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PENDIKEL
TITEL: »3« TITEL:»DON`T CRY, MONDGESICHT« TITEL: »REISE INS GEWISSE« TITEL: »PENDIKELAND«
REVIEWS | TITEL: »PENDIKELAND«
[www.spiegel.de // 19.04.11]

Die wichtigsten CDs der Woche - Da ich meine "Rezessionen" immer barfuß verfasse, begab es sich, dass mir die Plastikhülle der neuen Pendikel-CD "Pendikeland" (kein Doppel-L!) aus einiger Höhe auf den linken kleinen Zeh fiel und ich zum Hautarzt humpeln musste, während mir der Song "Abo auf Pech" in den Kopf schoss: "Ständig fühlst du dich geschafft/ Irgendwie lebenslang zweifelhaft/ Du lässt den Gurt einfach weg/ Und auch der Helm hat hier keinen Zweck." Alle Hoffnung fahren lassen, sich dem Fatalismus übergeben, das Lenkrad verlassen und schutzlos auf den Rücksitz wechseln wie Melanie Pröschle am Ende von Maren Ades Film "Der Wald vor lauter Bäumen" - Themen, die Carsten Sandkämper und Pendikel einerseits verhandeln, andererseits nach kurzer Prüfung wieder abstoßen. Auf der etwa fünf Jahre alten Platte "Don't Cry, Mondgesicht" erzählte die Band erhaben und schonungslos von falschen Freunden und toten Städten, heute sind es drei Aufzüge und ein zärtlich loderndes Finale ("In Pendikeland"), das die Skeptiker milde stimmen wird: "Sage ich schönen guten Tag/ Gebe dir fest meine Hand/ Ich bin dein Stereotyp/ Also hab mich lieb". Denkfaule Beschreibungen wie "verkopft", "studentisch" oder "pseudointellektuell" sind ausdrücklich als Lob zu verstehen.
www.spiegel.de // 19.04.11

13-05-2011
[www.roteraupe.de // 15.04.11]

Pendikel ist eine Band die dich mitunter besser kennst als du selbst. Carsten Sandkämper & Co sind die geheime Elite der deutschen Rockpopmusik, die Ikone des intelligenten Songwritings und über alle Massen hervorragend.

"Pendikeland" ist das mittlerweile fünfte Album - und das bis dato kritischste und wütendste von Carsten Sandkämper und Oliver Klemm. Carsten Sandkämper ist wie immer der singende Moderator des dauerhaften Scheiterns, seine leidensfähige Stimme untermalt die Pendikeltypischen Songstrukturen aus Pianomusik, Popsynthies und Streicherarrangements. "Generation Memory" zum Beispiel ist ein komplexer, filigraner Baukasten der Rockmusik - ob zerbrechlich oder wütend bassspielend, das Textwerk steht im Mittelpunkt bei Pendikel. Da kommen die großen Refrains dann auch von ganz allein, denn auch davon bieten Pendikel wie immer jede Menge. Etwa bei "Trag die alten Sachen auf", daß seinen Senf zur Konsumgeilheit zentimeterdick schmackhaft aufträgt oder bei "Dieser Moment", daß mit schlagereskem Einstand zum großartigen Rockroadtrip wird. Mit "Abo auf Pech" beweisen Pendikel dann letztendlich das, was wir schon alle immer vermutet haben. Wären die SMASHING PUMPKINS aus Deutschland würden Sie Pendikel heissen.

