Keine Zeit: Muss rausgehen, rocken und zerstör´n. Selber schuld. Nee, ganz so einfach geht es nicht. Wenn nicht mal mein mich treu durch den Fremdwörterwald bugsierender Duden mir weiterhelfen kann, so dass ich hier offen und ehrlich zu gestehen mich gezwungen sehe, nicht zu wissen, was ein Pendikel ist, dann ist es mit der Einfachheit nicht weit her. Und wenn mir das mit der Ziffer drei betitelte Album zu verstehen gibt, dass aller guten Dinge auch mal einen Anfang hatten und zwischen diesem und besagter drei ein weiteres Album ton- und spurlos an mir vorbeigerauscht ist, darf man mich just in diesem Moment, in dem ich just in diesem Moment schreibe, schamrot anlaufen sehen.
Genug gewimmert und zur Sache: Karge Zeichnung der beiden Pendikel auf dem Cover, der nackige Titel und in der Info steht wenig mehr, als ... sonst gibt es eigentlich nix neues. Kaum verwunderlich, dass man sich nach dem Hören dieses Albums als schlechter Mensch fühlt, das einfach mal so, ohne groß Aufhebens von sich zu machen, rundum gelungen ist. Als wäre es das einfachste von der Welt. Und doch, nicht erst auf den zweiten Blick, erweist es sich als zu sperrig, um es in eine herkömmliche Schublade packen zu können. Mit Noise Rock oder Emo hat 3 nur bedingt etwas am Hut. Gut vorstellbar, dass sie sich ursprünglich von dort aufgemacht haben. Das Album geht jedoch viel weiter, vor allen Dingen geht es viel weiter zurück. Neben der hin und wieder durchschimmernden, aber niemals störenden Anlehnung an Bands wie Mogwai oder Godspeed You! Black Emperor, sind es vor allen Dingen zeitlich weiter zurückliegende Elemente, vornehmlich aus dem Artrock, die diese zwölf Songs bestimmen. Dass das alles nicht schwer im Magen liegen muss, belegen Pendikel hiermit auf´s vortrefflichste, zumal der deutschsprachige Gesang sein Übriges tut, ein zuviel des Guten zu vermeiden. Immer rechtzeitig ausgebremst und doch stets für Überraschungen gut.
Rainer
Pendikel is een Duits duo met de nadruk op Duits. Oliver Klemm en Carsten Sandkamper (in het dagelijkse leven journalist en schrijver) schrijven briljante lyriek dat in het Engels op het niveau van - laten we zeggen - Mark Hollis of J.J. Cale zou liggen. Observerend en bijna literair. Muzikaal verloochenen ze hun grungeachtergrond in grote lijnen. Slechts de trieste sfeer van die stroming merk je nog een beetje. Een Duitstalige mix van Talk Talk en Mogwai zou een omschrijving kunnen zijn. Soms erg ingetogen (en je moet vaak goed luisteren om de tekst te horen) en daardoor lekker rustgevend. Mooi album. (GS)
Aus der Reihe Wenn Musikjournalismus eine Arztserie wäre': (Oberarzt vorm Bett der Patientin) Ach ja, die deutschsprachige Popmusik ist schon ein hoffnungsloser Fall... seit Jahren leidet sie an Schwindsucht, das arme Mauerblümchen, und kann sich nur noch gelegentlich mittels stilistischer Frischzellenkuren aufrappeln. Und wie geht es unserem Patienten heute? Oh, was ist denn das? Die Dame hat ja richtig Farbe bekommen! Und was liegt da neben dem CD-Player? Ein neues Pendikel-Album? Schwester... (ab). Aber zurück zum harten Alltag der zerstörten Rockstarträume: Nach zwei Alben als tighte Rockband haben sich Pendikel vor drei Jahren um 50% von vier auf zwei Mitglieder verjüngt. Aus der Wums-Krach-Bumm-Band ist eine leisere, besonnenere, und sagen wir es ruhig ältere Band geworden. In diesem Reifungsprozess haben sich die verbliebenen Mitglieder Carsten Sandkämper und Oliver Klemm vielerlei Einflüssen geöffnet. So erinnert der instrumentale Opener zunächst an die frühen Fleetwood Mac, mit dem Einsatz des Mellotrons dann an King Crimson, um schließlich in Richtung Fugazi zu steuern. Überhaupt scheint es Pendikel nach der Halbierung noch leichter zu fallen, eine musikalisch wie textlich dichte Atmosphäre zu erzeugen, womit sie im ewigen Planungsteam zur Rettung der hiesigen Popkultur so ziemlich allein dastehen (an ihrer Seite sehe ich im Augenblick nur Knarf Rellöm). Auf den Opener folgt der erste Hit Sailing von R.S.', einer Alltagsbeobachtung a là Robert Wyatt, die dem Hörer mittels ungewöhnlichen Hooklines einen guten Start in den Tag wünscht. Und so wie die im Song beschriebene Frau, die jeden morgen auf ihrem Damenrad zum langweiligen Bürojob fährt und sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder und wieder jene Schmonzette von Rod Stewart zu hören, wird sich der Hörer nach dem Anhören von 3 nichts sehnlicher wünschen als mehr von dieser Musik, vor allem von den introspektiven Songs wie Stehen' oder Der letzte lässt das Licht an' (die Texte kann man sich unter www.pendikel.de ansehen.) Was wie eine zu oft gehörte Platitude klingt, trifft hier voll zu: Die Zukunft der deutschen Popmusik. Absolute Ausnahmeplatte. Hand drauf.
