Was soll Noise? Muss das anstrengend sein, oder gar nerven? Woran kann man Hörbarkeit festmachen; könnte man sie gar messen? Wahrscheinlich nicht notwendiger Weise. Wie kann man unter solchen Umständen Qualität einschätzen? Auf ihrer dritten Veröffentlichung auf bluNoise klingen Nicoffeine schlicht ziemlich geil und sogar deutlich eingängiger, weil konkreter als auf den Vorgängern; wobei dieses Statement mit Vorsicht zu geniessen ist - wir haben es immer noch mit Noise Rock zu tun, der mal nach vorne polternd, mal trippig soundscapig bindet. Ja, er bindet. Da die Band einen Mann eigens zum Einsatz von Effekten und Verfremdungen an Bord hat und die vocals ziemlich zurückgemischt sind gibt es sehr dichte Texturen, wobei darauf hingewiesen sein soll, dass hier nicht mit "fettem Sound" hausieren gegangen wird, sondern grob und ungehobelt vorgegangen wird. Verfeinerung zeichnet sich ab, wenn es ruhiger wird. Eine spannende Platte, die mitunter das Potential zum Soundtrack hat und womöglich genau das ist. Es wäre nicht das erste Mal dass Soheyl Nassary, einziges verbliebenes Gründungsmitglied und Bandkopf einen Film fährt. Der Mann ist nämlich recht umtriebig, was künstlerisches Anderssein angeht. Seit Mitte der neunziger Jahre nimmt er Platten mit oder ohne Band auf, veröffentlicht sie im Alleingang oder auf bluNoise; als Grafik- und Webdesigner hat er nicht nur das optische Auftreten seiner Projekte im Griff, sondern unter anderem auch die neue bluNoise-homepage. Das gehört zwar nicht hierher, bleibt aber trotzdem stehen. Wie auch das Fazit, dass Nicoffeine mit dieser Platte eine neue Ebene erreicht haben und sich zu einem Flagschiff der jüngeren Noise-Generation gemausert haben. Erstmal Vinyl only, glaube ich.
Marcel v.d. Weiden
Manchmal kann man nur über dieses Städtchen am Rhein staunen, denn was da alles an großartigen Rockbands aus Koblenz kommt, hat wohl kaum eine andere deutsche Stadt in der Größenordnung zu bieten: Blackmail, Scumbucket oder Ken. Und all diese Bands lassen es ja bekanntlich richtig krachen so auch Nicoffeine. Und auf ihrem neuen Album "Savant Lies Away From Home" kracht und scheppert es so richtig. Da gibt es Noise- und Doom-Rock in Reinkultur. Ohne Gesang, alles instrumental und mit den Reglern ganz nach oben gespielt. Wahnsinn! Da bleibt niemand ruhig sitzen. Gibt es nur auf Vinyl. MD
Eines vorweg: Diese Platte ist ein echter Brocken und zwar in zweifacher Hinsicht. Zum Einen erscheint Nicoffeines "Savant Lies Away From Home" ausschließlich in fetter Vinyl-Version, andererseits legt die Koblenzer Band um den Musiker, Designer und Soundtüftler Soheyl Nassary hiermit ein Werk vor, das eigentlich nur spalten kann. Echte Noise-Fans, deren geschultes Ohr Krach von Qualität unterscheiden kann, werden an dieser wirklich gewaltigen Scheibe ihre helle Freude haben. Ungeübten Genre-Anfängern sei nun wirklich etwas anderes angeraten, denn nach üblichen Indie-Pop-Maßstäben, ist das ganze Unterfangen ein einziger, breiiger Krach-Trip. Aber so kann man Nicoffeine eben nicht begegnen. Nur mal als Tip: Wenn du mindestens zehn Platten, am besten auch Ältere, aus den blunoise-Studios dein Eigen nennst und zudem noch an Vinyl Freude hast, solltest du hier beruhigt zugreifen. Alle anderen werden mit Niccofeines krachigen, ausufernden Soundlandschaften kaum etwas anfangen können.