PENDIKEL sind die beste deutsche Band der Gegenwart. Klar, es gibt aufflackernde helle Sterne am Pop- und Rockhimmel, aber keine Band schafft es über lange Zeit derart qualitativ hochwertigen Output zu produzieren. Mag nach "Don´t cry Mondgesicht" keine Steigerung mehr möglich gewesen sein, Pendikel überraschen wie immer und legen bei "Pendikeland" die eigene Messlatte noch einmal höher. Unerreichbar hoch.
www.roteraupe.de // 15.04.11

13-05-2011
[www.zuckerkick.com // 27.03.11]

Pendikel lassen es sich derweil auf ihrem neuen Album wieder nicht nehmen, dem Exzess zu frönen. Alles auf Pendikeland hat sich dem Gesamtkonzept unterzuordnen, wobei sich die Platte erstmal langsam anschleicht, bevor sie einen in bester Sport-Manier geradewegs überrennt mit ihren Gitarren und Melodien, die allesamt auf den großen Moment zusteuern. Während einen Konzeptalben bei anderen Bands gerne mal auf die Nerven fallen oder nach den ersten fünf Songs ihren Reiz verlieren, schaffen es die Jungs ihre Hörerschaft mit Zeilen wie Zuversicht steht dir ganz gut, liegt auch kein Grund auf der Hand. Augen zu, herzlich willkommen im Pendikelland bei der Stange zu halten. Wer auf deutschsprachige Popmusik mit Widerhaken und poetischen Texten steht, sollte unbedingt mal reinhören. Genauso wie alle Fans von Kante.
www.zuckerkick.com // 27.03.11

13-05-2011
[www.disagreement.net // 26.03.11]

 Five years ago, Pendikel reinvented themselves with their third album Dont Cry, Mondgesicht. The former noise rock band had reduced itself to a duo that decided to get rid of the heavy guitars in favour of a more artful approach. It must have been quite an ordeal to write a fitting successor after this genial CD. In late 2007, the bridged the gap with a nice oddities and rarities collection, but it took them from there on more than three hard years to finally resurface with their fifth regular album Pendikeland. In the meantime, they hired the services of a rhythm section, and although the new record is certainly harder than the previous one, the progressive sensibilities are still quite present.

Subdivided into three parts and a finale, Pendikeland is supposedly a concept work, but the lyrics, as usual full of undecipherable metaphors, make it hard to understand the true meaning. Not that it matters, as long as the songs are good. Unlike the more accessible predecessor, Pendikeland is not an instant winner. At first everything sounded too strange with unexpected parts creeping up all over the place, and it must have taken me at least three concentrated runs before I finally understood that Pendikel are still as good as they used to be, except that they refuse to repeat what they did in the past. And thats one of the biggest compliments you can give an artist or a band.

The first part of the record is the hardest to follow. I wonder if thats just me or if this was intended. The songs switch crazily between truly sombre tones and densely layered guitars, making the listener unsure if hes listening to an indie or a heavy rocking band. The second part starts with the first single Trag die alten Sachen auf, and its here where Pendikel simplify things without every relying on banality. The melodies are just great, Carsten Sandkämpers understated vocals are a treat, and the new found band members help to make for a more organic sound. The last part allows for more electronic sounds and sequencer patterns, without of course giving up their rock roots, before the final Pendikeland concludes the album.

Its really hard to describe Pendikeland fitfully. You better form your own opinion by listening to it. Id like to draw a parallel to German prog rock band Anyones Daughter, although the band is apparently not displeased by also being compared to Grobschnitts magnum opus Rockpommels Land. As you can guess, Pendikel are actually a progressive rock band which still uses the ingredient of indie rock music, and in some ways just like Radiohead, they succeed although in my opinion the Germans are much more invigorating than the lately rather overhyped Brits.
www.disagreement.net // 26.03.11

13-05-2011
[www.concert-news.de // 16.04.11]

Aktenlage - Verletzungsbedingt sind zwar gerade die Tour (und so auch der Hamburg-Termin) verschoben worden. Das hier wollen wir dennoch nicht vorenthalten: Prätentiöser Scheiß oder berechtigtes Statement zwischen diesen Bewertungsmöglichkeiten gibt es eigentlich nichts. Ist doch mal eine Band-Aussage, die aus dem Stand jeden Musiker-Stammtisch-Diskurs anfeuert. Ein großartiges Drama in mehreren Akten ist das Album Pendikeland letztlich aber auch ohne verbitterte Analytik geworden.

