmäcklerisch ausbalancierte Produktion: Schubkraft - so heißt nach wie vor die Prämisse eines Guido Lucas. Auch auf "Rhizome" drückt alles mächtig und ausschließlich von hinten. Selbst "Hiding", das sich seine kurzen Wahwah-Takte zunächst nur mit einer Casio-Melodie teilt, geht im Beat eindeutig nach vorne. Und das hervorragende "The quest of m." strickt sich ein Musical, in dem ein stechschreitender Freddie Mercury an den Stimmbänder von Les Claypool über die Bühne marionettiert. Kollers Texte fabulieren dazu eine ganze Zukunftsvision zwischen Kubrick, Pynchon und Kafka. Und so richtig mit Prolog, Klimax und Kopfhänger-Finale. Angeblich. Der Hörer bekommt nicht wirklich etwas davon mit. Auch das titelgebende Rhizom steckt seine Knollennase zwar durchs Booklet, aber nicht allzu tief in die Musik. Als wurzellos oder gar entwurzelt mag man die nämlich so gar nicht bezeichnen. Alle Koordinaten sind glasklar, verankern sich tief im Boden und werden alles in allem hierarchisch umgesetzt. Bestenfalls zeigt sich "Rhizome" getrieben. Das aber reicht allemal auch aus. Schließlich macht nicht jeder Lucas gleich einen George. Und nicht jeder Knick in der Pupille huldigt einer Königin.

31-10-2009
[www.babyblaue-seiten.de]

Zu den interessantesten Scheiben, die mir in den letzten Monaten aus deutschen Landen auf den Tisch (bzw. in den Player) gekommen sind, gehört das Debütalbum "Rhizome" des Kölner Trios Mouth, auf dem eine sehr catchy Art des verschärften und gestrafften Progressive Rock mit Hardrock-Geschepper und Glamrock-Attitüde (und hie und da anderer 1970er-Einflüssen) zelebriert wird. Hui, so spaßig und dabei so kantig, so rockig, ein wenig rotzig und dann auch noch aus meiner Heimatstadt: Wer hätte gedacht, dass ich so etwas noch mal in dieser Güte zu hören kriege?! Die zwischenzeitlich nach den Albumaufnahmen zum Duo geschrumpfte Combo beruft sich auf dem Bands wie Gentle Giant, Genesis, Yes, Soft Machine und Hatfield and the North, aber man muss schon genau hinhören, um diese Querverbindungen zu hören: Freilich, wenn man die etwas ungeschliffen-rotzigen Frühalben der genannten Bands aus den späten 1960er, frühen 1970er zum Maßstab nimmt, dann passt es schon eher (man beachte auch das Mouth-Logo, das dem ersten Yes-Logo in der Sprechblase recht ähnlich sieht). Wenn man dann noch in nicht unerheblichen Maße Led Zeppelin, The Who, David Bowie, T.Rex und Fish (Um Progrocks Willen nicht in der Musik, wohl aber in manchen Stimm-Registern und in einem gewissen Hang zur Theatralik!) als Paten hinzufügt, dann kriegt man einen ungefähren Eindruck vom altmodischen Klangbrei (exzellent produziert von Guido Lucas), der hier lecker serviert wird. Das hier ist kein reinrassiger Progrock, aber es hat was von jenem Prog-Touch, der seinerzeit in vielen Rockalben zu finden war, auch bei Genre-fremden Bands. Die kratzig-kantige Gitarre mit einer ganzen Batterie von Fuzz-, Flanger-, Delay- Wha-Wha- und Was-weiß-ich-für-Effekten, die drolligen Retro-Keyboard-Sounds, das Fender Rhodes Piano und die gewagten Vocals (bisweilen im Falsetto - Ich mag ja sowas, das ist zumindest prägnant!) sorgen für erstaunlich gut und frisch reproduzierten Mitt-Siebziger-Genuss. Wenn man sich jetzt noch traut, die Songs breiter anzulegen und den Zuhörer mal durchatmen zu lassen, dann bin ich spätestens beim nächsten Album vorbehaltlos glücklich. Aber auch so ist "Rhizome" eine sehr gelungenes Album, das Spaß macht und wo der geneigte Progger gerne auch mal sein Haar schütteln darf. Oder gar mit dem Hintern wackeln.