Ralf Bei der Kellen
Ich hab`s nicht mehr für möglich gehalten, aber Carsten Sandkämper und Oliver Klemm haben es tatsächlich geschafft, zu zweit den Nachfolger für die ´Phantasievoll (aber unpracktisch)´ einzuspielen. Pendikel haben sich leicht verändert, sind gewachsen: Man hört Sandkämpers Arbeit mit Sankt Otten raus und das ist gelinde gesagt wundervoll. Knackige Popsongs mit dem gewissen Pendikelschen Kniff (´Rausgehen, rocken und zerstör´n) wechseln sich mit ausufernden, hypnotischen Melodieseen (´Tranquilo´), die sich warm über Dich ergiessen und versöhnlich die Hand ausstrecken. ´Wir machen Noise mit Liebe und so´. Toller, tiefer Sound, transparent und druckvoll. Auf der Homepage gibt es das komplette, sehr schöne (= stylische) Booklet als PDF-Datei und Ausschnitte aus meinen Lieblingssongs: Sailing von R.S., Macey, Stehen und Lauter. Unvergleichliche Texte; aus Osnabrück (!). Kaufen.
Puffi
Ganz gleich, ob sie nun große Sympathien hervorrufen oder nicht, eines können die inzwischen auf zwei Mitstreiter geschrumpften Pendikels einfach: gute Songs schreiben. Die Vergangenheit scheint fern und irgendwie doch so nah, bleibt der Spät-Neunziger ´Phantasievoll (aber unpracktisch)´ doch zunächst eher im Regal. Und irgendwie auch wieder nicht. Das neue alte Kleid steht Pendikel jedoch recht gut zu Gesicht, denn was sich damals ganz still und heimlich anbahnte, findet auf 3 beinahe gänzliche Vollendung: liebevoll gespickte Kleinstarbeit, staubige Melancholie, Stille und etwas schwelgende Atmosphäre heißt das Konzept auf Anlauf Nummer 3. Alles in allem weniger ungestüme Jugendlichkeit als beim Vorgänger, dafür wie immer eine gehörige Portion Eigenwilligkeit. Diese Platte bietet soviel Nacktheit und offene Angriffsfläche, dass sich die Gemüter geradezu daran scheiden mögen. Dabei kann locker über träge Quotenrockfehltritte wie Rausgehen, rocken und zerstör´n oder gar Lauter hinweggesehen werden.
Um ehrlich zu sein: Fast wäre diese Scheibe nach zwei Durchläufen in meinem Vorgarten gelandet. Welch Glück, dass sie sich in letzter Sekunde doch noch in meinem CD-Spiler festsetzte und sich dort seit geraumer Zeit sichtlich wohl fühlt. Schön, dass es Euch gibt. Eine der ganz Großen des Jahres.
Lange war es still um die Osnabrücker PENDIKEL, das letzte Album "Phantasievoll (aber unpraktisch)" ist von 1998, danach sei man "kurzzeitig dem Wahnsinn anheim" gefallen (so das Info). Die Crowd sprach von Auflösung, umso mehr war man überrascht, als Anfang des Jahres ein paar Konzerte und ein neues Album angekündigt wurden.
"3" heißt das Werk nun (weil es das "dritte Album" ist) und hat mit den PENDIKEL der 90er nicht mehr sehr viel gemeinsam. Von einem Quartett ist man zum Duo geschrumpft. Oliver Klemm und Carsten Sandkämper halten nun allein die Fahne hoch, nur live werden sie von weiteren Mitstreitern unterstützt (unter anderen von Mitgliedern von "Goto Okay").