Oliver Klemm (Git, Programmierung, Aufnahmen), Tobias Neumann (Bass), Lutz Möllmann (Schlagzeug), Rene Fauck (Fagott), Andreas Müller (Kontrabass, Streicher) und Carsten Sandkämper (Git, Piano, Gesang, Schlagzeug, Keyboards, Xylophon) aka Pendikel haben im Orchestergraben platzgenommen. Wie eine Single auf 33 Umdrehungen beginnt dann der 1. Aufzug. Sandkämper greift in den tiefen Polit-Matsch der Achtziger: Pershing und SDI.

Generation Memory klingt am Ende auch ein wenig wie das Pamphlet eines Enkels Dirk von Lowtzows. Trag die alten Sachen auf und Dieser Moment ziehen im zweiten Aufzug nicht nur das Tempo deutlich an, sondern gehen auch als, mit weitem Abstand, kompakteste Songs durch. Optimismus hat hier übrigens keine Dauerkarte. Individualität schon. Trotzdem ist niemand gekommen um sich zu beschweren. Irgendwo läuft zwischendurch kurz Blackmail.

Pendikel schreiten so voran in ihrer Flut an Bildern, kommen dabei auch im dritten Teil ohne peinliche Theatralik aus, verlieren sich ansonsten zwischen progressivem Indiegegniedel, erhobener Stimme, Zeitgenossenschaft, etwas Elektronik und sehr vertrackter Lyrik. Dabei drehen die Osnabrücker scheinbar immer wieder das gültige Konzept von eben auf links. Dass so am Ende das bisher vielseitigste und spannendste Hör-Erlebnis 2011 auf dem Tisch liegt, ist die genussvolle Essenz aus einer Wanderung durch das zerklüftete Pendikeland, während andere noch ihre Fähnchen auf dem Stammtisch platzieren.
www.concert-news.de // 16.04.11

13-05-2011
[www.eclat-mag.com // 09.04.11]

Wie es bei Pendikel so ist, kann ein neues Album jederzeit oder nie erscheinen. Drei Jahre nach der Sammlung von Überresten vergangener Zeiten namens Reise Ins Gewisse erscheint Pendikeland. Die Selbstbezogenheit des Titels hat ihren Grund, denn die Band ist und bleibt selbst ihr einziger Bezugspunkt. Zwischen tiefster Verzweiflung und latenter Hoffnung, erdrückend schwer im Klang und mit dieser hintergründigen Leichtigkeit erklingt der Osnabrücker Post-Hardcore einmal mehr in der einzigartigen Mischung aus Carsten Sandkämpers Gesang und der melancholischen Schwere des Gitarrenspiels. Die Basstöne dominieren, der Kulturpessimismus muss artikuliert werden, will sich aber nicht den Lebenswillen versagen. Vordergründig ungemein sperrig, hintergründig voller Schönheit inszenieren Sandkämper, Sankt Ottens Oliver Klemm und die sie unterstützenden Kollegen Pendikeland als Theaterstück in drei Aufzügen.