31-10-2009
[www.bizarre-radio.de]

Kleines Rätsel: Was denkt man, wenn man folgende Stichworte hört: Fender Rhodes, Moog, Gitarre, Falsett-Gesang! Na? Klare Sache, hier hat der Geist der 70er Jahre sein Unwesen getrieben. Wenn nun aber zu den Stichworten Deutschland und Blunoise hinzukommen, wird die Sache schon komplizierter. Was hat ein Underground-Label, welches für handgemachte Noise-Mugge erster Klasse steht mit den angestaubtem Progrock zu tun? Die Antwort darauf lautet: Mouth. Eine Kölner Drei-Mann-Combo beschwört den Spirit der 70er mit einer Hommage an alte Sounds, mischt die Suppe mit modernen Einflüssen und der knochentrockenen Produktion aus der Troisdorfer Blubox. Das Schlagzeug könnte John Bonham (Gott hab ihn selig, ihn und sein Schalgzeug!) in Troisdorf persönlich eingespielt haben. Zusammen macht das einfach nur Spaß, auch für Verfechter moderner Rockmusik sollten die traditionellen Strukturen von Mouth kein Hindernis darstellen. Denn Mouth sind keine reaktionären Musik-Nazis. Neben Deep Purple stehen wohl Shellac und At the Drive-In im CD.ähhh, Entschuldigung, Plattenregal. Nicht nur Kopfstimmen, endlose Soli, Rhodes-Melodien, sondern auch vertrackte Rhythmen zeichnen den Sound von Mouth aus. Anspieltipp für Freunde der Noise-Musik ist Sameagain, der auch von Blackmail stammen könnte. Alt-Hippies werden ihre Freude an dem Titeltrack Rhizome haben. Eine glasklare Bass-Orgel-Melodie hämmert sich in die Gehörgänge und wird von einem Falsettgesang durchbrochen. Psychedelisch geht es beim folgenden Mutecontrol los. Selbst die obligatorische Ballade Interlude im Gewand der Classic Rock Fraktion gerät zu einer Odyssee zwischen Orgel und Gitarrensoli. Mouth variieren in ihrem eigenen Kosmos sehr variantenreich, so wird die Sache nie langweilig. Für ein Debütalbum legen Mouth die Latte verdammt hoch. Dennoch scheinen die Jungs noch genug Luft nach oben zu haben. Auf zum nächsten Versuch!

31-10-2009
[www.indiestreber.de]

