Zuerst die gute Nachricht - oder die gute? Erstens: "Wir sind auf dem Weg zu einer richtigen neuen Platte..." Zweitens: "...und schauen dabei zurück auf das, was wir waren, um uns zu erden." Nach vier regulären Alben veröffentlichen Pendikel ihre erste Raritäten-Sammlung. "Reise ins Gewisse" ist die reinste Wundertüte - in Klang, Arrangement und liedschreiberischer Qualität: rohe Non-Album-Tracks neben technoiden Remixen neben herrlich störrischen Coversongs wie King Crimsons "Red" und Nick Drakes "River Man".
Visions // Dennis Plauk // Nr.177 Dezember 2007
Seit 1994 gibt es die Osnabrücker Band bereits, aber erst mit ihrem vierten, 2006 erschienenen Album "Don`t Cry Mondgesicht" erlebten Pendikel, wie der Kopf der Gruppe Carsten Sandkämper im Info schreibt, "ihre 15 Minuten Ruhm". Für alle, die mehr erfahren wollen über die ungewöhnliche Formation - ungewöhnlich, weil sie einen weiten Bogen schlägt von Noise- bis Progrock, von deutschsprachigem Indierock, bis akustischen Instrumentals, von Singer/Songwriter-Balladen bis zarten Pop-Pflänzchen - bietet "Reise ins Gewisse" den idealen Einstieg. Auf dem Weg zu ihrem nächsten richtigen Album hat die Band stilitisch breit gefächerte Album-Outtakes und Raritäten zusammengestellt, darunter mutige Interpretationen von Stücken so unterschiedlicher Künstler wie Nick Drake, King Cimson, Minutemen und (als Hidden Track) Alan Parsons Project. Kompettiert wird die Retrospektive durch vier Titel vom letzten Album, die von gestandenen Elektrofreaks remixt wurden - mit zum Teil verblüffendem Resultat, denn plötzlich kann man zu Pendikel sogar tanzen.
Schnüss - Das Bonner Stadtmagazin // Volkard Steinbach // Nr.03/08 März 2008
"Wannenunterhaltung" - 10. Folge - Wenn man die Inselbildung von Badeschaum regelmäßig beobachtet, wird man feststellen, dass sich in 85% der Fälle während des Badens die Erdgeschichte noch einmal abspielt. Es bilden sich zunächst ein bis zwei riesige Urkontinente, die nur wenige unabhängige Schaumfetzen am Wannenrand oder zwischen den Beinen zulassen. Später dann trennen sich Landmassen von diesen Urkontinenten ab und formen neue, kleinere Gebilde. So auch heute. Ich versuche, mir zu den Gebilden Namen auszudenken, die urkontinental klingen, doch es fällt mir schwer, da Hartmut nebenan wieder sehr laut Musik hört. Wenn Hartmut laut dreht, handelt es sich meistens nicht um Musikstile, die man "üblicherweise" laut drehen würde, sondern um krudes Zeug. Immerhin ist es heute Zeug mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und klarem deutschen Gesang, wenn auch die Gitarren zwischen schräg und brutal und der Gesang zwischen schwärmerisch und Universitätsdozent schwanken. Der Sänger teilt uns mit, dass er es sehr anstrengend findet, "Unter anderen" zu leben, den "Bus in die Freiheit" sucht und von uns erwartet, doch bitte in Zukunft "schlecht" zu sagen, wenn wir "schlecht" meinen und nicht "leider schwierig". Das klingt wie ein Kommentar zu seiner eigenen Musik, bei der ich auch nicht weiß, ob ich "leider schwierig" sagen soll und mich dadurch gegenüber Hartmut wieder als Kunstbanause entlarve.
"Pendikel!", sagt Hartmut und reißt die Tür auf. Das Geschepper der Band schwappt noch mal doppelt so laut hinter ihm ins Bad und schubst ihn wie eine Flutwelle. Nicht wie eine massive, effektvolle, sondern eher zerfleddert und kaputt wie ein Schwall aus einem Rohrbruch. "Pendikel!"
"Das wäre ein guter Name für meinen Urkontinent", sage ich. Hartmut stutzt einen Moment. Dann sagt er: "Die Band. Pendikel. Neue CD. Unveröffentlichte Lieder, von anderen neu gemischte Lieder, sonst kaum zu kriegende Lieder." Er zeigt mir das Booklet der CD, in Bastelpapieroptik gestaltet. "Reise ins Gewisse" steht darauf.
"Ist das nicht ein großartiger Titel?", sagt Hartmut. "Wir reisen immer nur ins Vertraute. Also auch im übertragenen Sinne. Hören, was wir immer schon gehört haben. Wollen Strophe, Refrain und Strophe. Wenn wir einen Film sehen, wollen wir Einleitung, Auslöser, Wendepunkt und Klimax. Käme bei den Nachrichten der Sport zu Beginn, würden wir schon bekloppt. Wir sind eingesponnen in ein Netz aus Formaten. Sogar die Sprache ist so ein Filter. Wir..."
Ich hebe meine Hand aus dem Wasser. Sie durchbricht den Urkontinent Pendikel und spaltet ihn in mehrere Teile. "Das ist also wieder so eine Fortschrittsband, die den Rock auflöst und die Wahrnehmung verändert?", frage ich.
Hartmut spitzt die Lippen. "Na ja, auflöst nicht, aber doch..."
Ich unterbreche ihn: "Warum singt der Mann dann 'sei echt!' Ich denke, 'echt sein' ist eine Lüge von den Bluesstammtischen pensionierter Sozialkundelehrer."
"Das Echtsein hier ist ein Echtsein zweiter Ordnung. Ein Durchbrechen der Phrasenhaftigkeit und eben der Formate. Hör dir das an, hier hast du ein Lied, das ist rein instrumental. Das ist nur Gitarrengezupfe, aber so ganz karg, als hätte David Gilmour einen Kater. Das stromert so vor sich hin und hört einfach auf. Und das nennen die dann 'Phantasievoll (aber unpraktisch)'. Dann covern sie Nick Drake und King Crimson und die Minutemen, geben aber zu, dass sie von denen nicht mal alles kennen. Der Gitarrist von Party Diktator hat sie mal mit Slint verglichen, woraufhin sie ihm gestehen mussten, Slint nicht zu kennen. Ich meine, 'Spiderland', hallo? Wenn ich solche Musik mache und Slint nicht kenne, kann ich auch gleich schreinern, ohne zu wissen, was Mahagoni ist. Wobei Slint eher Sperrholz wären. Gut, man könnte auch sagen, dass hier mehr Les Savy Fav drinstecken. Auch Shellac, mit weniger Kante." Hartmut legt das Kinn in eine Hand, legt den Kopf ein wenig schief und scheint die Ohren Richtung Decke zu strecken. Sein Blick ist der eines Ameisenforschers. "Ich höre auch ungewöhnlichere Verweise darin. Talk Talk zum Beispiel. Es steckt ein ätherischer Rationalismus in diesem Klang. Jesus Lizard. A Silver Mt. Zion."