Der erste Akt stößt vor den Kopf. Die Bassgitarre dominiert die Eröffnung Hunde Und Helfer. Wie Zementklötze an den Füßen, werden wir herein- und herabgezogen. Scheinbar leichter schließt sich Generation Memory an, das einmal mehr die Qualität der Pendikelschen Songtexte beweist, die Fähigkeit, Unbehagen zu benennen und zu verdeutlichen. Der zweite Aufzug beginnt als Verwirklichung der Utopie rockend, vorwärtspreschend mit Trag Die Alten Sachen Auf und hymnisch mit Dieser Moment. Seine Fortsetzung jedoch versinkt im ironisch gebrochenen Elend des melancholischen, liebevoll boshaften Abo Auf Pech, bevor Metaphern die interessante Lüge besingt und uns hinüber peitscht in den dritten Albumteil. Diesen eröffnet die Ankunft unseres Anti-Helden des Mac Gyver der Pop History, Der Mit Dem Hammer als deutsch-rockende Introspektive zwischen Kante, Surrogat und Go Plus. Danach steht Achter De Welt ganz im Zeichen einer sanften, mit leichten Jazz-Arrangements angehauchten Schönheit. Aber Anmut und Zartes haben bei Pendikel immer nur eine endliche Daseinsberechtigung, so dass Reprise in monotonem Pulsieren einen bedrohlichen Gegenpunkt setzt und Zäune zunächst träge und stumpf vorwärtspumpend die Anspannung nur wenig löst, bevor dann die Läuterung erfolgt.

In weiten Strecken des Pendikelands scheint es, als ob Oliver Klemms ambient elektronische Ader hier mehr Freiheiten erhält. Gleichzeitig dominiert der bereits erwähnte Gegensatz aus schweren, erdenden Basssaiten und scheinbar leichten Melodiebögen, wobei die Bässe vielfach fast überbetont werden. Den Albumklang untermauern zudem Fagott, Streicher, Xylophon und manch anderes. Das Finale des Albums bildet In Pendikeland als versunkene Zusammenfassung der Sandkämperschen Lyrik, seines verzweifelt satirischen Anti-Kapitalismus, der unbegründeten, den Fatalismus in Frage stellenden Hoffnung und geradezu Bernhardschen Klarsicht. Pendikel sind und bleiben die beste aller unterschätzten deutschen Rockbands.
www.eclat-mag.com // 09.04.11

13-05-2011
[www.plattentests.de // 15.04.11]

Generation Selbstzweifel - Pendikels Mühlen mahlen langsam, kontrolliert und stets äußerst selbstkritisch. Das war schon immer so. Auch für "Pendikeland" nahmen sich Carsten Sandkämper und Oliver Klemm zwei Jahre Zeit zum Grübeln, Ausprobieren und Verwerfen. Nun lassen sie das Ergebnis - schlanke fünf Lenze nach "Don't cry, Mondgesicht" und getarnt als Nachttheater mit drei Aufzügen und Finale - auf die Menschheit los. Sandkämpers Einschätzung, "Pendikeland" sei entweder "prätentiöser Scheiß oder ein berechtigtes Statement" geworden, gehört zu den nervigeren Scheingefechten dieser künstlerischen Selbstzweifel-Selbstreflexion. Immer wieder komisch, Menschen mit eingebauter Rücktrittsversicherung. Nötig haben Pendikel das aber zu keiner Sekunde.

"Ich tanze auf dem schmalen Grat zwischen Selbstbetrug und Größenwahn", formuliert "Der mit dem Hammer" da schon weitaus gehaltvoller. Und auch sonst wird die pendikeltypische Parallelgesellschaft zum eigenen Schaffen musikalisch wie textlich als soziokultureller Flickenteppich ausgebreitet. Die Anfangs-Kakophonie von "Hunde und Helfer" klärt sich in kellertiefe, träge auf die Eins geschlagene Riffs, die mit Einfinger-Klavierstakkati wundgezählt und anschließend von dramatisch anschwellenden Horrormovie-Streichern sowie düsteren Keyboardschlieren an den Fußknöcheln gepackt und über den blutverschmierten Teppich geschleift werden. Auch der betörende Pianoauftakt und die Harfensuseleien zum Zwischenpart von "Generation Memory" müssen sich ein pumpendes Riff um die Ohren blasen lassen. Und "Heulsuse" unterschreitet gar das Humpel-Tempo des Openers und bringt einen waschechten Slowcore-Groove auf den Plan. Näher an Codeines "The white birch" war in den letzten Jahren kaum jemand.