Musikalisch bewegt man sich zwischen Rock, Emo, Psychedelic und der so genannten New Acoustic Movement hin und her, Bands wie Elbow, Motorpsycho, Kings of Convenience, Aereogramme, aber auch Klassiker wie King Crimson, Pink Floyd, Talk Talk (auch das Solowerk von Mark Hollis) lassen grüssen. Doch etwas ist anders, PENDIKEL singen auf Deutsch und das macht sie in der hiesigen Musiklandschaft einzigartig. PENDIKEL schließen damit eine Lücke, die schon lange hätte geschlossen werden müssen.
"3" ist ein großes Album, ein Album voller kleiner Schönheiten und Harmonien. Ein Album voller Nachdenklichkeit und Melancholie, doch selten hat es soviel Freude bereitet, dem Ganzen zuzuhören. ( Smilo ) 23. Juli 2004
Der Minimalismus wird bei Pendikel groß geschrieben. Dafür gibt es gleich mehrere Indizien. Zum einen wäre da das Cover, in schlichtem weiß gehalten, spärlich verziert, die einzige Verbindung zur Außenwelt scheint die stilisierte Eisenbahnschiene die vom Mitte des Artwork an sein Ende führt. Zum andern konfrontiert die Zwei-Mann-Band seinen Hörer mit einem in die Ruhe selbst getauchten Intro. Sehr simpel, ein wenig Klavier, sonst nichts. Auch im bescheidenen Info steht nicht viel: ... hoffen, sie gefällt euch ... (die Platte). Viel Freude beim Hören und einen schönen Tag wünschen ...
Und auch musikalisch setzen Pendikel auf Zurückhaltung. Deutsche Texte vermengen sich mit englischen, der Gesang, manchmal ist es auch nur ein Sprechen, erinnert mich wenn auch nur minimal - an M.M. Westernhagen, wenn er denn mal flüstern, betören, beschwören wollte. Keine Frage: Das Duo mag es am liebsten ruhig und besinnlich. Die Gitarren gluckern zufrieden im Hintergrund, das Schlagzeug tupft oft mehr als dass es schlägt. Und doch mischen sich beizeiten auch schräge, selten sogar derbe Klänge dem weißen Rauschen bei (Rausgehen, rocken und zerstör'n). Auch dieses Gesicht steht Pendikel nicht schlecht, wobei ich den Jungs das Zerstör'n nun wirklich nicht abnehme.
Ich stelle mir Pendikel letztlich als zwei liebe Jungs vor und jetzt Mädels, aufgepasst! -, die sich bestimmt nicht ihrer Gefühle schämen. Nicht schlecht die 3, aber auch nicht herausragend.
( JK )
Eine Autobahn. Daneben steht die Gitarre einsam auf dem Bauernhof. Der Hund bellt. Ein Laster düst vorbei und die Gitarre schaut ihm hinterher. Dann ein Vibraphon, erhellt die Szenerie und die Becken des Schlagzeugs kreisen im Engelsgewand. Die zweite Gitarre dängelt ebenso traurig daher. Psychedelia in Dur. Eine Orgel macht klar, dass PINK FLOYD eine gute Band war. Dann der Durchbruch und der Verzerrer ist auf on. Es wird geschimpft und gedichtet, gebrüllt und gedacht. Chorgesang und Mellotron. Wall of Sound, Powerchords, NOMEANSNO-Bässe und APHEX TWIN-Gedudel. Deutsche Texte künden von Unzufriedenheit, während die Musik selber in einer hymnischen Verträumtheit, in Wärme und Licht badet. Die Stimme erinnert durch ihre deutlich Aussprache und eine gewisse steife Gestik an NICO. Allerdings sind Referenzen hier schwierig zu benennen. Weder der Gedanke an Hamburger Schule noch an neudeutsche Befindlichkeitslyrik will sich breit machen. Wenn die Gitarrenwände nicht so mächtig wären, dann könnte man von Chanson sprechen, und wenn die Wut und der Punkrock nicht wäre, dann könnte man von Krautrock, oder 70er Hippierock sprechen. Letztendlich bleibt aber doch dieses eine einfache, etwas dumme, aber sehr wohlmeinende Urteil übrig: ziemlich eigen! Extrem ehrlich! Fühlt euch geliebt, PENDIKEL!