Ich hebe einen Fuß aus dem Wasser und lasse ihn mit großem Getöse wieder hineinfallen. Drei Kontinente landen auf der Ablage oder kleben nun an der Wand. Ich sage: "Die Gesangsintonation eben bei 'laaange Naaacht', weißt Du, woran die mich erinnert?"
Hartmut zuckt mit den Schultern.
"An Tokio Hotel!"
Hartmut reißt die Augenlider so hoch, dass sie hinter der Schädeldecke verschwinden wie Rollos in ihrem Kasten über dem Fenster. Die Kontinente stehen still, kein Lüftchen geht mehr über ihren Wassern. Auf dem X-Men-Comic auf der Wannenablage hält Wolverine sich beschämt die Hand vor's Gesicht. Leise und mit der Betonung eines entscheidenden dramatischen Momentes in einem Wes-Craven-Film sagt Hartmut: "So etwas darf nicht gesagt werden..." Er blickt sich panisch um, als könnten Shellac, Talk Talk und A Silver Mt. Zion gleich aus den Kachelfugen springen und uns alle exekutieren. Für einen Moment teile ich diese Angst, dann sage ich: "Hartmut, darf ich Dich daran erinnern, dass Du es warst, der hier vor nicht allzulanger Zeit ein Tokio-Hotel-Legitimierungs-Experiment mit ahnungslosen Musikjournalisten durchgeführt hat?"
Hartmut hebt die Hand: "Das war kein Tokio-Hotel-Legitimierungs-Experiment, sondern ein "Die-Bigotterie-des-Rockjournalismus-Entlarvungs-Experiment!" Ich sehe Hartmut an, wie Angela Merkel einen cleveren Journalisten ansehen würde, der sie fragt, ob sie als Physikern ernsthaft an Al Gores Klimapanikmodell glaube. Sagen muss ich nichts. Nur verschmitzt merkeln. Hartmut wedelt mit den Armen. "Okay, okay, aber das geht trotzdem nicht. Man kann nicht über Einflüsse von Pendikel sprechen und dann... das geht einfach nicht. Schau mal, das ist eine Rockband, die so spielt, wie Kafka geschrieben hätte, hätte er in Zeiten des New Wave gelebt. Das ist die 'kleine Literatur' als Musik, das ist..." Der zweite Kontinent ist wieder von den Fliesen in die Wanne zurück gelaufen und schließt sich gerade dem Nordkap an. Ich hole eine Quietscheente ins Wasser, spiele mit ihr und sage: "Ich habe ja manchmal den Eindruck, es geht bei dieser Insidermusik nur ums Sammeln." Ich blättere im Booklet. "Hier zum Beispiel, so ein Satz: 'Bei der Minutemen-Tribute-7-Inch waren wir in phantastischer Gesellschaft von Megakronkel, Rhythm Pigs und The Bugs Know Best.' Wenn ich jetzt auf der Arbeit oder im Trinkgut meinen Kollegen antippe und sage: 'Hoho, Pendikel haben neulich eine Tribute-Seven-Inch für die Minutemen aufgenommen und zwar in Gesellschaft von Megakronkel und den Rhythm Pigs' dann rufen die ganz schnell den Amtsarzt."
Zu dieser Bemerkung sagt Hartmut nichts. Ich verschiebe Kontinente und warte.
"Willst du wissen, was ich gerade höre?", frage ich. Hartmut nickt. Ich drücke auf den Ghettoblaster neben der Wanne und Dave de Bourg beginnt zu singen. "Heute Nacht wär die beste Gelegenheit/ Deine Sachen zu packen und Dich aus dem Staub zu machen" singt er zu einer Musik, die wie eine Mischung aus den Wohlstandskindern und Purple Schulz klingt. Der Refrain öffnet mein Wannenherz: "Doch es sind sechs Milliarden, die das Gleiche wollen/ es sind sechs Milliarden, die müssen und sollen/ es sind sechs Milliarden/ und Du!/ Und es sind sechs Milliarden, die die Sonne suchen/ es sind sechs Milliarden, die ihren Gott verfluchen/ sechs Milliarden und Du!" Das "Duuu" wird gestreckt wie bei Pur, die folgende Strophe klingt wie Marcus Wiebusch von Kettcar. Dann kommt eine Mundharmonika. Ich sehe Hartmut an, wie sein Bedürfnis steigt, mir zu erklären, wie viele konzeptuelle Welten zwischen Dave de Bourg und Pendikel liegen. Ich sehe ihm an, wie er einen Stapel kulturtheoretischer Halbjahrespublikationen aus seiner Bibliothek nebenan holen und mir erläutern will, warum man sentimental-melancholische Songwriter mit Vier-Tage-Bart und koffeingleich auf die Gefühle wirkenden Melodien NICHT mit dem "ätherischen Rationalismus" des krachigen Postrock vergleichen kann. Doch er macht es nicht. Er setzt sich neben die Wanne, legt die Arme auf den schaumfeuchten Rand, nimmt meine Hand und verschwindet mit seinem Blick in Sphären in seiner Kinderzeit, in welcher er noch auf dem Rücksitz des Autos solche einfachen Melodien hören und dazu urlaubshaft seufzen konnte.
Dave de Bourg singt: "Deine Sterne sind verglüht/ und Deine Helden schon lange tot/ und Du fragst Dich nur wohin/ komm ich zeig Dir den Weg..."
Pendikel singen: "Ist so einfach, so einfach ist das nicht/ viele Worte haben gefährliches Gewicht."
"Manchmal bewundere ich Dich", sagt Hartmut.
"Ich Dich auch", sage ich.