Um die Mitte herum gruppiert sich dann Uptempo mit teils einfachen, teils zersprengten Melodien. Das ist vor allem bei "Dieser Moment" durchaus Emo-Rock, bewaffnet mit der Kraft der frühen Jimmy Eat World und mit den Themen der frühen Death Cab For Cutie: "Fahr' hier mal raus / Ich glaube Klaus / Wird gerade grün / Viel zuviel Gin / Und dann zu fünft im Straßengraben steh'n / Uns verbindet was wir seh'n / Wir halten ihm die Haare." "Trag die alten Sachen auf" spaziert hingegen durch die frühe Hamburger Schule - gehetzt und über die Gitarrensaiten kreisend in den Strophen, hymnisch durchgezogen zum Refrain -, während "Metaphern" ein kurzes Statement in Blackmail-Riffing und aufgescheuchten Vocals bleibt.

Den Privatismus von "Abo auf Pech" oder der wunderbar maßvollen "Achter de Welt" und "Lift streikt" verstört Sandkämper dabei durch ein Mehr an Betonung auf seiner Stimme. Oft spendiert er jeder Silbe eine eigene Note oder artikuliert ohnehin äußerst überbetont. Ebenso häufig wird aber auch sein Gesang von der Musik behutsam bearbeitet und nach und nach von sämtlichen Sperenzchen befreit; prototypisch im abschließenden "In Pendikeland", das sich aus hüpfender Elektronik in ein Harmoniemeer aus Fagott, Streichern, Glockenspiel und Klavieren versenkt, bis auch Sandkämper einfach mitschwimmt und schließlich im Kanon gütig ausschunkelt. Das sind die kleinen in den übergroßen Gesten, die die Spannung in Pendikels Musik bringen. "Du hast mir immer gesagt / Nimm Dich nicht ständig zu ernst / Dann wird der Kopf nie zu schwer / Ich glaub das nicht mehr." Nun gut, da kann und will jemand wohl nicht aus seiner Haut. Dennoch: Prätentiöser Scheiß? Hört sich definitiv anders an.
www.plattentests.de // 15.04.11

13-05-2011
[www.alternativenation.de // 14.04.11]

"Die Papiere, bitte!" Bei der Einreise muss der Ausweis kontrolliert werden, denn Pendikeland kann lediglich eine begrenzte Menschenmenge aufnehmen. Dies geht auf die Konstitution zurück. Und auf das, was in Pendikeland geschieht. Dazu gehören seltsame Rituale und anspruchsvolle (Klang-)Ereignisse. Kein Urlaubsort für Gruppen, die Mallarco-Trips bevorzugen.

Eigenwillig haben die Pendikel schon immer an ihrer Tonkunst gearbeitet. Dabei kommen sie ohne restaurative Traditionenpflege aus. Vielmehr verdichten die Ureinwohner ganz verschiedene Elemente aus lärmenden Gebieten - Rockismen - und verträglicher Liederschöpfung - zeitloser Pop. Dies resultiert in etwas oder gleich komplett andere Laut-Leise-Stücke wie sie spätestens seit den Pixies oder eben Nirvana hinlänglich bekannt sein sollten.

Die Pendikel interessiert aber weniger das geradlinige Stück, die simple Komposition. Vielmehr sind stets die Neigungen zu Vielheiten erkennbar, zu verblüffenden, mittlerweile auch sehr kompakten Song-Kunstwerken gilt selbst für stampfende, ziemlich harmonische Rocker: Dieser Moment. Mindestens treffen das Niedliche und das Fies-Brutale ungebremst aufeinander auf Text und/oder Ton-Ebene.