Andreas Klernt
Nach Fu ruft Uta (1996) und Phantasievoll, aber unpraktisch (1998) haben Oliver Klemm und Carsten Sandkämper ihren dritten Streich vorgelegt. Textlich besitzt PENDIKEL den Charme von Max Goldt in Die Radiotrinkerin. So werden uns kleine Anekdoten aus dem Alltag oder der Zwischenwelt erzählt. Untermahlt mit Klangstrukturen aus Collagen, Gitarre und Schlagzeug. Zwischendurch erinnert mich der Musik/Gesang auch mal an SIMON&GARFUNKEL. Wofür hab´ ich gezahlt fragen sie mich verschlafen und verträumt, überraschen mit Rausgehen, rocken und zerstör´n hardpoppig und treiben mich weiter (Mach dass du weiter kommst; Nicht so schnell) in Tagebucherinnerungen. Lauter blubbert wie TREND im Stakkato-rythmus. Ich bin sicher, Bukowski würde beim Hören dieses Kunstwerkes nicht nur eine Flasche JACK DANIELS trinken, sondern auch seinen Im Wendekreis des Krebses neu schreiben.
Und er geht und denkt sich nichts dabei/ und er geht und denkt sich nichts dabei/und er steht an der Ecke und er denkt sich nichts dabei/ und er geht und denkt sich nichts dabei/ und er geht und denkt sich nichts dabei/was passiert, was passiert
Pendikel - dahinter verstecken sich mit Oliver Klemm und Carsten Sandkämper zwei Multi-Instrumentalisten, die nunmehr zum dritten Mal versuchen, ihre Vision luftiger, träumerischer Pop-Musik in die Tat umzusetzen. Folglich trägt das neue Pendikel-Album konsequenterweise auch den Titel 3 . Produziert hat abermals Noiserock-Gott Guido Lucas, der somit beweist, dass er sich auch auf anderem stilistischen Terrain sehr gut zurechtfindet.
Das erst ganz stille und sich dann sehr schön steigernde Instrumental Le Petit Mort stimmt den Hörer langsam auf das ein, was da noch folgen mag, ehe mit Sailing Von R.S. nicht nur dem alten Whiskeypullen-Schürzenjäger Rod Stewart ein Denkmal gesetzt wird, sondern gleichzeitig ein netter, kleiner Popsong mit leichtem Schlager-Touch in Szene gesetzt wird.
Insgesamt aber fällt das Songmaterial auf 3 sehr ruhig und träumerisch aus. Das kann gut gelingen und schön einlullen, ohne zu langweilen, wie beispielsweise der Drone-Popper Nicht So Schnell beweist, aber manchmal auch ziellos dahinplätschern, wie im überlang aufgeblasenen, nervig repetitiven Tranquilo . Ersteres überwiegt glücklicherweise, zu Songs wie Macey und Stehen kann man wirklich ganz fantastisch nachdenken, träumen oder grübeln. Zwar wird die Stille zwischendurch nur durch das für Pendikel-Verhältnisse ungemein heavy ausfallende Lauter sowie durch den Schrammelrocker Rausgehen, Rocken Und Zerstör´n mit seiner feinen Melodie und dem coolen Basslauf gebrochen, doch gerade dieses Schweben und Fließen im Nichts macht auch den besonderen Charme von 3 aus. Böswillige Leute tun das als Hintergrundmusik ab, aber diese abschätzige Bezeichnung würde 3 nun wirklich Unrecht tun. Zum Schluß setzt es dann mit Nächste Ausfahrt noch ein weiteres Instrumental, nur diesmal ist die Klangfarbe düster. Doch jegliche Trübsal wird mit dem harmoniesüchtigen Schlusspunkt Der Letzte Lässt Das Licht An wieder vertrieben. 3 ist eine gelungene, in sich schlüssige Konzeptplatte mit Seltenheitswert. Nur das manchmal leider auftauchende Schlagerhafte in ihrer Musik, das müssen sich Pendikel wirklich noch abgewöhnen.
Fazit : Ein wirklich schönes, manchmal ein wenig kitschiges, aber dennoch anspruchsvolles Pop-Album in deutscher Sprache. Nicht der ganz große Wurf, aber allemal ein bemerkenswerter Anlauf des sympathischen Duos.