Dann hören und sehen wir zu, wie sich Musiken und Kontinente vermischen.
www.hartmut-und-ich.de // Oliver Uschmann // 02.03.08
Zuerst dachte ich ja, dieses Album mit verstreuten Outtakes, liegen geblieben und geremixten Songs (von 1994 bis 2006) der Osnabrücker Art-Pop-Band wäre eher nichts fürs Glitterhouse, das ist aber Quatsch: die Jungs um Spex- und Intro-Schreiber Carsten Sandkämper spielen spannenden, experimentierfreudigen Gitarrenrock mit avancierten Texten und servieren auch eine gute Portion vielsagender Coverversionen. Auf dem Weg zu einem dieses Jahr anstehenden neuen Album finden wir hier nicht veröffentlichte Songs fürs letzte Album Dont Cry, Mondgesicht, einige experimenteierfreudige Remixes von Mondgesicht-Songs (u.a. von Jean Michel und Sankt Otten), dazu eben gecoverte Songs für zum Teil nie erschienene Tribute-Alben für Nick Drake (River Man), Minutemen (Its Expected Im Gone) und King Crimson (Red), denen sie definitiv ihren eigenen Stempel aufdrücken. Und als Hidden Track gibt es tatsächlich noch Dont Answer Me von Alan Parsons Project gewagt und gewonnen.
www.glitterhouse.com // Joe Katz // 07.03.08
PENDIKEL play simple and mainstream rock music with German lyrics. I am not a supporter of that kind of music, because I miss the power and the energy in that music. And that good-feeling music is made for my ears. Sentimental, nostalgic that are the words for their music. The band did a lot of shows after their last record called DON`T CRY, MONDGESICHT and get a lot of followers with their record and live appearances. The opener UNTER ANDEREN shows exactly that stuff what I hate. The following BUS IN DIE FREIHEIT is more melodic and with some good atmosphere. There is really no filler on that record, tracks like IT`S EXPECTED I`M GONE or RIVER MAN or SCHOENER TAG are good, but not my stuff. Dont understand me wrong, that band is very good, the songs have a lot of potential, but it is not my cup of tea.
www.daredevilrecords.de // Jochen Böllath // 16.01.08
Sie gehören für mich (nach wie vor) zu den interessantesten und verwirrendsten deutschsprachigen Formationen ihrer Generation. Die Osnabrücker Combo Pendikel changiert auch auf ihrem Remix- und Raritäten-Album "Reise ins Gewisse" zwischen Genie und naiv-brachialem Noise-Nonsens. Die Raritäten überraschen vor allem mit den beiden überaus gelungenen Cover-Versionen "River Man" von Nick Drake und "Red" von King Crimson. Beides sind gewiss keine Stücke, die man normalerweise covern sollte (Finger weg vor Ikonen!), doch was Pendikel daraus machen, ist wirklich neu und anders: "River Man" wird zum klassischen Prog-Song alter Schule mit viel Mellotron und effektvollen Modi-Wechseln; "Red" mutiert zum 21st-Century-Noise-Band-Instrumental mit deutlichen Zitaten an den Sound aller Crimso-Inkarnationen. Die Remixe sind en gros hübsch gemacht und passen gut ins Pendikel-Universum. Falls man damit beabsichtigt hatte, die eigene Musik in einem anderen Lichte betrachten zu können, so ist die Rechnung wohl aufgegangen. Dennoch: "Reise ins Gewisse" ist kein (homogenes) Album für den Pendikel-Einsteiger Interessierte können auf der Website umfangreich in die verschiedenen Alben hineinhören aber eine gelungene Zwischenstation auf dem Weg zum neuen Album. Es bleibt spannend in Osnabrück.
www.schallplattenmann.de // Sal Pichireddu // 11.02.08
Pendikel released two noise rock albums in the Nineties that didnt get too much recognition. After a lengthy break, they reinvented themselves in the new millennium, initially again to little success, but their fourth album Dont Cry, Mondgesicht finally put them on the top of the German indie rock movement, much to the bands surprise, as their crossover of melancholic indie sounds with Seventies prog grandeur was everything but digestible. While working on their new album, they took some time off to be back with a retrospective compilation, not a best-of, but a collection of unreleased material, rarities and remixes. Reise ins Gewisse starts with three unreleased cuts from their last album. The opener Unter anderen shows Pendikel from a rocking and unexpectedly soulful side, while Bus in die Freiheit and Leider schwierig are sadder indie rock material, the latter ending with a part that reminds of Robert Wyatts mouthed trumpet sounds. All three tracks are excellent and you can only wonder why they were left out. Phantasievoll (aber unpraktisch) is the title song of their second album, except that it was never released back in the Nineties. Its a short acoustic instrumental which works nice as a bridge between songs, but in itself its nothing really special. Three cover versions are next. Nick Drakes River Man starts quietly with undistorted electric guitar and mellotron before adding noisy guitars. Nicely done, bridging the their future with their past. Originally released on In Search of a Master In Search of a Slave. A Tribute to Nick Drake in 1999. The Minutemens Its Expected Im Gone is from a 1997 compilation seven inch record with other bands and shows Pendikel from a crazy angular but also untypical side. Also from the mid-Nineties, but unreleased, is their take at King Crimsons instrumental rocker Red which they try to modernise and speed up. Works nicely even if the original is untoppable. Schöner Tag is again an own song and a return to the German language. Its a nice ballad which was recorded for their third album 3 but only released on an obscure label compilation.Five remixes of songs from their last CD conclude the album. Von Fall zu Fall is a prime example of how to make a genial remix. Some tracks are deleted, new ones are added, transforming this very rocking song into a sublimely blip beat track reminding me of Notwist, making the remix even better than the original. Piepton adds some Penguin Café Orchestra minimalism but isnt as revolutionary as the preceding track. Zitatmaschine gets a white-noise work-over, and fails at it. Just too grating and too far away from the original mood of Pendikel. Dead City, the bands chef doeuvre, tries hard but only adds a few sounds to the very progressive original, without really improving the perfect original. The final Bis zum letzten Mal dives into late night jazz sombreness, with a dark electring piano, throbbing bass lines and a shaky drum sound. Strange but a worthy end. Or not really an end yet, because after ten minutes of silence, Pendikel resume with an understated acoustic lo-fi rendition of Alan Parsons Dont Answer Me. And then its really over. Reise ins Gewisse is not a regular album, but as a collection of rarities and oddities, it works much better than most similar albums. Apart from one disappointing remix, this is more than one hour of music that deserves to be listened to and is even sold at a socially low price. Pendikel are the best German band of the moment, because they dare to combine their accessible indie rock sound with complex arrangements that should be a synonym for commercial suicide, except that they proved otherwise with their last album. This is a band to be reckoned with in the future!
www.disagreement.net // Lex Thiel // 14.02.08
Manchmal ist eben doch der Weg das Ziel. Diese Reise ins Gewisse ist nämlich - genau genommen - nur eine Etappe auf dem Weg zur nächsten regulären Pendikel-Scheibe. Aber was für eine. Auf dieser Kompilation versammelt sind dabei einige Edelsteinchen, die es unter normalen Bedingungen kaum auf eine Scheibe der harten Indie-Rockjungs geschafft hätten. Fast unauffällig versteckt zwischen einigen eher Pendikel typischen ProgRock-Pop-Rock-Tracks, die aus diversen Sessions übrig blieben (aber bis auf ein eher unnützes instrumentelles Zwischenspiel keineswegs Ausschuss-Ware darstellen) gibt es - in beliebiger Reihenfolge: Ausgezeichnete Cover-Versionen - darunter Nick Drakes "River Man" und King Crimsons "Red" - zwei Tracks, die stilistisch gar nicht weiter voneinander hätten entfernt werden können und die von Pendikel regelrecht visionär wieder belebt werden (und keineswegs krachig zerstört, wie es in den Liner-Notes bescheiden heißt), gleich mehrere erfolgreiche Ausflüge in den Elektro-Pop (via Remixes), eine akustische Nummer und einen Track, der so nahe an eine Piano-Ballade herankommt (ohne eine zu sein), wie das den Jungs nur möglich ist. Wenn das auch nur annähernd auf diesem Qualitätslevel weitergeht, kann der Nachfolger des gewiss nicht schlechten Vorgängers "Don't Cry Mondgesicht" gerne kommen. Lieber heute als morgen.