Carsten Wilhelm / 21.10.05
Nicoffeine kommen aus Koblenz und das einzige, das an ihnen dezidiert europäisch klingt, ist der etwas bemühte Name. Seit 1995 macht man in wechselnder Besetzung Musik, die sich wirklich hören lassen kann. Gitarren-Noise, der auf ruhige Post-Rock-Momente ebenso wenig verzichtet wie auf Riff-Reste, aus denen durchausauch Songs hätten entstehen können. Besonders stechen hierbei ein sehr organischer Sound, der zeigt, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, und die Berührungspunkte mit den verschiedenen benachbarten Genres heraus. Das die Tracks hier Überlänge haben, sich während ihrer Laufzeit stark verändern und die Stimme eher als weiteres Instrument, denn als Träger einer Botschaft genützt wird, gehört da sowieso zum guten Ton. Souveräne, überzeugende Klänge mit genügend Eigenständigkeit. Nicoffeine haben es mit ihrem fünften Longplayer offensichtlich nicht mehr nötig, sich etwas zu beweise und fahren damit ziemlich richtig. (7/10)
Martin Mühl / Heft Nr.62 September 2005
Wer dieses Album von Nicoffeine kaufen will, der muss wirklich in einen gut sortierten Plattenladen gehen, denn "Savant Lies Away From Home" gibt es nur als gutes altes Vinyl, das noch wirklich nach Musik riecht. Nicht so geruchlos wie eine CD oder gar tödlich steril wie eine MP3-Datei. Nein, dieses Werk atmet noch richtig Vinyl aus. Aber das ist nur der eine Grund, warum man dieses Werk nicht in jedem Elektro-Discounter bekommt, denn dieses Album ist ein richtiger Brocken, den der Otto Normal Verbraucher nicht ertragen und erst recht nicht verstehen kann.
Denn für die meisten Hörer ist es einfach nur Krach ohne erdenkliche Linie, die man Musik nennt. Für den Koblenzer Musiker und Soundbastler Soheyl Nassary ist das Musik, und das ist nicht sein Erstlingswerk, denn schon 1998 brachte er eine EP heraus, die auf Noise gebaut war.
Seitdem hat er noch Split Eps und auch ein Album und logischerweise auch schon einiges bei dem bekannten BluNoise Label herausgebracht. Und bei diesem Label ist er ja auch gut aufgehoben, wenn man auch sagen muss, dass er wohl der lauteste und größte Noisemaker im Labelkatalog ist. Hätte vermutlich besser noch beim Ipecac Label reingepasst, denn bei der Musik würde Mike Patton bestimmt eine Erektion bekommen.
Hier gibt es teilweise minutenlang Gitarrensalven um die Ohren gehauen, einen Gesang, der dauerhaft schreit und Schlagzeug-Gewitter, das auf einen herunterprasselt. Doch es gibt fast ruhige Momente, in denen man fast schon von Ambiente Musik sprechen kann, Zeiten, wo man die Musik nicht wahrnimmt. Doch über dem Hörer braut sich das nächste Noise Gewitter zusammen.
Wie gesagt, das ist keine Kost für jedermann, sondern eher für Menschen, die Noisemusik mögen und mit ihrem geschultem Ohr handelsüblichen Krach von Musik unterscheiden können. Und natürlich für Plattenspielerbesitzer.
verfasst von Hahe am Donnerstag, 24. Nov 2005, 20:36 Uhr
Eines vorweg: Diese Platte ist ein echter Brocken und zwar in zweifacher Hinsicht. Zum Einen erscheint Nicoffeines "Savant Lies Away From Home" ausschließlich in fetter Vinyl-Version, andererseits legt die Koblenzer Band um den Musiker, Designer und Soundtüftler Soheyl Nassary hiermit ein Werk vor, das eigentlich nur spalten kann. Echte Noise-Fans, deren geschultes Ohr Krach von Qualität unterscheiden kann, werden an dieser wirklich gewaltigen Scheibe ihre helle Freude haben. Ungeübten Genre-Anfängern sei nun wirklich etwas anderes angeraten, denn nach üblichen Indie-Pop-Maßstäben, ist das ganze Unterfangen ein einziger, breiiger Krach-Trip. Aber so kann man Nicoffeine eben nicht begegnen. Nur mal als Tip: Wenn du mindestens zehn Platten, am besten auch Ältere, aus den blunoise-Studios dein Eigen nennst und zudem noch an Vinyl Freude hast, solltest du hier beruhigt zugreifen. Alle anderen werden mit Niccofeines krachigen, ausufernden Soundlandschaften kaum etwas anfangen können.
-Carsten Wilhelm-