Woran erkennt man eine sehr, sehr gute Platte..? Daran, dass die Kommentatoren großer und nicht so großer Fachorgane mühsam um die passenden Worte ringen und dabei alles mögliche vom Stapel lassen, nur nichts Gehaltvolles über die zu besprechende Scheibe. Statt dessen gibt's dann gestelzte Oberstufen-Lyrik in rauhen Mengen, die sich dem textlichen Niveau des Albums im Idealfall annähern soll. Der Haken daran: Das klappt fast nie!
Man ist also gut beraten, sich diesem komplexen Brocken von einem Album möglichst Vorbehaltlos zu nähern, denn mit zwei Dingen macht das Osnabrücker Duo, Oliver Klemm und Carsten Sandkämper , unbedingt Ernst: Erstens, mit dem Anspruch wirklich eigenständige, bedeutsame Musik zu machen und zweitens, dieses Vorhaben auch mit letzter Konsequenz zu verfolgen. Wenn man jetzt noch hinzufügt, dass der Oberbegriff des "Pop" trotzdem ganz nahe ist, bahnt sich einige Verwirrung an. Und eben diese glanzlose Oberstufen-Lyrik.
Neugierige erfahren, dass Pendikel , die sich früher "P²:eNdi|Kel" schrieben, mal zu Viert waren und sich dem Noise-Rock-Lager zugetan fühlten und andere Gelüste -wie etwa das Covern von 80er-Hits- unter dem Namen "PeNiBel" befriedigten. Und auch hiervon finden sich etliche Spurenelemente auf "3" wieder . Nein, Klemm und Sandkämper lassen sich nicht einfangen. Niemals! Sie bauen Sandburgen aus Noten und lassen sich den Wind der Melancholie um die Nase wehen. Wenn die Sonne scheint, poppt es massiv bis zur Atemlosigkeit und in dunklen Momenten fließen laute Tränen.
Pendikel stellen viele Fragen, freilich ohne den Anspruch auch die Anworten hierauf parat zu haben. Sie erfüllen den Raum mit ihren Gefühlen, lassen aber noch genügend Platz für andere Empfindungen. Trauer, Hoffnung, Freude aber auch den Missmut. Denn sie wissen, dass sie womöglich die ein oder andere Erwartung enttäuschen werden.
Wer aber bei "Nicht so schnell" den Geniestreich vollbringt, im inhaltlichen Kontext ein Deep Purple-Zitat unter zu bringen ("Child in time") und bei "Rausgehen, Rocken und Zerstör'n" eigentlich alles sagt, was zu diesem Album gesagt werden muss, hat es nicht besser verdient: Er wird gnadenlos empfohlen! (fws )
Dirk von Tocotronic hatte behauptet, man habe sich auf This Boy Is Tocotronic am Artrock von Bands wie Soft Machine orientiert. Die erste deutsche Band jedoch, die für sich in Anspruch nehmen darf, Artrock wieder adäquat umgesetzt zu haben, sind Pendikel. Es ist schon phänomenal, wie das Breitwand-Format von Bands wie Godspeed und Mogwai hier zusammen mit ebenso elegischen wie bombastischen King-Crimson-Momenten inklusive deutschen Texten, die unter anderem von Damenrädern handeln, zusammen geht. Aus dem bubenhaft zurückhaltenden Gesang klingt sehr viel schlaksige Wimp-Weichheit, die eigentlich so gar nicht zu aufwühlenden Mellotron-Passagen passen will und gerade deshalb für einen betörenden Kontrast sorgt.
Die fast schon selbstzerfleischende Bescheidenheit, mit der Pendikel in ihrem Presseinfo darauf verzichten, sich selbst zu verorten, und lakonisch anmerken, dass es neben der Fertigstellung ihrer dritten Platte »eigentlich nix Neues« gebe, ist angesichts dieser sensationell eigenartigen Veröffentlichung fast schon unverschämt. Wer die Kraft hat, sich so etwas Schillerndes wie die Verschmelzung von Siebziger-Schwelg-Rock à la Grobschnitt mit der Verhuschtheit von S.Y.P.H. zur Wieleicht-Phase vorzustellen, bekommt einen leisen Eindruck von diesem Monolith von betörender Unwahrscheinlichkeit, an dessen Machbarkeit niemand vor seiner Materialisierung geglaubt hätte. Abgesehen vom Hit Rausgehen, Rocken Und Zerstör'n, dessen ewige Wahrheit nach einer Wimp-Variante der Boxhamsters klingt, bauen Pendikel, deren Vorgänger noch etwas unelegant als Emo beschrieben wurde, an architektonisch ziemlich wackeligen Schichtungen, bei denen Pathos immer wieder von Momenten absoluter Zerbrechlichkeit abgelöst wird. Die manchmal an Tomte erinnernden Texte mit ihrer Mischung aus Jungs-Befindlichkeit und Wut haben da zu einer Form gefunden, die nach der verbotenen Rezensenten-Floskel »kongenial« geradezu schreit. Weil es Genies aber nur im Märchen und im Mythos gibt, bedarf die Schwärmerei gleich einer Korrektur: Pendikel machen auch das Fehlerhafte, Unfertige, Suchende und Tastende hörbar, sind also alles andere als unangreifbar oder souverän und gerade deshalb so besonders, so wichtig, so zwingend.