www.gaesteliste.de // Ullrich Maurer // 15.02.08
Resteverwertung. In der Regel ein Schimpfwort. Auch bei Pendikels Reise Ins Gewisse schwingt ein gewisses Maß an Unbehagen mit. Aber wissend um den Veröffentlichungsrhythmus der Band und angesichts der Ankündigung, vielleicht erscheine die nächste Pendikel-Platte erst im nächsten Jahrzehnt oder aber schon in wenigen Monaten, erfreut der Hörer sich gerne an dieser ungewiss wissenden(wirkenden?) Reise. Dem Pend(ik)el im Artwork entsprechend beginnt die Reise bei Dont Cry Mondgesicht, wendet sich zurück in die Bandvergangenheit, um zuletzt einen Blick in eine alternative zukünftige Dimension zu werfen. Heißt, Reste der letzten Platte beginnen klanglich klar erkennbar das Album, gefolgt von Überresten der Phantasievoll (Aber Unpraktisch), der 3, einiger Samplerbeiträge und sonstigem. Alles läuft so weit unter dem Namen "Walkman". Den Abschluss dann übernehmen zum Tanzen Remixe des Mondgesicht-Albums. Den Linernotes entnimmt der Leser gern und freudig die Nachricht: In den Pendikel-Archiven lagern noch weitere Perlen. Und als wertvoller Schmuck zeigt sich eigentlich alles auf der Reise Ins Gewisse. Die klangliche Balance zwischen Laut und Leise, Schräg und Perfekt, die Dont Cry Mondgesicht ausmachte, fehlt natürlich. Eine Sammlung solch unterschiedlicher Perioden einer Band kann in sich nicht geschlossen sein. Das Verständnis der Gruppe jedoch ergibt sich nur mit einer solchen Mischung. Der Ursprung der eröffnenden drei Stücke aus den Sessions zu Dont Cry ist klar erkennbar. So hätte jeder dieser Songs sich gut in die Platte eingeordnet. Da wirkt die instrumentale Miniatur Phantasievoll (Aber Unpraktisch) schon erstaunlicher. Ein Tag am Meer, nicht wie ihn gewisse Stuttgarter beschreiben würden, sondern in einer Intensität, wie sie die Kollegen von Kante zur Beschreibung Berlins oder der Großstadt an sich nutzen. Die Atmosphäre bleibt zunächst erhalten. Die Band stürzt sich und uns in ein Cover von Nick Drakes River Man, lässt dann die Stimmung kippen, lärmt los, verkörpert die Verzweiflung in all ihrer Multidimensionalität. Weniger perfekt, eher zerstört und den Post-Hardcore-Ursprüngen der Band näher folgt ein Minutemen-Cover, dem sich eine Interpretation von King Crimsons Red anschließt. Beides unverzichtbar, um den heutigen Klang von Pendikel nachvollziehen zu können. Mit Schöner Tag geht es dann zurück in eben diesen Kosmos, die unglaubliche Entrückung, in der Gesang und Gitarre und Schlagzeug sich zu dem vereinen, was die Band ausmacht. Weniger hilfreich und nötig schließen fünf Remixe die Reise ab. An sich alle gelungen und wie angemerkt andere Dimensionen der Band eröffnend, fehlt ihnen doch meist die gewisse Magie. Fall zu Fall (Jean Michel Remix) versucht die Tanzfläche zu erobern, klingt aber doch am besten über Kopfhörer in Isolation, Piepton (Radioluxx Mix) verlangsamt und erhöht Intensitäten, bleibt aber halbgar. Die Zitatmaschine (Velma Version) geht in atmospärischer Dunkelheit unter, wogegen Volker Schumachers Dead City-Variante in zart bliepend digitaler Perfektion von Console stammen könnte. Passend beschließen Pendikels alte Weggefährten Sankt Otten die Reise ins Gewisse mit Bis zum letzten Mal. Trügerisch verstörend, hypnotisch. Die Spannung baut sich auf, das Warten auf eine neue Reise mit Pendikel beginnt Und zum Nice-Price ist diese Veröffentlichung eh Pflicht. (3,5/5)
www.helga-rockt.de // Oliver Bothe // 05.02.0
Den Preis für den schönsten Albumtitel 2008 erhalten Pendikel bereits im voraus. Und es steckt sogar etwas dahinter, nämlich eine Selbstvergewisserung über die Jahre der Band vor und nach dem überraschenden Erfolg mit dem letzten Album Don't cry, Mondgesicht". Zurück und gleichzeitig nach vorne - das soll die Blickrichtung des Albums sein. Zum Glück fängt es nicht so deprimierend an wie Don't cry...", sondern flott und überraschend gitarrenpoppig. Droht da etwa Zeitgeist? Nein, nein, keine Sorge - die von uns allen erlernte Pendikel-Tiefe ist da und drängt im Verlauf wieder stärker in den Vordergrund. Das mögen wir Intellektuellen, auch wenn es zwischen Geschrammel, Hardcore-, elektronischen und Prog-Elementen auch mal anstrengend wird. Pendikel bilanzieren eine ziemlich spannende und mäandrierende Bandgeschichte, die jedoch im Kern um die eigenen unverbogenen Vorstellungen von zeitloser und beständiger Popmusik kreist. Das ist so eine Art musikalische Nordpolexpedition. So mancher ist dabei umgekommen und im wahrsten Sinne erstarrt. Nicht so Pendikel. Hoffen wir trotzdem, dass sie nie ankommen, sondern weiter forschen. Man muss ja nicht gleich erfrieren.