Pendikeland ist sicherlich für Neulinge schwer verständlich, dabei sind die Pendikel mittlerweile im Umgang mit ihrer Kunst nahezu wahnsinnig oder auch wahnwitzig versiert. Zugleich aber auch höchst konzentriert auf einander ergänzende Songs. Bildungsurlaub macht in Pendikeland allein, wer dies auch will. Ohne mitzudenken oder nachzuforschen können die Stücke zweifelsfrei als wertvolle Souvenirs gelten. Dann bleiben sie aber cleverer als ihr Publikum wie weise, hingebungsvolle und emotionale Kopfmusik, die Freude bereitet.
www.alternativenation.de // 14.04.11

13-05-2011
[www.gaesteliste.de // 17.04.11]

Immerhin: Wie Pendikel klingt ansonsten keine Band in Deutschland! Zwar warten Carsten Sandkämper und Oliver Klemm unter Obhut von Guido Lucas auch dieses Mal gelegentlich mit wütenden Rock-Attacken auf, wie wir sie auch von anderen Bands kennen - dann aber gelingt ihnen auch mal eine zerbrechliche Ballade - die dann gleich wieder von avantgardistischem Tontaubenschießen, Prog-Gestolpere oder einem klassisch inspiriertem Piano konterkariert wird. Für die Protagonisten mag das alles logisch und schlüssig sein (und klingt deswegen auf diesem fünften Tonträger auch mühelos selbstverständlich) - für Außenstehende ist es aber schon beeindruckend und verblüffend, was die Herren da so anhäufen. Die Musik von Pendikel kommt dabei nicht wirklich schön, sondern eher kraftvoll polternd daher - aber eine gewisse Grazie kann man der Sache nicht absprechen. Und zuweilen hat das Ganze geradezu hypnotische Qualitäten - vielleicht auch, weil es so konsequent und unerbittlich inszeniert ist. Wenn man da überhaupt nach Vergleichen suchen möchte, muss man schon bis zu King Crimson schielen (und ja: Die haben Pendikel auch schon mal gecovert) und wird daneben kaum etwas finden, das in ähnlichen Bahnen verläuft. Wie gesagt: So klingt ansonsten niemand in Deutschland - und das ist gut so, denn Einheitsbrei gibt es schließlich schon genug.
www.gaesteliste.de // 17.04.11

13-05-2011
[www.musik.terrorverlag.de // 20.04.11]

Sind seit der letzten Studioplatte Dont Cry Mondgesicht tatsächlich schon fünf Jahre ins Land gezogen? Die Osnabrücker haben sich mit Pendikeland wirklich Zeit gelassen: Schließlich begannen die Arbeiten am fünften Album bereits 2008, aber das Ergebnis erblickt erst jetzt das Licht der Plattenläden. Erstmals waren nicht nur Gründungsmitglied Carsten Sandkämper (Gesang, Gitarre, diverse Tasten- und Rhythmusinstrumente sowie Programming) und Oliver Klemm (Gitarre, Tasteninstrumente, Programming) im Studio, sondern auch die Live-Verstärkung Tobias Neumann (Bass) und Lutz Möllmann (Schlagzeug), die gleich auch noch zwei Gäste (Andreas Müller Kontrabass und Rene Fauck Fagott) mitgebracht haben.

Pendikeland präsentiert sich als Drama in drei Aufzügen, bei dem natürlich das große Finale nicht fehlen darf. Zunächst starten PENDIKEL jedoch mit dem kakophonischen Hunde und Helfer, ehe Generation Memory zwischen zerbrechlichen Piano- und Harfenklängen sowie pumpenden Bässen und druckvollen Gitarrenriffs changiert. Heulsuse kommt in absoluter Slow Motion daher und frisst sich in Zeitlupe genüsslich ins Hirn, bevor im zweiten Aufzug Trag die alten Sachen auf mit viel Schmackes der Konsumgesellschaft der Stinkefinger zeigt. Der Moment hält das Tempo und bringt Emo-Elemente ins Spiel, ehe Abo auf Pech wieder einen Gang zurückschaltet. Davon ist bei Metaphern nichts mehr zu spüren. Stattdessen gibts krudes Langaxt-Riffing und gebetsmühlenartige Vocal-Explosionen. Da beginnt Der mit dem Hammer deutlich versöhnlicher und auch Achter de Welt (übrigens auch der Name einer Straße im nahe an Osnabrück gelegenen Hagen am Teutoburger Wald) setzt auf dezentes Songwriting mit leisen Zwischentönen, die von einer instrumentalen Reprise abgelöst werden. Nahtlos schließt sich das verquere Zäune an, worauf Lift streikt mit reduzierter Melodieführung und einer besonderen Betonung auf Carstens Stimme das Sagen übernimmt. Im Finale In Pendikeland trifft flirrende Elektronik auf Fagott, Streicher, Glockenspiel und Klavier. Das Ganze erhält wiederum seinen letzten Schliff durch den entrückten Gesang des Herrn Sandkämper.