Martin Büsser
Die zarteste Versuchung seit Erfindung der Mokka-Sahne-Bonbons. Carsten Sandkämper und Oliver Klemm sind Pendikel. Pendikels dritte CD nach Fu ruft Uta und Phantasievoll (aber unpraktisch) bewegt sich auch wieder in der lässigen Langsamkeit des Seins, der Zeit und der Geräusche. Selbst wenn sie lauter werden, findet das alles in dezenter Zurückgezogenheit statt, im akustisch bereinigten Wohlklangzimmer. Ein schönes Ohrwürmchen ist der zweite Titel Sailing von R.S.. Diese flotte Melodie mit dem lapidaren Text reiht sich gnadenlos zurückhaltend in die auffallend alltagstaugliche Pendikel-Lyrik ein. Einen Schritt vor dem Kitsch hält das Duo inne und verbreitet schnell eine druckvolle Rockstimmung wie in Lauter. Fast hymnisch rasseln hier mit hoher Geschwindigkeit harte Beats und röhrende Gitarren aufeinander. So sollte eine Entfesselung aus der Enge der nur netten Songs sich anhören.
Pendikel kommen nun also mit ihrem dritten Longplayer. Nicht mehr zu viert, sondern nur noch zu zweit bestreiten Oliver Klemm und Carsten Sandkämper auf "3" eine alternativ, melancholische Odyssey zwischen mal getragenen, mal lauten, stets poetischen Songs. Wer bluNoise Records kennt, weiß dass das Label für außergewöhnliche, qualitativ hochwertige Musik steht. Und das ist auch bei Pendikel so. Ich muß ehrlich zugeben, daß ich beim ersten Hören dachte: "oh nein! so ein langweiliger Scheiss!". Aber je öfters ich diese Scheibe höre, desto eingängiger wird sie. Einziger Wermutstropfen ist der Gesang, der auf die Dauer unendlich nervt. Der ist leider wirklich zu langweilig und die immerwärende Kopfstimme ist unerträglich. Die Musik würde ich als eine Mischung aus Sigur Ros, Blumfeld und neuere Get up Kids beschreiben. Schreib ein Gedicht und mach ein Lied draus .... Produziert hat das ganze übrigens Labelchef und Scumbucket-Gitarrist Guido Lukas. Ich würde Pendikel als die deutschen SOPHIA bezeichnen. Wer auf getragene, melancholische, verträumte Musik mit deutschen Texten steht, sich wenn es abends regnet ohne Schuhe und Schirm an die frische Luft stellt, traurig wird wenn morgends die Vögel zwitschern und die Sonne hallo sagt, wird mit "3" voll bedient! Kaufen und leiden !!!
Nicola 12.04.04
Die alten ´bluNoise`-Recken sind zurück zumindest zur Hälfte. Mit denen der End-neunziger haben sie aber nichts mehr zu tun.
Aus Vier mach Zwei: Nachdem sich Pendikel nach zwei brutal verspulten Alben zwischen Krach, Lust und ein wenig Wahnsinn eigentlich aufgelöst hatten, sind zumindest Oliver Klemm und Carsten Sandkämper wieder zusammen gekommen. Die spielen jetzt alles an Instrumenten, was da ist, und machen Musik, die sehr im Jetzt und Hier steht und uns, abgesehen von dem hübschen Um-die-Ecke denken, mal eben eine komplett neue Band präsentiert. Es fließt und tropft hier ziemlich viel, scheint auf der Suche und kommt doch irgendwo an. Da denkt man an Mogwai oder Godspeed, an Sometree, denen man die Verzerrer geklaut hat, und einmal, bei Rausgehen, rocken und zerstör´n, gar an die schrulligen Brüder der Boxhamsters. Die Texte sind schlau, man könnte wild herumdeuten, wenn man möchte, muss aber nicht. Dazu kommt ein Gesang wie Blumfeld im Schlafanzug und viel Platz für plinkernde Gitarren-, Orgel- und Mellotron-Klänge, die sich sanft auf Ohr und Gemüt legen. Wenn jetzt noch ein bisschen mehr hängen bliebe, wär´s richtig super.