www.unruhr.de // MatsB // 19.01.08
Was war das für ein (durchaus berechtigter) Hype: Dont Cry, Mondgesicht (Blue Noise, 2006), das vierte Album der Osnabrücker Band Pendikel, wurde landauf, landab gebührend gefeiert als eines der besten deutschsprachigen Rock-Alben seit anno dazumal. Die dazugehörige Tour geriet zu einem (verhältnismäßigen) Triumphzug. Galt vor dieser Platte noch: Die Band kennt keine Sau (Linus Volkmann in seiner Intro-Rezension), spricht die Band im Nachgang gar von ihren warholschen 15 Minuten Ruhm, die ihnen Dont Cry, Mondgesicht bescherte. Als Nachschlag zu diesem Album gibt es nun Reise Ins Gewisse, eine Rückschau auf das bisherige Schaffen der Band, die immerhin schon, wenn auch in wechselnder Besetzung, seit 1994 existiert. Teil Eins des Albums (genannt "Walkman) beinhaltet Outtakes, B-Seiten, Coverversionen und Compilation-Beiträge Pendikels; Teil Zwei (genannt Tanzen) wiederum beinhaltet Remixe von Songs des genannten Erfolgsalbums. Um jegliche Missverständnisse zu vermeiden: Es handelt sich nicht um eine Doppel-CD. All diejenigen, die Mondgesicht geliebt haben (und das dürften nicht allzu wenige sein), werden auch Reise ins Gewisse brauchen. Tracks wie Unter Anderen oder Bus in die Freiheit wären auch auf einem "richtigen" Album durchaus positiv aufgefallen. Ehrlicher Weise muss aber gesagt werden: Coverversionen wie River Man (Nick Drake), It's Expected I'm Gone (Minutemen), Red (King Crimson) oder der Hiddentrack Don't Answer Me (Alan Parsons Project) sind sicher kein Pflichtbestandteil einer jeden Plattensammlung. Das nächste reguläre Album von Pendikel dann aber ganz sicher doch wieder!
www.bizarre-radio.de // Daniel H. // 24.02.08
PENDIKEL hat sich 1994 in Osnabrück gegründet und setzte Anfangs auf eine Mischung aus Hardcore und Progressive Rock. Die erste CD kam 1996 und mit Reise ins Gewisse erscheint nun auch schon die fünfte. Vielfache Umbesetzungen innerhalb der Band haben auch zu einem neuen Stil geführt, nämlich eine Mixtur aus Indie-Pop, noisigem Geschrammel sowie immer noch einer gehörigen Portion Progressive Rock, aber auch einiges an eingängigem Pop. Dazu natürlich deutsche Texte. Für mich bedeutet das Album hier den Einstieg, ich habe noch nichts vorher von den Osnabrückern gehört, doch ich befürchte, als Einstieg ist das gar nicht mal so geeignet, denn Reise ins Gewisse bietet einen Rückblick in Form von unveröffentlichten Remixen und Raritäten (hauptsächlich Compilationbeiträge). Erstaunlicherweise klingt das Ganze trotzdem ziemlich rund, was wahrscheinlich daran liegt, dass man die CD zweigeteilt hat. Es beginnt mit dem Walkman-Teil, wo es eben die Raritäten gibt, dann folgt der Teil Tanzen, da gibt es logischerweise die Remixe. Die Texte übrigens sind auch lohnenswert zum Anhören, ebenso wie die Linernotes in dem beigefügten Booklet. Alles in allem also eine lohnende Veröffentlichung und eine weitere spannende Band aus Deutschland.
www.backagain.de // Haiko Herden // 15.01.08
Eine Band geteilt, in die Komponenten zerlegt und anders zusammengefügt, für ein tönendes Gesamtbild: "Reise ins Gewisse", das verschachtelte Porträt der Gruppe Pendikel. Anfangs wird Wohlklang noch eigenwillig interpretiert und ist die Stimme sehr zerbrechlich und etwas zu schüchtern zurückhaltend, um diese anvisierten Gesangsmelodien allgemeinverträglich hinauszutragen. Das ist eben ein Indie-Ansatz, der gedankenschwer und doch leicht und unverkrampft hiesige Rockansätze in Texten, Tönen und Rhythmen, mal noisig kratzend und dröhnend, dann mal wieder poppig und schwerelos oder mehrdeutig ganz bisschen kompliziert, melancholisch formuliert. Gar zu einfach gestaltet, vom Reim über die Tonfolgen bis hin zum Gesamt-Arrangement, macht es zu schnell müde, bereitet zu wenig anhaltende Freude. Deswegen wandelt Pendikel auf Umwegen und über unebenes Terrain, umkreist sanfte Harmonien, zerstößt schwere Brocken, kollidiert mit Kitsch und Kinderei, um aber auch mal die groß angelegte und doch intime Songwriterkomposition - Nick Drakes "River Man" -, gerne auch Prog zu zitieren - "Red" von King Crimson -, damit geringfügig zu überfordern und vielfältig aus sich herauszugehen. "Reise ins Gewisse" bricht das Schweigen über die Hintergründe, beschreibt das Dasein vom Früher bis zum Jetzt und greift beherzt nach anvisierten Sternen, ist vergegenwärtigte Vergangenheit die bandeigene und ebenso mehrfach eine fremde Nacherzählung, Rekonstruktion, Umdeutung: "It´s Expected I´m Gone" der Minutemen kommt in veränderter Gestalt -, inklusive Schatzsuche und Geheimnislüftung, genauso aber auch Ausblick und offenbarende Selbstfindung samt Hidden Track. Diese Compilation präsentiert bisher unveröffentlichte Musik, Ausschnitte der bisher schon mehr oder weniger bekannten Tonträgerexistenz der Gruppe und führt Remixe des 2006 erschienenen Albums "Don´t cry, Mondgesicht" zusammen. Wer wissen möchte, was Pendikel ist, der braucht diese Zusammenstellung von Klassikern, Raritäten und Remixen. Alle anderen aber auch.