Im letzten Jahr sind PENDIKEL von der Osnabrücker Stadtblatt-Jury zur besten Osnabrücker Band der letzten 25 Jahre gekürt worden. Mit Pendikelland haben sie alles dafür getan, um bei der nächsten Wahl wieder ganz oben auf dem Treppchen zu landen. Schließlich sorgen PENDIKEL seit immerhin 17 Jahren in konstant hoher Qualität für ganz besonderen Indie-Rock, den man nicht nur in der Hasestadt in dieser Form ansonsten vergeblich sucht. Die Noiserock-Anteile der Anfangsjahre sind zwar weniger geworden, aber insbesondere beim Live-Vortrag kracht es immer noch ganz gewaltig bei PENDIKEL, die in Sachen intelligenter Indie zweifellos zur ersten Garde zählen.(9/10)
www.musik.terrorverlag.de // 20.04.11

13-05-2011
[www.blueprint-fanzine.de //15.04.11]

PENDIKEL lassen zunächst einmal alles über uns einbrechen. Da kracht, flackert, flimmert und dröhnt es an allen Ecken wie in besten EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN-Tagen. Danach geht es mit "Generation Memory" eher wieder in die bekannten Gefilde von THE NOTWIST und Konsorten, mit etwas mehr Lärm vielleicht. Was etwas schade ist, denn durch den Lärm verlieren die Texte von Carsten Sandkämper ein wenig von ihrer Durchschlagskraft. Verquere Singer-Songwriter-Musik mit Prog-Rock-Attitüde.
Insgesamt klingt "Pendikeland" wie ein Soundgewitter, das nicht immer Rücksicht auf die Texte nimmt, sondern einfach weiter donnert und blitzt ("Heulsuse"). Wobei es nicht mehr so brachial zur Sache geht, wie man das von der Band schon kannte.
Was PENDIKEL aber weiterhin auszeichnet, ist die Bandbreite ihrer Musik. Da scheppert es mal industrialistisch, punkt es mal brachial, klimpert es Pianobar-mäßig ("Achter de Welt"), rockt es wie die alte Schule, tänzelt es fast schlagerhaft ("Abo auf Pech") usw. Keine Schublade bleibt ungeöffnet und jede können PENDIKEL mit ihrer Besonderheit füllen.
Auch textlich gehen die Themen nicht aus, ob nun politisch, persönlich, jugendlich, sozialkritisch ("Dieser Moment"), wie auch immer, PENDIKEL teilen sich mit und man nimmt es gerne an, lässt sich ein Visum fürs "Pendikeland" ausstellen.
Wenn Gottfried Benn gemeinsam mit Kurt Tucholsky Musik gemacht hätte, hätte sie wohl so geklungen. Ein Album, in dem viel Arbeit steckt. Auch für den Hörer. Wer sich darauf einlassen kann, ist bei PENDIKEL absolut richtig.
"Mit einem bisschen Verstand kommst du am Ende selber drauf" ("Trag die alten Sachen auf").
www.blueprint-fanzine.de //15.04.11

13-05-2011