Sascha Krüger
Zwanzig nach acht und die lähmenden Auswirkungen dessen, was Carsten Sandkämper, dynamischster Autor dieses Heftes und singende Hälfte von Pendikel, meinte, als er in seiner Radiohead-Kritik das Kreuz beschrieb, sich vor der Vertextlichung der auserwählten Platte drücken zu wollen. Nun muss ich so tun, als wäre ich nicht hier, sondern dort. Wohin mich die Musik trug (sie: wunderschön, ich: hingebungsvoll). Am Meer, ein einsamer Strand, viel Platz für introvertierte Romantik. Meine Gedanken. Deine Gedanken. Diese Texte stellen uns nicht zu den lebensbejahenden Trainingsjacken und modedepressiven NEON-Abonnenten, SO wollen wir das nicht. "Es ist ein Rauschen, ein weg gefahren werden." Genau so. Wir schreiben SEHNSUCHT in den Sand und verhalten uns sentimental. Wir? Das sind: du und deine wunderschöne Einsamkeit. Du und deine kluge Traurigkeit. Du und dein einarmiger Rock'n'Roll. Zusammen laut und leise sein, zärtlich sein zu den Wunden, aber erbarmungslos in Momenten, die nach Zerstörung schreien. Pendikels Dritte ist dein Freund. Sie hangelt sich entlang an staubig duftenden Plattenregalen, nimmt mit: Talk Talk, King Crimson, die frühen Genesis, Cardiacs (abgefahren), Elbow (nicht altbacken) und haucht die deren Magie auf ihre Seite. Aufmerksam und angespannt, wie einer Maus, die nachts durchs Zimmer huscht, lauschen wir den Elementen, die sich zu einem traumartigen Out-Of-Time-Hör-Spiel verzahnen. Wir verlieren uns in jeder liebevollen Komposition aufs Neue, doch alle Wege führen zurück zur Sentimentalität: die oft tragischen, Fernweh provozierenden Melodien, der blasse Gesang, die wundervolle, da mit Wundern volle Lyrik, identifikationstechnisch ein Geschenk, und am Ende? Sind wir nur wir selbst. Aber höre selbst und erfahre, was Musik kann.
Alexandra Tobor
Was kann einem den Sonntagmorgen attraktiv versüßen? Sich die Wiederholung des Halbfinales der Comebackshow reinzuziehen? Zu sehen, wie die profil- und sprechgestörte Arabella Kiesbauer mit dem alternden Scorpionswhistler und Kappenträger Klaus Meine eine eheähnliche Beziehung aufzubauen versucht? Festzustellen, dass Anastasia so scheiße ist, wie man es schon immer vermutet hat und dass unser allseits geschätzter Axel F. Kompositeur Harold Bajuwar Faltermajer ein Fan von Chris Norman ist; Chris Norman wiederum das gleiche Schicksal zu ereilen schien wie seinerzeit König Schwarz: sich im Schnulz zu suhlen, obwohl sich das hart rockende Smokieherz schon immer nach dem Strom in der Gitarre sehnte. Was sagt uns das alles? Keine Ahnung! Doch der Kreis schließt sich...
Mit der neuen Scheibe von Pendikel mit Titel 3 hat das allerdings wohl eher wenig zu tun. Wandelnd im Tal der Ahnungslosen stößt man ja immer wieder auf Bands, von denen man noch keinen Ton gehört hat. Umso überraschender war der große Lauschangriff auf die ersten Töne dieser sensationellen Scheibe die mich als eine der wenigen Veröffentlichungen der letzten Jahre sofort vom ersten Moment an in ihren Bann zog. Man fühlt sich an Klänge erinnert, die seit Jahrzehnten verschollen geglaubt, das Geheimnis einer Hammondorgel inklusive Anlauf- und Stoppbewegung des Rotaryspeakers werden in Gänze ausgekostet und was das allerwichtigste ist: Reduktion des klangmalerischen Kosmos auf die wesentlichen Essenzen als kunstprägendes Stilmittel. Kritik verbitte ich mir, diese Platte ist zu gut, um objektiv darüber zu berichten.