www.bloom.de // T. Stalling // 24.02.08
Bei Compilations ist das so eine Sache. Oftmals dahin geschludert, ein neuer Song und viele Remixe die kein Mensch braucht. Das ist, sagen wir, die schlechte Seite. Die gute Seite sieht so aus: Songs aus der Schaffensphase des Künstlers, welche zwar hochwertig sind, es aber aus diversen Gründen nicht geschafft haben bisher der Öffentlichkeit in verdientem Masse vorgestellt zu werden. Dann ist es auch nicht weniger schlimm, wenn der Veröffentlichung Remixe beiliegen. Pendikel gehören zur guten Seite, denn Reise Ins Gewisse stellt eine solch beschilderte Compilation dar. Über 10 Jahre Schaffensphase bedeutet einfach auch über 10 Jahre wunderbare Lieder, die nun bereit sind sich zu zeigen. Unter Anderem (inklusive coolem Bläsereinsatz), Bus In die Freiheit und Leider Schwierig sollten eigentlich schon auf dem letzten Album Dont Cry, Mondgesicht erscheinen. Hört man auch. Pop und Prog-Rock verbinden sich zu einer manchmal schrägen und doch eingängigen Melange. Gitarren erklingen fast gefühlvoll und doch so energisch. Da Pendikel Dont Cry aber nicht zu sehr in die Länge ziehen wollten sind diese Lieder einfach weggefallen. Phantasievoll stammt aus dem Jahr 1997 und zeigt sich sehr experimentell durch das eingespieltes Meeresrausches innerhalb eines auf der Gitarre gezupften Songs. River Man stellt das erste Cover auf dieser Compilation dar. Im Original stammt sie von Nick Drake und stellt eine zarte Ballade dar. Pedikel lassen die Zärtlichkeiten etwas hinter sich und lassen kräftige Gitarren einströmen. Its Expected Im Gone aus dem Jahre `96 ist ein rotziger lauter Noise-Rock-Bastard. Red stellt dagegen das nächste Cover dar. King Crimson im Original stellen eine hohe Hürde dar, welche aber sehr gut gemeistert wird: Prog-Rock pur. 2002 wurde Schöner Tag aufgenommen. Ein Song, der so ruhig und sanft ist und die ganz andere Seite der Band zeigt. Die letzen Songs sind Remixe von auf Dont Cry veröffentlichten Liedern und zeigen, was man aus Pendikel noch so machen kann. Bedanken darf man sich bei Pendikel, dass sie diese bisher nicht veröffentlichten / unbekannten Songs doch noch auf Platte gebannt haben. Reise Ins Gewisse deutet die Entwicklung und Vielfältigkeit der Band nicht nur an. Manchmal gewohnt schwierig und trotzdem mit dem gewissen Etwas. Deutschsprachiger Indie-Rock ist also doch nicht ausgestorben. Man darf gespannt sein auf die nächste Veröffentlichung. Motor geht an Blinker geht raus und er rollt (9/12)
www.hurricanebar.de // Thomas Stein // 12.02.08
Sie zählen zu den Osnabrücker Indie-Legenden und legen jetzt eine Platte vor, die sozusagen Rückschau hält auf die Jahre 1994 bis 2006. Nach dem viertes Studioalbum Dont Cry Mondgesicht, welches Ende 2006 erschienen ist, haben Carsten Sandkämper und Oliver Klemm in der großen PENDIKEL-Kiste gekramt und Outtakes, Samplerbeitrage und Raritäten auf die Reise ins Gewisse geschickt. Den Anfang macht Unter anderen, das eigentlich genau so wie beiden folgenden Titel auf besagtem Dont Cry Mondgesicht erscheinen sollte. Irgendwas sprach jedoch dagegen, an der musikalischen Qualität kanns nicht gelegen haben, der Track geht gleich in die Vollen und macht Lust auf mehr. Eine melancholische Rückbetrachtung der eigenen Jugend ist Bus in die Freiheit, wohingegen Leider schwierig auf die PENDIKEL-übliche, leicht sperrige Art gefangen nimmt. Phantasievoll (aber unpraktisch) hat bereits elf Jahre auf dem Buckel und sollte als Titelstück des zweiten Longplayers fungieren. Damals war die Zeit wohl noch nicht reif dafür, tatsächlich zählt der Instrumentalsong auch zu den eher schwer verdaulichen, dabei sehr getragenen Stücken, die man ein- bis zweimal mehr hören muss. Phantasievoll aber unpraktisch eben. Mit River Man haben sich die Herrschaften 1999 einer Nummer des englischen Trauerbarden NICK DRAKE angenommen, die auf einem Tribute-Sampler erschien und beweist, dass eine Noise-Band auch mit einer tieftraurigen Ballade fertig werden kann. Eines meiner Highlights ist Its Expected Im Gone, ebenfalls ein Tribute-Beitrag, diesmal an die kalifornischen Punkrocker MINUTEMEN, der wunderbar verquer rüberkommt. Dies steigern PENDIKEL sogar noch mit ihrer Version des KING CRIMSON-Songs Red. Was im Original feinster Prog Rock ist, bekommt hier ein schräg-schrammeliges Topping und findet nach über einem Jahrzehnt im Giftschrank endlich seinen Weg auf einen kleinen Silberling, wurde doch aus dem mal geplanten KC-Sampler des Stickman Records-Labels letztlich nichts. Schöner Tag sollte an sich bereits 2003 auf 3 erscheinen, doch fiel die Scheibe derart ruhig aus, dass dieses ebenfalls sehr zurückhaltende Lied von der Liste gekickt wurde. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von Remixen, in dieser geballten Form ein absolutes Novum für PENDIKEL, doch vor einem guten Jahr durften einige Band und Musiker Songs der Dont Cry Mondgesicht ihren eigenen Stempel aufdrücken. Dies taten JEAN MICHEL (Von Fall zu Fall/Fall B), RADIOLUXX (Piepton) und VELMA (Zitatmaschine) in wunderbar elektronischer Form, während VOLKER SCHUMACHER eher auf Minimalismus setzt, ebenso wie die Kollegen von SANKT OTTEN, die Bis zum letzten Mal perfekt inszenieren. Reise ins Gewisse ist ein absolutes Muss für jeden Fan und zusammen mit den Anmerkungen im Booklet, die Carsten Sandkämper hinzugefügt hat, ein unterhaltsames Stück Bandgeschichte, die in diesem Jahr um verschiedene Liveshows ergänzt werden soll. Und PENDIKEL versprechen im Hier und Jetzt angekommen zu sein: Laut, unbequem und leidenschaftlich schlecht gelaunt. Hervorragend!