Zwischen Dinosauriern, den 70ern und dem Hier und Jetzt.
Da muss man erst mal schlucken: Als Einflüsse der Kölner Band Mouth werden niemand geringeres als die Dinosaurier des Prog-Rock von Genesis bis Yes genannt. Genauso gut könnten an deren Stelle aber auch neuere Vertreter dieses Genres wie The Mars Volta stehen. Denn altbacken klingen Mouth auf ihrem Debutalbum Rhizome zum Glück nicht. Dann schon eher zeitlos. Neo-Kraut-Noise-Prog nennen Mouth ihre Musik selbst, und das trifft die Sache eigentlich ziemlich gut, auch wenn oder besser: gerade weil es verwirrend klingt. Dass es sich bei der Band um ein Trio handelt, hätte man in Anbetracht der vielen Schichten aus effekbeladenen Gitarren, knorrigem Bass, Keyboards und Synthesizern sowie mehrstimmigem Gesang jedenfalls kaum erwartet. Dabei schaffen Mouth es, ihre Songs nicht zu sehr ausufern zu lassen und nie ihr Zentrum aus den Augen zu verlieren. Das beugt Langeweile vor und leistet unnötigen Mucker-Orgien Vorschub. Und außerdem bleibt so auch mal der eine oder andere Refrain auf Anhieb im Ohr hängen. Auch wenn das Konzept des Albums an die Dystopien der 70er Jahre angelehnt ist und sich Bezüge zur Musik dieses Jahrzehnts nicht leugnen lassen, scheinen die drei Musiker auch der Indie-Musik der vergangenen Jahre nicht völlig verschlossen gegenüber zu stehen. Dafür spricht die teils knackig auf den Punkt gespielte Gitarre genauso wie die aufgedreht fiependen Keyoards. Nur der teilweise etwas angestrengte Falsettgesang nervt an manchen Stellen. Schade, dass sich der Schlagzeuger noch vor Veröffentlichung ihres Debutalbums dazu entschieden hat, die Band zu verlassen. Inzwischen ist allerdings bereits ein Ersatz gefunden, insofern sollte dem Weiterkommen in Zukunft nichts mehr entgegen stehen.

31-10-2009
[www.gaesteliste.de]

Harte Rockmusik hat sich ja - aus diesen oder jenen Gründen - bequem in einer ziemlich vorhersehbaren Nische jenseits des Mainstream eingenistet. Umso erfreulicher, wenn mal eine Band wie das Kölner Trio Mouth auftaucht, die zumindest mal etwas anderes macht und durch ungewöhnliche Ansätze überraschen kann. In diesem Fall ist das: Prog Rock meets Hard Rock. Richtig gelesen: Mit wummernden Deep Purple-Orgeln auf der einen Seite und harschen Gitarrenriffs auf der anderen, sowie mittendrin mehr Tempiwechsel und Schluckauf-Rhythmen als ein mittelprächtiger Kopfsteinpflasterbelag verursachen könnte, pflügen Mouth mit großer Ernsthaftigkeit durch ein Oeuvre von bis zu 34 Tracks. "Bis zu" deswegen, weil der Player nur 11 anzeigt, es aber aufgrund der genretypisch aufgelösten Songstrukturen klingt, als befänden sich wenigstens 34 Songs auf der Scheibe. Natürlich kommt das alles nicht so locker daher, wie die gemeinhin aus wenigen Düster-Akkorden zusammengeschusterte "normale" Rock-CD: Dieses Werk hört man besser mit der Partitur in der einen Hand - während man mit der anderen den Hut vor der handwerklichen Fertigkeit der Musikanten lüpft. Zwar hätte ein wenig mehr Spaß und Lockerheit der Sache nicht geschadet, aber alleine der Druck der Rockparts macht die Verbissenheit des Kunst-Rockers zumindest teilweise wieder wett.

31-10-2009
[www.titel-magazin.de]