... Um den Kreis zur Comebackshow zu schließen: Pendikel haben bereits zwei Platten veröffentlicht, die, wie sich das für eine ambitionierte Kapelle gehört, nicht der Sicherung des Lebensabends dienten und laut Zeugenaussagen eher der Härtnerstromfraktion zuzuordnen waren.
Mit dieser schlicht 3 betitelten Platte ist es Pendikel angenehm gelungen, der Frustration des zum Duo geschrumpften Bandgefüges über bestimmte Grundsätze im Musikgeschäft durch ein reinigendes Ventil ihre eigene Musik in selbstreflektorischer Eigentherapie in Frage zu stellen und in einem vollständig veränderten Ansatz neu zu definieren. Höchsten Respekt von meiner Seite und beste Wünsche zur kommerziellen Verwertung. Liebe Freunde da draußen: stellt ein Budget zusammen und hievt diese Band auf eine Plattform, die ihrem Anspruch gerecht werden wird, sollte dies nicht möglich sein, kauft!!! dieses Album, es soll euer Schaden nicht sein... (Übrigens auch auf www.pendikel.de gibt es Interessantes zu entdecken) Darüber hinaus gilt festzuhalten, Coolio hat nach seinem unverdienten Ausscheiden trotz einer Johnny Cash zur Ehre reichenden Performance von Nirvanas Smells like teen spirit sich schmollend in Gangsta´s Paradise verkrümelt und Chris Norman kann einfach gut singen, doch wie schon erwähnt, Pendikel sind in einer ganz anderen Liga... Der Frühling 2004 wir wird ein guter sein, vielleicht darauf das ein oder andere Pils?
Mietze
Oliver Klemm und Carsten Sandkämper veröffentlichen zum dritten Mal. Pendikel heißen sie und machen hervorragende Popmusik, vollrohr in sich versunken und lautstark Stille einfordernd. Hier ist schöner Lärm, dem vieles gelingt.
Noise und Wundermelodien gehen Hand in Hand, wenn Pendikel über Rockmusik nachdenken. Wo zwei Alben lang ein Quartett musizierte, haben sich die verbliebenen beiden viele Gedanken gemacht, sie aufgeschrieben und zu Musik werden lassen. Glücklicherweise und jedoch entstand dabei mitnichten eine trotzige Standortbestimung. Was entstand, ist schlicht ein Album gefüllt mit kleinen Schönheiten, anschmiegsamen Eruptionen und Harmonien, die im Kreis springen. Hier und dort und oft wird Nachdenklichkeit groß geschrieben, doch selten hat es soviel einfache Freude bereitet, ihr zuzuhören.
Zum in jeder Sekunde mehr punktenden "Rausgehen, Rocken und Zerstör`n" darf hier nun getanzt und geschmolzen werden. Produziert hat das ganze BluNoise-Chef / Scumbucket-Bassist Guido Lucas, "3" lässt sich seit Mitte Januar erwerben. (sc)
och, das bandinfo zu "drei" ist sicherlich das spärlichste, was mir je untergekommen ist. dabei würde mich so interessieren, ob tatsächlich ein teil von PENDIKEL später bei WATERDOWN gelandet ist. hmm, sei's drum. musikalisch hat das neue werk mit der norddeutschen hardcoredampfwalze bis auf die wenigen breitwand-gitarrenausbrüche ("lauter") jedenfalls nichts am hut. seit meiner letzten begegnung auf der split 10" mit den grandiosen ULME (das war 1997) sind PENDIKEL nicht nur zum duo geschrumpft, auch musikalisch gehen sie wesentlich nachvollziehbarer zur sache als auf "pubertäterä". der opener "le petit mort" erinnert stattdessen an die atmosphäre meines momentanen lieblingsfilms 'lost in translation': melancholisch, ruhig und mit einem überraschenden finale versehen. dazu passen auch zeilen wie "irgenwann ist so weit von hier", die einem im spärlichen booklet begegnen. die behutsam arrangierten instumentalen passagen auf "drei" sagen mir aber deutlich mehr zu als der etwas anstrengende gesang von oliver klemm und carsten sandkämper, der für mich den einzigen schwachpunkt dieser ansonsten sehr liebevollen platte ausmacht. textlich schaffen es die beiden aber nach wie vor, mich zu fesseln - um so schöner, dass man selbige zumindest auf der PENDIKEL homepage findet. das herrlich ruhige doppel "nicht so schnell" und "stehen" ist außerdem ohne umschweife einfach nur schön. reinhören!
indie [micha, märz 04]