www.musik.terrorverlag.de // 23.01.08
Wer dieses nette Magazin schon ein wenig länger verfolgt, dem hat sich vielleicht auch schon einmal die Vermutung aufgedrängt, dass eigentlich alle seine Schreiber sich ständig mit einem schlechten Gewissen herumtragen müssen. Wie sonst, wenn nicht so, ist es zu erklären, dass gefühlt jede zehnte Plattenbesprechung mit den Worten Ich gestehe oder zumindest ähnlichem beginnt. Da outen sich Indie-Fans nüchtern und bei vollem Bewusstsein als Indie-Hasser, andere bekennen sich zu Bands, von denen sie sich vorher nicht einmal getraut hätten, ihre Namen laut auszusprechen. Meine persönliche Beichte nun lautet wie folgt: Es gibt Platten, denen ich in vollster Überzeugung die Höchstnote gab, die diese Ehre im Nachhinein schlicht nicht verdient haben. Die letzte von INTERPOL ist so eine, eine gute Platte sicherlich, mit genialen Momenten darin, aber keine zehn Punkte wert. Auch bei PENDIKEL schlichen sich kurze Zeit nach der Veröffentlichung meiner Rezension Zweifel ein. Denn auch wenn Don't cry Mondgesicht ein wirklich starkes Album ist, einige Stücke mich nach wie vor faszinieren und die Begeisterung dafür durchaus echt war, fingen einige der darauf enthaltenen Stücke schon kurz darauf an, mir auf die Nerven zu gehen. Selbstverständlich war ich nun bei ihrem aktuellen Album dennoch neugierig genug, wissen zu wollen, wie es ist. Reise ins Gewisse heißt es und enthält bisher Unveröffentlichtes, Remixe, Coverversionen und/oder Samplerbeiträge. Wie man das eben so macht, wenn man nach Jahren plötzlich einer etwas größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Einige Nettigkeiten sind darunter, wie etwa das Titelstück zu ihrem zweiten Album Phantasievoll (aber unpraktisch), das es seinerzeit nicht auf entsprechendes Album geschafft hat und dem Sammler, der es seinerzeit nicht mehr schaffte, ein Exemplar der auf 300 Stück limitierten Aeroflot 10-inch zu ergattern, das Gefühl gibt, das fehlende Teil nun endlich doch noch einfügen zu dürfen. Leider findet sich auch viel Unausgegorenes auf diesem Album, das etwas unbeholfene Unter anderen zum Beispiel, das nach meiner Ansicht zurecht aus dem letzten Album weggelassen wurde oder das Intrumental Red, von dem ich leider die Original-Version nicht kenne. Das letzte Drittel dieser Platte gehört der elektronischen Fraktion, die sich vornehmlich an Stücke des letzten Albums gewagt hat. Was bei Von Fall zu Fall ebenso wie bei Piepton leider so klingt, als würde hier zusammengefügt, was nicht zusammen gehört. Das beste Stück der Platte ist der SANKT OTTEN-Remix von Bis zum letzten letzten Mal. Danach ist Pause, die berühmte zehnminütige NIRVANA-Pause. Und als Hidden Track covern sie sie schließlich Don't answer me vom ALAN PARSON'S PROJECT. Und das ist ein wirklich schönes Lied. Bei dem sie sich schon ein bisschen mehr Mühe hätten geben können. Schade.
www.blueprint-fanzine.de // Michael Busemann // 15.02.08
Ihr letztes und letztjähriges "Don't cry, Mondgesicht" war das erste in Pendikels wechselhafter, 12jähriger Geschichte, das in der breiten deutschsprachigen Musiklandschaft tatsächlich Spuren hinterlassen hat. So große, dass sie in so mancher "bester deutscher Newcomer"-Pollkategorie gelandet sein dürften. Kritiker und Publikum waren begeistert ob dieser eher ungewöhnlichen deutschen Mischung aus lieblichem Indiepop und Noiserock mit erstaunlichen Referenzen im Progressive Rock der Siebziger. Das war neu dieser Tage, wo viele gelangweilt schienen ob der doch irgendwie angestaubt erscheinenden Kettcartocotronicsternehelden der letzten Jahre. Jetzt also ein Raritätenalbum, das Diverses aus der Bandgeschichte zusammenfasst, manches erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Dem Pendikelneuling, der nur "Don't cry mondgesicht" mitbekommen hat, mag es vielleicht größenwahnsinnig erscheinen, aber zwischen den vier größeren Pendikel-Veröffentlichungen ist eben doch einiges an interessantem und guten Material erschienen. "Reise ins Gewisse" ist in zwei Kapitel unterteilt. Das erste, "Walkman", ließe sich locker in drei Unterkapitel einteilen. Hier sind erstens die (bislang unveröffentlichten) Überbleibsel der "Don't cry, Mondgesicht"-Session zusammengefasst, zweitens aber auch drei gecoverte, englischsprachige Stücke und drittens zwei ältere Raritäten enthalten. Die Songs des ersten Unterkapitels bleiben zwar hinter den meisten Stücken des Albums zurück, sind aber keine Ausschussware. Besonders "Bus in die Freiheit" kann mit wunderschönen rückwärts zu den Siebzigern gewandtem Progpop begeistern, zu dem der nostalgische Text hervorragend passt. "Unter anderen" und "Leider schwierig" bieten immerhin soliden Schrammelpop mit Hang zu netten Melodien, können sich aber nicht ganz von einem etwas faden Beigeschmack loslösen, der bei "Unter anderen" halbwegs erfolgreich mit guten Gitarrenideen und einem kurzen Bläsereinsatz bekämpft wird. "Phantasievoll (aber unpraktisch)" ist nicht mehr als ein kurzes, instrumentales Zwischenspiel, wegen der griechisch erscheinenden Gitarren irgendwas in Richtung Post-Sirtaki vielleicht. Am bemerkenswertesten sind sicher die letzten vier Tracks der ersten CD-Hälfte: "River Man" von Nick Drake wird, anfangs noch halbwegs original nachgespielt, in der zweiten Hälfte zum stampfenden Noiserocker (ohne wirklich brachial zu sein); von den Minutemen wird "It's expected I'm gone" in den Noiserock gezogen und "Red" von King Crimson, die beste Coverversion hier, sollte möglichst viel vom alten King Crimson Kosmos in ein Lied packen - Operation gelungen. "Schöner Tag" könnte auch einen versöhnlichen Abschluss von "Don't cry, Mondgesicht" bilden und gehört mit "Bus in die Freiheit" zu den Pendikel-Songs, wegen denen sich die CD lohnt. Im zweiten Teil präsentieren Pendikel die Remixarbeiten von diversen, eher weniger bekannten Electromusikern. Die meisten Arbeiten gehen wie erwartet Richtung Indietronic/Elektropop, die einzige große Überraschung kommt von Velma, die "Zitatmaschine" zu einem hässlichen Brocken Dark Wave Industrialrock zusammenklumpen. Über die fast sieben Minuten kaum erträglich und gerade deswegen großartig und beschissen monoton zugleich. Der Bruch mit den Fans kommt spätestens an dieser Stelle. Davor geht Jean Michel mit "Von Fall zu Fall" den Weg vom Gitarren- zum Elektropop mit einer ordentlichen Portion modischen Minimal Technos, Radioluxx elektropoppen "Piepton" nett aber unspektakulär auf. Danach wird "Dead City" vorsichtig von Volker Schumacher mit Beats und Geräuschen unterlegt, ohne den Charakter des Songs zu zerstören. "Bis zum letzten Mal" (Sankt Otten) geht Richtung Downbeat und mehr nach Portishead werden Pendikel wohl nie mehr klingen... Der Ankündigung, dass die Band irgendwann, man weiß nicht genau wann, mit ihrem neuen Album vor der Tür steht, entsprechen die zehn Minuten Pause vor dem Lo-Fi Hidden Track. Also dann. Bis dann, Pendikel. Tour folgt ja. (6,5/10)
www.empty-room.de // Tobias Goris // 18.02.08
Es gibt noch vieles zu entdecken in Deutschland. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, des Liebens und seiner eigenen Anwesenheit bin ich 2006 über Don´t Cry Mondgesicht gestolpert, den musikalischen Befreiungsschlag der Osnabrücker PENDIKEL. Nach zehn Jahren Bandgeschichte hat das vierte Album endlich die Clubs in denen Sie live spielten gefüllt. Muss ein gutes Gefühl sein, gefragt zu werden, was man denn vorher getrieben hätte, da man von Ihnen noch nie was gehört hat. Pendikel waren laut und krachig aber trotzdem Indie. Dasselbe in Pop ist Don´t Cry Mondgesicht, mit Texten die tiefer in dir selbst graben, als es du selbst für möglich halten würdest. Man arbeitet an neuem Material, was alte sowie neugewonnene Freunde sicherlich erfreut, vorher wirft man aber noch mal einen Blick zurück. Unveröffentlichtes Material und geremixte Versionen zeugen von der Klasse der Band abseits der A-Seiten. Schon allein deshalb wird es für Freunde der Band zur Reise ins Gewisse. Oliver Klemm und Carsten Sandkämper müssen Perfektionisten sein, nicht nur hörbar sondern auch in der Ausarbeitung Ihrer Alben. Das Booklet mit Prolog und perfider Titelauswahlbeschreibung ist gedruckter Beleg für das Herzblut welches in Ihrem Schaffen liegt. Das Unter anderem eigentlich auf dem letzten Release Don´t cry mondgesicht hätte landen sollen, erfährt man aber nicht nur aus dem Booklet sondern ist auch deutlich hörbar.