Man soll das Maul ja nicht zu weit aufreißen, aber wer schreien will, der braucht einen gewissen Hallraum. Geschrieen wird indes auf Mouths Debütalbum nur ab und zu, dann aber mit Konzept, denn auch der Rest der auf Rhizome aneinander geflochtenen Töne folgt einer konzeptionellen Spur. Oder nicht, oder doch? Konzeptalben sind eigentlich genauso out wie Pink Floyd, denkt man, doch dann stellt man immer wieder fest, dass aus allen Ecken die Pink-Floyd-Liebhaber kriechen, zu allen Zeiten und sogar recht unverdrossen. Es scheint also keinen ungünstigen Moment für Konzeptalben zu geben. Und wenn man es richtig anstellt gelingt einem vielleicht sogar eine Platte, die ihre Daseinsberechtigung auch über das Konzept hinaus wahren kann. Mouth machen fast alles richtig. Am richtigsten: sie beschränken sich, wo es nur geht. Die vierzehn Tracks des Albums verbrauchen nur knappe fünfundvierzig Minuten Spielzeit; das ist umso verwunderlicher, als dass man nach dem ersten Hören glaubt, soeben einer Rockoper beigewohnt zu haben. Die entsprechenden Einflüsse sind dann auch aus jeder Triole herauszuhören; was allerdings gar nicht negativ ins Gewicht fällt. Gut abgekupfert ist eben immer noch besser, als schlecht selbst erfunden. Und wenn die Mischungsverhältnisse so liegen wie hier und man die Melangen aus Iron Maiden und Queen zu Zeiten von Bohemian Rhapsody gar nicht mehr ganz auseinanderdröseln kann, muss eine gewisse Qualität vorliegen. Der Spaß am Entdecken und Zuordnen schlägt insofern natürlich dicke Kerben ins Aufmerksamkeitspolster. Da spürt man dann manchmal gar nicht, wie die Platte einen in ihre Bilderwelt hineinzieht. Fast möchte man hier von visueller Musik reden, wenn es sich nicht so dämlich anhören würde. Eine ordentliche Portion Gespür für die authentischen Seiten des 90er-Jahre-Hardcores, vor allem die Rhythmik betreffend, komplettiert die Zutatenliste einer Musik, die nicht nur stellenweise an den Soundtrack eines nie gedrehten Kubrick-Films erinnert. Maul weit aufgerissen: Mission erfüllt.

31-10-2009
[www.music-scan.de]

Schon vor zwei Jahren sind die Grundzüge von Rhizome aufgenommen worden. Bis März 2008 war dann alles im Kasten und im April auch Mixing und Mastering von Guido Lucas abgeschlossen. Weshalb das Debüt von MOUTH erst über ein Jahr später erscheint, ist nicht bekannt. Vielleicht spekulierte das Kölner Trio auf das Signing auf einem größeren Label, und bluNoise sprang ein, als es nicht dazu kam? Das ist im Grunde auch egal. Wichtig ist, dass dieses feine Heavy-Rock-Werk endlich veröffentlicht wird. Mit etwas Glück wird die Scheibe für Furore sorgen. MOUTH spielen sich durch einen tollen Mix aus Psychedelic, Progressive, Kraut-Rock und Noise. Die Anlage der Stücke ist dicht und intensiv, wobei die Musiker jederzeit warm, intuitiv und traditionsbewusst auftreten. Rhizome verbindet nicht weniger als die besten Momente der kompletten Rock-Geschichte seit den 70ern. Der Charakter des Albums ist einerseits manisch und fesselnd und andererseits verspielt, tollkühn und auch ein wenig wahnsinnig. Nur deshalb steht im Ergebnis ein solch kompromissloses, authentisches und mitreißendes Werk. Dank des Prog-Revivals mit Mastodon etc. könnte es MOUTH gelingen, mit ihrem von Haus aus eigentlich spartigen Sound breitere Hörerschichten anzusprechen, auch wenn sie Rock und nicht Metal sind. Die sphärischen Soundscapes und das jam-artige Schwelgen sind zweifellos vergleichbar und die Hörer für Alben wie Rhizome wieder aufgeschlossener.

31-10-2009
[www.blueprint-fanzine.de]

Eine große Portion 70er-Progressive-Rock, dazu etwas Psychedelic und eine fette Schippe Noise fertig ist das Menü von MOUTH! Hier paaren sich die Ergüsse der letzten 30 Jahre Rockgeschichte, und hier ist so ziemlich alles erlaubt. Selbst vor Falsett-Gesang wird nicht Halt gemacht. Kaum zu glauben, dass "Rhizome" das erste Album der Kölner sein soll, denn so ausgefeilt wie die Arrangements erscheinen und so authentisch wie der Sound klingt, könnte man meinen, man hätte es mit richtig alten Hasen zu tun. Fans von THE CREAM oder den SPARKS könnten hieran ihre helle Freude haben.

31-10-2009