Die dengelnden Gitarren nehmen Ihren Anlauf um über kalte Bäche in saftige Blumenwiesen zu springen, knorrige Bassäste zu besteigen um im Refrain mit der trompetenden Krähenmeute zu klagen. Die Leidenschaft in all Ihren Facetten strömt aus der geladenen E-Gitarre in die Nacht, lässt Sorgen kurzzeitig dem jugendlichen Übermut weichen und in den Gesang einstimmen. An solch selige Zeiten will uns auch Bus in die Freiheit erinnern. In schwelgerischem Fernweh nach der Vergangenheit und einfacherem Sein windend löst man als Hörer gerne das Ticket in die ewige Weiten der Freiheit. Über die holprigen Drumstrassen, bringt uns der Santanaeske Gitarreneinsatz der unendlichen Weite unseres Kopfkinos näher. Hinter Leider schwierig verbirgt sich das inkonsequente Handeln der Band, welche den Song wohl voreilig eingemottet hat, um Ihm jetzt sein berechtigtes Dasein auf dem Silberling zu ermöglichen. Die klanglich motivierte Kampfansage an den Kommerz und die Dekadenz, getragen von der im Gleichschritt marschierenden Hook, welche nur in der Bridge Verschnaufpausen gönnt um die textliche Relevanz hervorzuheben. Dieser Titel wächst langsam aber stetig wie der Unmut gegen das Establishement und die eigene Untätigkeit gegen die im Kopf lang vorbereitete Revolution. Der nächste Blick zurück schweift ins Jahr 1997, wo Phantasievoll ( aber unpraktisch ) als zupfende Saitenmusik, die Brillianz in der Stille seiner Akustik sucht, bevor River Man seinen Sinn im Gegenteiligen sucht. Das Nick Drake Cover erwehrte sich fast zehn Jahre einer Veröffentlichung, verfügt aber über eine ungeahnte musikalische Intensität. Eingestimmt von säuselndem Gesang, klagenden Streichern und knarzenden Gitarren, erschrickt man ob der plötzlichen derangierten Herangehensweise mit noisigen Hardrockelementen. Diese hat man sich fürs Covern der Minutemen gleich beibehalten. It´s expected I´m gone ist krachendes, rumpelndes Akustikchaos mit vereinzelt auftretender Rhythmsection, welche von Gitarrenfrickeleien gnadenlos eingeäschert wird. Das klingt nach Verzweiflung und mündet in einem aussichtslosen Kampf. Einen Kampf den der kleine Mann auch in Red führt, einem King Crimson Cover, das nicht viel von Melodie oder Gesangsparts hält. Hier heisst es möglichst laut, möglichst viele Instrumentalspuren übereinanderzulegen und irgendwo kurz vor dem Grindcore-Overkill die Ausfahrt aus der Chaosautobahn im Gehirn zu bekommen.
Auf der blühenden Grünfläche des Openers findet man sich plötzlich beim Hören von Schöner Tag wieder, einem dieser traumwandlerisch dem Dasein entrückten Titel. Hier hat jeder Drumtakt seine Bedeutung und jedem Saitenanschlag wird Luft und Raum zum Atmen gegeben. So sehr, daß der sanftfeinstoffliche Gesang beinahe unvernehmbar wird. Schade drum, aber die anschliessenden Remix-Titel helfen weiter und entführen Pendikel aus dem bestuhlten Club um die Ecke auf die Tanzflächen. Jean Michel´s Remix von Fall zu Fall lässt den energischen, aus sich herauswachsenden Refrain des Originals leider vollkommen in pluckernden Rhythmen versinken. Hier gelingt es Radioluxx besser die Stimmung von Piepton einzufangen. Die piependen, fierpenden Klangteppiche unter dem klagenden Gesang münden im entrückten Refrain welcher den Titel in seiner Tragik brillieren lässt. Ans Schleifen des Rohdiamanten Zitatmaschine hat sich Velma gemacht. Mit düsterer Stimmung atmosphärisch gewachsen saugt sich der effektgezerrte Gesang ins Kleinhirn und die Gedächtniszentrale. Zunächst technoid abstossend verstörend, fasziniert diese Neuinterpretation dennoch, auch wenn Sie nicht an Dead City herankommt. Volker Schumacher hat sich nicht dazu hinreissen lassen, die anklagenden ersten Zeilen des Originals zu verändern und hütete sich davor das Schaffen des tonnenschweren Pianos zu unterbrechen. Die pochenden Minimalelectrobeats im Stile eines Console verleihen dem tragischen Werk eine gewisse kontroverse Leichtigkeit und Eingängigkeit. Das kann man von Bis zum letzten Mal leider nicht behaupten. Sankt-Otten remixten eine dunkle. Vollgesaugte Gewitterwolke welche sich träge behände durch das Gehör windet und dabei in feinsten Blitzentladungen Keyboardharmonien freigibt.
Die Reise ins Gewisse ist für Pendikel & Zuhörer ein Rückblick und gleichzeitig Vorschau auf kommendes Schaffen der Band, welches man nach Don´t Cry Mondgesicht und diesem Album nun kaum noch erwarten kann. Mein persönliches Highlight Falsche Freunde wurde zwar leider nicht geremixt, aber auch so enthält Reise ins Gewisse hervorragende Deutsche Indierockkunst von der wohl besten unbekanntesten Band Deutschlands (5/5)
www.kasino-royal.de // Markus S. / 13.02.08